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Energiequelle der Zukunft?Weißer Wasserstoff in Kanada laut Studie wirtschaftlich nutzbar

18.05.2026, 16:41 Uhr
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In der kanadischen Provinz Ontario können Forscher natürlichen Wasserstoff nachweisen, der kontinuierlich aus Bohrlöchern an die Oberfläche strömt. (Foto: picture alliance / Sipa USA)

Natürlicher Wasserstoff als Energielieferant ist - bis auf eine Ausnahme - bisher vor allem Theorie. Nun zeigen Messungen in einer kanadischen Mine laut einer Studie, dass die Förderung sich dort lohnen könnte. Ist es eine klimafreundliche Alternative auch für Europa?

Wasserstoff gilt nicht nur als Hoffnungsträger der Energiewende, er ist auch für die Stahl- oder Düngemittelherstellung unverzichtbar. Bisher wird er vor allem aus fossilen Energieträgern wie Erdgas, Erdöl oder Kohle gewonnen - das ist energieintensiv und setzt CO2 frei. Klimafreundlicher grüner Wasserstoff aus erneuerbaren Energien ist teuer in der Produktion. Doch es gibt eine Alternative: natürlicher oder weißer Wasserstoff. Eine neue Studie weist nun erstmals ein wirtschaftlich nutzbares Vorkommen in Kanada nach.

Das Forschungsteam hatte den Wasserstoffaustritt aus uralten Gesteinen des Kanadischen Schildes direkt vor Ort gemessen. In einer aktiven Mine im Norden Ontarios entweichen laut der Studie aus jedem Bohrloch im Schnitt rund acht Kilogramm Wasserstoff pro Jahr. Hochgerechnet auf die knapp 15.000 Bohrlöcher des Standorts ergebe das einen jährlichen Ausstoß von mehr als 140 Tonnen, so die Forscher - dies sei genug, um den Strombedarf von über 400 Haushalten pro Jahr zu decken. Und das über einen Zeitraum von zehn Jahren und mehr.

"Bislang ungenutzte Möglichkeiten"

"Die Daten dieser Studie deuten darauf hin, dass es entscheidende, bislang ungenutzte Möglichkeiten gibt, eine heimische und kostengünstige Energiequelle aus den Gesteinen unter unseren Füßen zu erschließen", sagte Barbara Sherwood Lollar von der University of Toronto und Erstautorin der Studie laut einer Mitteilung. Natürlicher Wasserstoff könne damit erstmals als ernstzunehmende, wirtschaftlich abschätzbare Energiequelle bewertet werden, so die Autoren.

Natürlicher oder weißer Wasserstoff entsteht durch chemische Reaktionen zwischen Gestein und Wasser tief im Erdinneren, so die Autoren. Unklar ist jedoch, ob sich dieser Wasserstoff in ausreichender Menge in Lagerstätten sammelt. Bisher beruhten Schätzungen zu seinem wirtschaftlichen Potenzial allerdings vor allem auf theoretischen Modellen, nicht auf Messungen. Einzig in Mali existiert derzeit eine wirtschaftliche Förderung natürlichen Wasserstoffs, pro Jahr sind es dort etwa 50 Tonnen.

Funde auch in Europa

In Kanada könnte dies laut den Forschern nun auch möglich sein - wenn auch in überschaubarem Maße. So sei etwa eine klimafreundliche Energieversorgung der Bergbaubetriebe möglich, so die Autoren der Studie, die im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht wurde. Auch könnten abgelegene Gemeinden im hohen Norden, die heute aufwendig mit Diesel und Heizöl versorgt werden müssen, vom weißen Wasserstoff als Energiequelle profitieren.

Auch in Europa und Deutschland wird an der Förderung von weißem Wasserstoff geforscht. Im französischen Lothringen entdeckten Forscher 2023 zufällig ein Vorkommen, das auf 34 bis 250 Millionen Tonnen geschätzt wird. Auch in Deutschland hatten Forscher in Nordbayern bereits natürlichen Wasserstoff nachgewiesen. Ein Impulspapier der Wissenschaftsakademien-Initiative ESYS kam kürzlich zu dem Schluss, dass weißer Wasserstoff im günstigen Fall zwar deutlich billiger zu fördern wäre als grüner. Ein Allheilmittel sei er aber nicht - eher eine Ergänzung, etwa für lokale Energieversorgung in Kombination mit Geothermie. 

Quelle: ntv.de, kst

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