Unterhaltung
Mittwoch, 04. Juni 2008

Modetrends in Japan: Haut, weiß wie Porzellan

Blauer Himmel, am Strand liegen und sich die warme Karibiksonne auf die goldbraune Haut scheinen lassen - so sieht für viele Frauen der ideale Sommerurlaub aus. Ganz anders in Japan. Dort finden die Frauen es geradezu furchtbar, braun zu werden. "Als ich das letzte Mal aus dem Urlaub kam, schrie meine Nachbarin entsetzt: "Warum bist Du denn so schwarz geworden!?", erzählt die 38-jährige Hausfrau Eriko. Mit ihrer gebräunten Haut widersprach die Japanerin dem Schönheitsideal der meisten ihrer Landsleute. "Bi-Haku", schön und weiß, lautet das Streben nach einer Haut wie Porzellan. "Whitening"-Produkte, Pflegemittel, die die Pigmentflecken aufhellen beziehungsweise für helleren Teint sorgen, boomen in ganz Asien.

Schon in früheren Jahrhunderten waren weiße Gesichter das Schönheitsideal in Japan. So benutzten Frauen in der Nara-Zeit (710-794) unter anderem Puder aus Mineralien oder ein traditionelles "o-shiroi"-Puder aus klebrigem Reis, Hirse und Gerste. Noch ausgeprägter war das Schönheitsideal weißer Haut in der folgenden Hofkultur der Heian-Zeit (794-1185). Damals verbrachten die Edelfrauen die meiste Zeit im Palast fern des Sonnenlichts. Ihre Haut war dadurch viel weißer als die der gemeinen Leute, die draußen arbeiteten. Weiße Haut galt als Zeichen des Adels. Damals war es Brauch unter Männern von hohem Rang, ihre Frauen nur gelegentlich für die Nacht zu besuchen.

"Während die Edelfrauen auf ihre Männer warteten, schminkten sie sich so weiß wie möglich, damit ihr Gesicht und ihre schwarzen, langen Haare im Kerzenlicht des Hofes passend zu ihren seidenen Kimono schön leuchteten", erklärt Masayoshi Nakano. Er ist Schönheitsberater beim japanischen Kosmetikkonzern Kanebo, dem Pionier moderner "Whitening"-Kosmetik schlechthin. Lange Zeit, so erzählt der Experte, seien die Mittel und Methoden zur Aufhellung der Haut oft schädlich für den Körper gewesen. So enthielt zum Beispiel das in der Meiji-Zeit (1868-1912) besonders beliebte Puder "enpaku" Blei. Erst im Jahr 1966 brachte Kanebo das erste unschädliche Kosmetik-Produkt zur Aufhellung der Haut auf den japanischen Markt.

Haut-Aufheller sind der Hit in Asien

Kanebo ist heute das führende Unternehmen in Japan für Whitening-Kosmetika im Prestigemarkt - und damit Trendsetter in ganz Asien. Dabei hat sich das Schönheitsideal der Japanerinnen zwischenzeitlich öfter mal geändert. So zeigen Werbeposter vom Ende der 60er Jahre Frauen im Sommer mit brauner Haut. "Damals war man chic, je dunkler man im Sommer wurde. Das muss der Einfluss des Westens gewesen sein", sagt Nakano. "Im Herbst musste man aber unbedingt wieder helle Haut haben". Seit den 90er Jahren jedoch wollen die Japanerinnen auch im Sommer schöne weiße Haut haben - und lassen sich das Einiges kosten.

Während sich der Kosmetikmarkt insgesamt jahrelang eher schleppend entwickelte, ist der Markt für Whitening-Produkte am Wachsen. Sie machen inzwischen ein Viertel des gesamten japanischen Marktes für Hautpflegemittel aus. Etwas aus dem Rahmen fielen einzig japanische Mädchen in Tokios Szene-Viertel Shibuya, die Ende der 90er begannen, sich ihre Haut in Sonnenstudios regelrecht zu schwärzen. "Sie lehnten das Schönheitsideal ihrer Elterngeneration ab", sagt Nakano. Während immer noch manche dieser jungen Frauen in Tokios Szene-Vierteln zu beobachten sind, wird das japanische Werbefernsehen ansonsten ausschließlich von Frauen mit heller, fleckenloser Haut dominiert.

Doch heute geht es den Kundinnen nicht mehr nur allein um das Aussehen, auch das wachsende Gesundheitsbewusstsein spielt eine zunehmende Rolle. So dienen nicht nur Kosmetika dazu, die Haut vor schädlichen Strahlen zu schützen. Die Liebe der Japanerinnen für eine fleckenlose Porzellan-Haut kurbelt auch die Nachfrage nach kleinen Sonnenschirmen zum Spazierengehen, Hüten mit UV-Schutz und T-Shirts mit langen Ärmeln an. Derweil zeigen jüngste Marktforschungen aus Europa und USA, dass es mittlererweile auch im Westen einen kleinen, aber im Wachstum begriffenen Markt für Whitening-Produkte gibt.

Lars Nicolaysen, dpa

Quelle: n-tv.de

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