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Ob Kita, Hort oder Babysitter: Eltern können Betreuungskosten von der Steuer absetzen.
Ob Kita, Hort oder Babysitter: Eltern können Betreuungskosten von der Steuer absetzen.(Foto: dapd)

Kosten für Kinderbetreuung: Eltern können Steuern sparen

Von Michael Bormann

Die Kosten für die Kinderbetreuung können von der Steuer abgesetzt werden. Dies gilt zwar bereits seit dem Jahr 2006. Die entsprechenden Regelungen waren aber bislang sehr kompliziert. Jetzt hat der Fiskus eine deutliche Vereinfachung umgesetzt. Die Einzelheiten erläutert Dr. Michael Bormann, Steuerexperte von bdp Bormann Demant & Partner.

Von jährlichen Kosten bis zu 6.000 Euro können zwei Drittel als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Das macht pro Kind also 4.000 Euro. Bei einem Spitzensteuersatz plus Solidaritätszuschlag beläuft sich die Steuerersparnis auf immerhin knapp 1.900 Euro.

Steuerexperte Michael Bormann.
Steuerexperte Michael Bormann.

Vor allem aber hat der Fiskus das Verfahren deutlich vereinfacht. Seit Anfang 2012 spielt es keine Rolle mehr, aus welchem Grund Kinderbetreuungskosten anfallen. Das Finanzamt unterscheidet nicht mehr, ob Eltern arbeiten oder nicht, ob sie krank sind oder sich in einer Ausbildung befinden. Der Abzug vom zu versteuernden Einkommen erfolgt seit Jahresanfang stets als Sonderausgaben. Bis dahin wurde zwischen Betriebsausgaben, Werbungskosten und Sonderausgaben differenziert.

Voraussetzungen für die Kinder und Eltern

Eltern oder Alleinerziehende können die Sonderausgaben für leibliche Kinder, aber auch für Adoptiv- und Pflegekinder geltend machen. Stief- oder Enkelkinder sind von der Regelung dagegen ausgeschlossen. Zudem müssen die Kinder jünger als 14 Jahre alt sein und zum Haushalt des Steuerpflichtigen gehören. Bei nicht verheirateten, getrennt lebenden oder geschiedenen Eltern kann nur das Elternteil die Kosten gelten machen, das sie auch getragen hat.

Welche Kosten der Fiskus anerkennt

Das Finanzamt lässt generell die Kosten für eine Betreuungseinrichtung gelten. Dazu zählen Kindergärten, Krippen, Horte und Ähnliches. Auch die Kosten für eine externe Tagesmutter oder für eine Betreuungsperson, die nach Hause kommt, können von der Steuer abgesetzt werden. Übernehmen Familienangehörige die Kinderbetreuung, empfiehlt es sich, einen schriftlichen Vertrag zu schließen. Außerdem sind regelmäßige Überweisungen der Betreuungskosten unabdingbar.

Auch Aufwendungen für Babysitter zählen zu den Kinderbetreuungskosten. Allerdings erkennt der Fiskus Barzahlungen nicht an. Es ist daher anzuraten, unbedingt per Banküberweisung zu bezahlen.

Bei Au-Pairs hängt es davon ab, ob diese sich vollständig der Betreuung der Kinder widmen oder auch leichte Hausarbeiten übernehmen. Im ersten Fall gelten die Aufwendungen vollständig als Kinderbetreuungskosten und können als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Im zweiten Fall kann die Hälfte der Gesamtaufwendungen als haushaltsnahe Dienstleistung berücksichtigt werden. Da dies steuerlich weniger vorteilhaft ist, sollte der Vertrag mit dem Au-Pair gut durchdacht sein.

Wo der Fiskus nein sagt

Mit folgenden Betreuungsleistungen blitzen Sie dagegen beim Finanzamt ab:

Nachhilfe oder Fremdsprachenunterricht, Musikunterricht oder Computerkurs sowie sportliche oder andere Freizeitbeschäftigungen.

Generell zu beachten gilt, dass die Kosten für die Kinderbetreuung nachgewiesen werden müssen. Der Steuerpflichtige sollte also erstens eine Rechnung erhalten und zweitens auf Verlangen des Finanzamtes eine Banküberweisung vorlegen können. Kinderbetreuungskosten werden zudem unabhängig von Kindergeld oder Freibeträgen gewährt.

Mit den Neuregelungen bei den Kinderbetreuungskosten ist dem Gesetzgeber eine seltene Glanzleistung gelungen: Er hat die Steuergesetzgebung vereinfacht, ohne neue Benachteiligungen zu schaffen. In anderen Bereichen wäre dies auch dringend wünschenswert.

Quelle: n-tv.de

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