Wirtschaft
Wegen seiner Geheimdeals mit einem israelischen Investor ist Jared Kushner in die Kritik geraten.
Wegen seiner Geheimdeals mit einem israelischen Investor ist Jared Kushner in die Kritik geraten.(Foto: AP)
Donnerstag, 27. April 2017

Trumps Berater in der Kritik: Kushners geheime Millionen aus Israel

Von Christoph Rieke

Als US-Sonderbeauftragter soll Jared Kushner Frieden in Nahost schaffen. Kritiker wittern jedoch Interessenskonflikte. Dies legen nun auch Berichte über bislang geheime Geschäftsbeziehungen Kushners nach Israel nah.

Jared Kushner ist ein umtriebiger Mann. Binnen weniger Monate avancierte er zu einem der einflussreichsten Männer der USA. Im Weißen Haus ist er nicht nur Chefberater von Präsident Donald Trump, sondern auch Leiter des Büros für amerikanische Innovation, von wo aus er den Regierungsapparat umbauen soll. Wenn Kushner das Zentrum der amerikanischen Macht verlässt, kümmert er sich mit seiner Frau Ivanka Trump um die drei gemeinsamen Kinder.

Video

Als wären die eben genannten Aufgaben nicht genug, ist Kushner noch dazu auserkoren, als US-Sonderbeauftragter den Palästina-Konflikt friedlich zu lösen. Doch nun mehren sich die Zweifel, ob Kushner der Richtige für diese sensible Aufgabe ist. Denn wie die Zeitung "New York Times" und das Finanzportal Bloomberg berichten, hat der 36-Jährige weitaus engere Geschäftsbeziehungen in Israel unterhalten, als bislang bekannt war. Nicht zuletzt deshalb drohten dem Enkel von Holocaust-Überlebenden Interessenkonflikte, warnen Kritiker.

Kushner ist wie sein Schwiegervater Donald Trump inoffizieller Kopf eines Milliardenimperiums. Den Berichten zufolge schloss er als Chef des Familienunternehmens Kushner Companies erstmals im Jahr 2012 einen Millionendeal mit Raz Steinmetz. Dieser gehört zur Familie Steinmetz, einer der reichsten Familien in Israel. Deren Konzern Steinmetz Diamond Group ist unter anderem einer der Weltmarktführer im Diamantenhandel. Bei dem ersten Geschäft vor sieben Jahren soll Kushner von Raz Steinmetz ein Darlehen von etwa 50 Millionen Dollar erhalten haben, um in bester New Yorker Lage Immobilien zu kaufen.

"Hervorragende Partner"

Aus den Berichten geht hervor, dass Kushner bis 2014 mit Raz Steinmetz' finanzieller Unterstützung zahlreiche weitere Immobilien gekauft hat. Dabei soll er von seinem israelischen Partner Darlehen in Höhe von insgesamt 550 Millionen Dollar erhalten haben. Betrachtet man Kushners nun aufgedeckte Israel-Verbindungen genauer, offenbart sich ein dicht geflochtenes Geschäftsnetz, das die "New York Times" in einer Grafik veranschaulicht hat.

Israelischer Milliardär mit dubiosen Geschäftspraktiken: Beny Steinmetz.
Israelischer Milliardär mit dubiosen Geschäftspraktiken: Beny Steinmetz.(Foto: AP)

Den Berichten zufolge wickelte Kushner die Immobilienkäufe zusammen mit der Tel Aviver Investmentfirma Gaia ab, die eng mit Raz Steinmetz verknüpft ist. "Kushner Companies hat eine langjährige Beziehung zu Raz Steinmetz und Gaia, die hervorragende Partner waren", sagte eine Sprecherin des Kushner-Konzerns. Bis heute sollen Kushner Companies und Raz Steinmetz gemeinschaftlich 15 Häuser in Manhattan besitzen. Der Name Gaia ist von der Kushner-Website allerdings verschwunden.

Die Familie Steinmetz hat nicht nur in Israel einen zweifelhaften Ruf. Kushners Geschäftspartner Raz ist der Neffe von Beny Steinmetz. Gegen diesen ermittelt die Justiz in vier Ländern wegen verschiedener Korruptionsvergehen. Im Diamanten- und Immobilienhandel verdiente Beny gemeinsam mit Raz' Vater Daniel Milliarden. Auch wenn Schweizer Bankkonten etwas anderes nahelegen, behaupten Vater Daniel und Sohn Raz, nichts mehr mit Beny zu tun zu haben. Auch Kushner Companies distanziert sich von den Machenschaften Beny Steinmetz'. Raz sei "der einzige Steinmetz, mit dem wir Geschäfte gemacht haben".

Enge Bindungen zu Israel

Für Kushner kommen die Enthüllungen zur Unzeit. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge plant Donald Trump in wenigen Wochen einen Staatsbesuch in Israel. Als einer seiner engsten Berater sowie als Sonderbeauftragter für den Nahen Osten ist Kushner bei dieser Reise fest eingeplant. Wegen seiner Verflechtungen mit dem Steinmetz-Imperium scheint er in der Region, insbesondere in Palästina, immer weniger als Unterhändler vermittelbar.

Bereits vor den aktuellen Berichten waren Kushners enge Beziehungen zu Israel bekannt. So fädelte er mit dem Versicherungsriesen Harel während seiner Zeit als Chef von Kushner Companies einen Deal ein und organisierte für seine Firma mindestens vier Kredite bei der größten israelischen Bank Hapoalim.

Dass Kushners Verbindungen zu Steinmetz erst jetzt und durch die Medienrecherchen an die Öffentlichkeit gelangen, wirft abermals ein ethisch fahles Licht auf die Trump-Administration. Erst Anfang April räumte das Weiße Haus ein, dass Kushner und seine Frau Ivanka Trump auch nach Aufnahme ihrer Regierungstätigkeit Einnahmen aus Anlagegeschäften eingestrichen haben. Während Kritiker und Ethikexperten wegen der engen Bindungen zu Israel Interessenkonflikte bei Kushner wittern, ist zu erwarten, dass Trump an seinem Nahost-Friedensvermittler festhält. Bereits am Vortag seiner Inauguration sagte ihm Trump, warum: "Wenn du keinen Frieden im Nahen Osten schaffen kannst, kann das niemand."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen