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Studie begegnet SkepsisWie wirksam waren mRNA-Impfstoffe gegen Corona tatsächlich?

03.07.2026, 17:05 Uhr
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Milliarden Menschen wurden während der Coronavirus-Pandemie mit mRNA-Impfstoffen immunisiert. (Foto: picture alliance / SIPA)

Die mRNA-Technologie war entscheidend im Kampf gegen Corona, doch die Skepsis blieb. Nun fasst eine weitreichende Untersuchung große Datensätze zur Wirksamkeit zusammen. Dabei werden auch die Risiken für schwere Komplikationen beziffert.

Sie brachten den Durchbruch bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie: die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und von Moderna. Trotz durchschlagender Erfolge in den klinischen Zulassungsstudien blieben viele Menschen skeptisch gegenüber den neuen Präparaten. Nun bestätigt eine weitreichende Überblicksarbeit vorherige Studien: Die Mittel sind äußerst effektiv und sicher.

Nach Milliarden von verabreichten Impfdosen lasse sich festhalten, dass die zugelassenen mRNA-Impfstoffe zuverlässig vor Covid-19 und auch vor einem schweren Covid-Verlauf schützten und dass dies für verschiedenste Bevölkerungsgruppen gelte, schreibt ein Team mit Forschern der University of British Columbia und des Imperial College London im Fachjournal "The Lancet". Dazu zählten etwa Kinder, Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Für ihre Überblicksarbeit werteten die Forscher systematisch 68 veröffentlichte Studien zu mRNA-Präparaten sowie Patientendaten aus einer Vielzahl von Ländern aus und kamen zu dem Schluss: Die mRNA-Impfstoffe haben - innerhalb von zwei bis sechs Wochen nach der Impfung - eine Wirksamkeit von rund 87 Prozent gegen eine Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus, von 93 Prozent gegen eine Einlieferung ins Krankenhaus aufgrund einer schweren Covid-Erkrankung sowie von 94 Prozent gegen Covid-bedingte Todesfälle.

Schwere Nebenwirkungen extrem selten

Nach diesem Zeitraum sinkt die Wirksamkeit den Forschern zufolge. So lag sie nach sieben bis acht Monaten noch bei knapp 50 Prozent gegen eine Infektion und immerhin noch bei 80 Prozent gegen eine Krankenhauseinlieferung. Auffrischimpfungen schaffen hier jedoch Abhilfe und können den Schutzeffekt wieder verstärken, wie das Team betont. In einigen Analysen gab es allerdings Hinweise darauf, dass die Wirksamkeit mit steigendem Alter und bei der Omikron-Variante des Coronavirus verringert war.

Schwerwiegende Nebenwirkungen seien extrem selten, weshalb der Nutzen die Risiken bei weitem überwiege, schreiben die Autoren. Bei jenen Menschen, die den Wirkstoff von Biontech/Pfizer verabreicht bekommen hätten, seien im Mittel unter einer Million Geimpften 12,6 Fälle einer Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung aufgetreten, beim Impfstoff von Moderna waren es demnach 35,6 Fälle pro Million.

Das Risiko für diese Nebenwirkungen sei jedoch wesentlich niedriger als das durch eine Corona-Infektion ausgelöste Risiko für die gleichen Erkrankungen, heißt es in der Studie. Dies gelte insbesondere für männliche Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren. Die meisten anderen Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Fieber oder ein Schweregefühl im Arm klingen der Analyse zufolge üblicherweise nach einigen Tagen ab.

RKI: Kein Risiko für menschliches Erbgut durch mRNA

mRNA-Präparate wurden weltweit bekannt durch die Covid-Pandemie. Erforscht wird die Technologie aber schon seit Jahrzehnten - vor allem als Mittel, um das Immunsystem gegen Krebs zu mobilisieren.

Die sogenannte Boten-RNA (engl.: messenger ribonucleic acid, mRNA) in den Impfstoffen liefert einen Teil der Erbinformation des Virus in die menschlichen Zellen. Diese produzieren mit diesen Informationen ein Protein des Erregers, gegen das der Körper dann Abwehrreaktionen entwickelt. Bei späterem Kontakt mit dem Erreger erkennt das Immunsystem das Protein wieder und kann das Virus schnell gezielt bekämpfen.

Obwohl mRNA-Impfstoffe relativ neu sind, gehören sie nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) bereits zu den am besten untersuchten Medikamenten der Welt. Es bestehe kein erkennbares Risiko, dass die mRNA in das Genom (DNA) von Körperzellen oder gar Keimbahnzellen (Eizellen oder Samenzellen) eingebaut wird, betont das RKI auf seiner Internetseite.

Hoffnung auf weitere Einsatzgebiete

Die Autoren der aktuellen Studie greifen weit verbreitete Falschinformationen rund um die mRNA-Wirkstoffe explizit auf. Es sei wichtig, transparente Informationen über die Präparate bereitzustellen und Vertrauen aufzubauen, bevor weitere mRNA-Präparate auf den Markt kämen, schreiben sie.

Auf die mRNA-Technologie wird in der Medizin auch weit über Covid hinaus große Hoffnung gesetzt. So arbeiten Forschende an mRNA-Impfstoffen auch gegen Grippe, RSV und andere Infektionskrankheiten sowie an mRNA-basierten Krebstherapien.

Co-Autor Robin Shattock vom Imperial College London plädiert dafür, den Zugang zu mRNA-Impfstoffen in ärmeren und Schwellenländern auszubauen. "Durch Investitionen in Technologietransfer, lokale Produktion und solide Regulierungssysteme können wir Lieferketten verkürzen, Kosten senken und sicherstellen, dass Menschen überall auch über Pandemien hinaus von sicheren und wirksamen Impfstoffen profitieren", betont der Forscher.

Die ungleiche Verteilung von Impfstoffen war während der Pandemie ein heftig diskutiertes Thema. So wurde etwa in manchen ärmeren Ländern zunächst eher der Vektor-Impfstoff von Astrazeneca verimpft, während reichere Industriestaaten frühzeitig größere Mengen der mRNA-Impfstoffe einkauften.

Quelle: ntv.de, Larissa Schwedes, dpa

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