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Klare Regeln: Was Radfahrer beachten müssen

70% aller Unfälle von Fahrradfahrern werden durch Autofahrer verursacht. Kein Wunder, dass so mancher Radfahrer nicht gut auf die Vierrädrigen Verkehrsteilnehmer zu sprechen ist. Umgekehrt gilt aber auch, dass Autofahrer sich oft genug von unachtsamen Radfahrern provoziert fühlen.

Freitagabend. Berlin-Kreuzberg. Ein Mal im Monat treffen sich hier begeisterte Fahrradfahrer für eine gemeinsame Rundfahrt durch die Stadt. Critical Mass, also "kritische Masse", nennt sich dieses Phänomen, bei dem sich die Radfahrer treffen, um gemeinsam im Pulk durch die Stadt zu fahren und so auf die Rechte von Fahrradfahrern aufmerksam zu machen….

Radfahrer Bernd-Michael Paschke erläutert die Hintergründe: "Wir sind keine Demonstration. Wir wollen einfach gemeinsam sicher Fahrradfahren. Sicherlich es so, dass das für viele auch eine Denkanregung ist wenn sie sehen, dass 100 Fahrradfahrer gemeinsam innerhalb von 30 Sekunden gemeinsam über die Kreuzung kommen. 100 Autos schaffen das nicht in 3 Stunden…"

Im engen Stadtverkehr kommt es laufend zu kritischen Begegnungen zwischen Rad- und Autofahrern. Doch wer hat wann welches Recht?

Die Ampelschlange

Springt in der Rush-Hour die Ampel auf Rot bilden sich schnell lange Schlangen. Für den Radfahrer ist das kein Problem. Denn: Neben den vielen Autos ist ausreichend Platz, um sich an ihnen vorbei zu mogeln. Und zwar bis in die erste Reihe. In die Pole-Position also. Kein Problem, oder?

"Der Radfahrer darf an der stehenden Schlange rechts vorbei fahren. Er muss dabei sehr langsam fahren. Und es ist auch so, dass die Autofahrer nicht die Pflicht haben eine Gasse zu bilden, für den Radfahrer. Sie dürfen stehen wie sie wollen. Und der Radfahrer muss sehen, dass er genügend Abstand hält. Kommt es zur Berührung oder zum Unfall, ist grundsätzlich der Radfahrer schuld. Er darf sich auch nicht mittendurch schlängeln. Das darf er nicht.", so Rechtsanwalt Timm Lewandowski.

Die Einbahnstraße

Gerade wenn’s durch Wohnviertel geht dürfen viele Straßen nur eine Richtung befahren werden. Trotzdem müssen sich Autofahrer auf entgegen kommende Radfahrer gefasst machen, denn: Die Einfahrt in Einbahnstraßen entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung ist für Radfahrer erlaubt. Oder?

"Entgegen der weitläufigen Meinung, darf ich als Radfahrer nicht jede Einbahnstraße in der verkehrten Richtung befahren. Sondern nur dann, wenn das besonders ausgeschildert ist. Da ist immer ein kleines Zusatzschild am Einbahnstraßenschild dran, wo dann drauf steht "Fahrradfahrer frei!"., erklärt Rechtsanwalt Timm Lewandowski.

Der Abstand

In Sachen Abstand gilt: Auch wenn der Autofahrer grundsätzlich auf den Verkehr achten muss bevor er seine Autotür öffnet, die Rechtssprechung sagt, dass Radfahrer einen Abstand von 1,20 Meter zu parkenden Autos einhalten sollten, um im Notfall gut ausweichen zu können. Umgekehrt gilt: Autos müssen beim Überholen 1,5 bis 2 Meter Abstand halten.

Musik hören

Wenn Rad- und Autofahrer im Verkehr miteinander kommunizieren möchten, dann ist erst einmal wichtig, dass sie sich hören können. Deshalb ein absolutes "No go": Kopfhörer beim Radfahren. Oder, was sagt Rechtsanwalt Timm Lewandowski? "Also das ist wirklich eine Ermessenentscheidung. Wenn ich das ganz leise höre und trotzdem alle Aufmerksamkeit noch vorhanden ist, dürfte es wohl zulässig sein. Wenn ich mit einer Lautstärke fahre, dass ich zum Beispiel das Hupen eines Autos nicht hören kann, dann ist es sicherlich bußgeldpflichtig."

Nebeneinander fahren

Vor allem wenn ein Ausflug zu zweit ansteht kann eines ziemlich nervig sein: Das übliche hintereinander fahren. Eine gepflegte Unterhaltung ist da kaum möglich. Einfacher wird das, wenn entspannt nebeneinander gefahren wird. Kein Problem oder?

Rechtsanwalt Timm Lewandowski sieht das allerdings anders: "Nein, in der STVÖ ist es so geregelt, dass Radfahrer nur hintereinander und rechts fahren dürfen. Es gibt eine Ausnahme. Wenn ich niemanden anderen behindern kann, dann darf ich ausnahmsweise auch mal nebeneinander fahren. Zweite Ausnahme ist die, wenn ich in einer Kolonne oder in einem Verband mit 15 Radfahrern fahre, dann sagt die Rechtsprechung es wäre viel gefährlicher wenn die alle hintereinander fahren würden und ich müsste sie dann überholen. Also darf auch dieser Verband dann mal ausnahmsweise nebeneinander fahren."

Und auf diese Ausnahme setzen die Critical Mass-Fahrer. Und das nicht nur in Berlin, sondern genauso bei riesigen Treffen weltweit. Und so haben sie einen eigenen Weg gefunden, gut gelaunt auf die Rechte von Radfahrern hinzuweisen. Auch wenn sie sich dabei nicht wirklich immer an die vorgeschriebenen Fahrtwege halten…

Quelle: n-tv.de