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Steht auch Pannenstatistik in Frage? ADAC geht auf Canossa-Tour

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Damit dem ADAC nicht die Luft ausgeht, will er sich jetzt bei allen entschuldigen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der ADAC will jetzt für seine Mogelei beim "Gelben Engel" bei den Herstellern Abbitte leisten. Doch eigentlich droht schon die nächste Unbill, denn auch die jährliche Pannenstatistik weist so ihre statistisch verordneten Lücken auf.

Für den ADAC beginnt jetzt der Gang nach Canossa. Nach seiner Mauschelei beim Gelben Engel will sich Deutschlands größter Autoclub jetzt bei den Herstellern und Zulieferern entschuldigen. Dazu wird jetzt wohl eine Armada an Mitarbeitern ausrücken, denn Abbitte soll persönlich geleistet werden - im persönlichen Gespräch, telefonisch und auch schriftlich, sagte ein Sprecher des Automobilclubs. Auf höchster Ebene werde es einen offiziellen Brief geben, hieß es weiter. Ob sich die Hersteller damit zufriedengeben, bleibt abzuwarten. Zu tief dürfte die Schmach nach der Zahlenklitterei sitzen. Hat man doch gerade den Herstellern etwas vorgegaukelt, was so nicht stimmte: die Liebe des Einzelnen zu Marke und Modell.

Unklar ist weiter die Zukunft des Autopreises. ADAC-Präsident Peter Meyer hatte der Branchen- und Wirtschaftszeitung "Automobilwoche" gesagt, der Preis "Gelber Engel" habe "sicherlich" keine Zukunft. "Das war ein Totalschaden". "Wir denken im Moment überhaupt nicht darüber nach, ob wir so etwas Ähnliches wieder machen wollen." Ein ADAC-Sprecher in München hatte am Mittwochabend jedoch betont, es sei noch nicht entschieden, ob und in welcher Form es den Preis in Zukunft noch geben werde. Die aufwendige Preisverleihung in der Allerheiligen-Hofkirche in der Münchner Residenz wird künftig aber definitiv nicht mehr stattfinden.

Pannenaufträge von Herstellern zählen nicht

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Auch die Pannenstatistik des ADAC scheint so ihre Lücken zu haben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Unterdessen hat der ADAC aber seine Pannenstatistik verteidigt. Die Statistik sei "sachlich nachvollziehbar und überprüfbar", erklärte der ADAC in München. Die Methodik sei vom Statistik Institut der Universität München überprüft. Bereits seit 1978 wird die Pannenstatistik veröffentlicht. Einmal im Jahr wird in der Mitgliederzeitschrift "Motorwelt" nach Autotypen aufgeschlüsselt, welche Fahrzeuge mit welchen Mängeln am häufigsten liegenblieben. Ein für viele Autokäufer wichtiges Kaufkriterium. Grundlage sind die Anrufe von ADAC-Mitgliedern bei Pannen. Berücksichtigt für die Statistik werden nach Angaben des Vereins nur Fahrzeuge, die älter als ein Jahr und jünger als sechs Jahre sind. Reifenpannen und selbst verschuldete Pannen - falscher Kraftstoff oder im Auto vergessene Schlüssel etwa - werden nicht berücksichtigt.

Dass die für Hersteller gefahrenen Einsätze nicht in die Statistik einfließen, scheint aber fraglich. Die Autobauer geben ihren Kunden in der Regel eine sogenannte Mobilitätsgarantie, meist für die ersten drei Jahre nach dem Kauf. Der ADAC erfüllt diese Garantie dann im Auftrag der Hersteller. Im Jahr 2012 wurden aber immerhin rund 140.000 Einsätze im Rahmen der Mobilitätsgarantie gefahren, bestätigte ein ADAC-Sprecher. Insgesamt wertete der Autoclub demnach 2,6 Millionen Einsätze für seine Pannenstatistik 2013 aus.

"Sehr schön" sei es, dass der ADAC diese Zahlen nun transparent mache, sagte Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch-Gladbach. "Diese Zahlen muss man kennen, um auch die Schwachpunkte zu kennen." Fahrer von neuen Autos nutzten natürlich die Mobilitätsgarantie, welche die Hersteller teils selbst ausführen - wie etwa Volkswagen -, teils an Anbieter wie den ADAC vergeben. In der Pannenstatistik des ADAC tauchten daher "einfach mehr alte als neue Wagen auf, und das muss man einfach wissen".

Quelle: n-tv.de, hpr/dpa/AFP