Unterhaltung
Sorgt für mächtig Wirbel: Aserbaidschans ESC-Beitrag "Hold Me" von Sänger Farid Mammadov.
Sorgt für mächtig Wirbel: Aserbaidschans ESC-Beitrag "Hold Me" von Sänger Farid Mammadov.(Foto: picture alliance / dpa)

Schwere Vorwürfe nach dem ESC: Wurden Stimmen gekauft?

Von Volker Probst

Das Abstimmungsergebnis beim diesjährigen Eurovision Song Contest in Malmö entwickelt sich mehr und mehr zum Politkrimi. Nachdem Russland bereits auf höchster Ebene gegen die Stimmabgabe aus Aserbaidschan protestiert hatte, tauchen nun neue Vorwürfe auf: Angeblich soll es organisierte Manipulationen gegeben haben.

Video

In westeuropäischen Ländern betrachtet man den Eurovision Song Contest (ESC) in erster Linie als Schlager-Tralala-Veranstaltung. Doch in manch anderen Staaten - das hat der ESC 2012 im aserbaidschanischen Baku gezeigt - sieht man ihn nicht zuletzt als willkommene Bühne zur Image-Politur. Gab es deswegen nun womöglich gar organisierte Manipulationen? Oder hat eventuell die Wett-Mafia den ESC beeinflusst?

Im Internet kursiert ein Video, das zeigen soll, wie just für Aserbaidschan gezielt Stimmen gekauft werden. Es wurde von der litauischen Gratiszeitung "15 min" veröffentlicht. In dem offenbar mit versteckter Kamera aufgenommenen Clip ist eine Gruppe von Menschen an einem Tisch zu sehen, die sich auf Russisch unterhält. Die Aufnahme soll vor dem ESC-Finale in einem Einkaufszentrum in der litauischen Hauptstadt Vilnius entstanden sein.

"Alle Länder machen das so"

Der Abschrift des Gesprächs zufolge geht es in der Unterredung um einen organisierten Stimmen-Kauf für den aserbaidschanischen Beitrag "Hold Me" des Sängers Farid Mammadov beim diesjährigen ESC in Malmö. Ein "Sergej" genannter Mann erklärt das Vorgehen. Demnach würden Gruppen von bis zu zehn Personen gebildet. Jedes Mitglied einer Gruppe bekäme fünf Telefone, jeweils mit einer eigenen SIM-Karte ausgestattet. Von jedem Telefon aus werde fünf bis zehn Mal für den aserbaidschanischen Beitrag abgestimmt.

In Litauen seien acht bis zehn derartiger Gruppen im Einsatz, führt "Sergej" weiter aus. Insgesamt sei man jedoch in ungefähr 15 Ländern in dieser Art und Weise aktiv. Auch die Halbfinale des Song Contests seien so bereits manipuliert worden. "Alle Länder, die gewinnen wollen, machen das", erklärt "Sergej".

Ob die in dem Video zu sehende Szene authentisch ist, ist unklar. Litauen vergab an den Beitrag aus Aserbaidschan im Finale des Song Contests die Höchstpunktzahl von 12 Punkten.

Eurovision nimmt Stellung

Zoff um den ESC: Die Außenminister Aserbaidschans und Russlands, Elmar Mamedjarow (l.) und Sergej Lawrow.
Zoff um den ESC: Die Außenminister Aserbaidschans und Russlands, Elmar Mamedjarow (l.) und Sergej Lawrow.(Foto: picture alliance / dpa)

Mittlerweile sahen sich die Verantwortlichen der Eurovision genötigt, auf die Manipulationsvorwürfe zu reagieren. ESC-Generaldirektor Jon Ola Sand gab folgende Stellungnahme ab: "Wir prüfen diesen Fall. Aber wir möchten betonen, dass die Beweggründe dieser Einzelpersonen noch nicht geklärt sind und keine Verbindungen zwischen den Personen in dem Video und der aserbaidschanischen Delegation, dem aserbaidschanischen Künstler oder dem aserbaidschanischen EBU-Mitglied Ictimai TV nachgewiesen wurden." EBU steht für "European Broadcasting Union" - der Zusammenschluss der an der Eurovision beteiligten Rundfunkanstalten.

Die Eurovision nahm auch zum russischen Vorwurf des "Stimmenraubs" seitens Aserbaidschans Stellung und wies diesen zurück. Die Kombination aus Jury-Abstimmung und Televoting - beides je zur Hälfte berücksichtigt - hätte in Aserbaidschan keine Top-Ten-Platzierung für das russische Lied ergeben. Insofern sei die Null-Punkte-Wertung korrekt. Dieses Ergebnis sei von einem Notar, dem mit der Stimmenauswertung beauftragten Unternehmen und einem unabhängigen Beobachter der Wirtschaftsprüfer "PricewaterhouseCoopers" (PwC) bestätigt worden.

Russland hatte behauptet, sein Beitrag sei bei der Telefonabstimmung in Aserbaidschan auf den zweiten Platz gekommen und hätte daher Punkte aus dem Land bekommen müssen. Sogar der russische Außenminister Sergej Lawrow schaltete sich in die Auseinandersetzung ein und forderte von seinem aserbaidschanischen Amtskollegen Elmar Mamedjarow eine Aufklärung der "haarsträubenden Aktion".

"Ich bin seit 1998 mit dem Eurovision Song Contest befasst und jedes Jahr gibt es Gerüchte über Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung. In diesem Jahr haben wir besonders das Gefühl, mit diesen Gerüchten aufräumen zu müssen", sagte Sand. "Wir glauben, dass der unpolitische Geist des Song Contests ein Eckpfeiler seines anhaltenden Erfolges ist und werden alles, was wir können, dafür tun, diesen zu schützen", erklärte er weiter.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen