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BMW X 3 wildert im eigenen Haus Ärger mit kleinem Bruder

Nervensäge! Gibt es einen besseren Ausdruck für kleine Brüder? Wohl kaum. Erst muss man immer auf sie aufpassen, dann wissen sie alles besser und irgendwann spannen sie einem die Mädels aus. Ich weiß, wovon ich rede und deshalb gilt mein Mitgefühl dem BMW X 5.

Seit 1999 hat er das Segment der sogenannten SUV’s (Sports Utility Vehicles. Besser: Sportliche Kombinationskraftwagen mit Allradantrieb) nahezu alleine bearbeitet. Praktisch sind sie alle, nur im Sportstudio hatte der X 5 einfach mehr zu bieten als die Konkurrenz von Mercedes, Volvo und Land-Rover. Allein im Jahr 2002 wurde er weltweit über 100 000 mal verkauft, rund 40 000 mal davon in Europa. Und jetzt das! Mit dem X 3 schickt die Rabenmutter BMW dem X 5 den vermutlich härtesten Nebenbuhler hinterher.

Schon beim ersten Kennenlernen schmeichelt sich der freche Kerl ein: Alles passt, gute Ergonomie, prima Sitze und vor allem: Der X 3 wirkt schlank und lässt den X 5 plötzlich wie eine Riesenkiste aussehen. Dabei ist er doch nur zehn Zentimeter kürzer und vier Zentimeter flacher als der große Bruder.

Das Gleiche gilt beim Fahren. Kein Wunder, ist der Kleine mit 1815 bis 1925 kg doch auch ein ganzes Stück leichter. Und da auch die angebotenen Sechs-Zylinder-Motoren mit denen des X 5 identisch sind, ist klar: Jugend forsch! Vor allem mit dem von uns gefahrenen 3-Liter-Benziner mit 231 PS kommen beim beherzten Aufgeigen fast sportliche Gefühle auf. Doch um Missverständnissen vorzubeugen: Auch der X 3 ist genetisch immer noch vom Stamme Offroad. Das heißt: Riesenräder, dicke Reifen und lange Federwege setzen wahrem Straßensport doch enge Grenzen.

Und eines ist auch klar: Der X 5 wird einen Teufel tun und mit dem kleinen Bruder zum Cowboy-und-Indianer-Spielen in den Wald gehen. Nicht, dass er das nicht immer noch gerne täte, nur austricksen kann er den kleinen auch hier nicht. Schließlich haben beide das gleiche – neue - BMW-Allradsystem xDrive. Eigentlich nichts Besonderes, im Kern ein Vierradantrieb mit automatisch sperrendem Mittel-Differential und regulierendem Bremseneingriff. Tatsächlich aber so ausgereift, dass X 3-Fahrer schon im Bayerischen Wald das Gefühl beschleichen dürfte, gerade den berühmten Navajo-Trail bezwungen zu haben. Was ihm im Zweifelsfall niemals zugemutet werden dürfte, denn 95 % aller SUV-Eigner gehen ohnehin niemals ins Gelände. Höchstens mit dem Mountain-Bike und dafür haben sich die BMW-Ingenieure etwas Feines ausgedacht: Ein Stausystem, mit dem sich zwei Geländeräder im Kofferraum stehend transportieren lassen.

Dumm gelaufen, großer Bruder. Kaum ist der Kleine da, kann er auch schon (fast) alles besser, ist günstiger (ab 40 300.- ) und fängt an, Dir die Mädels (sprich: Kunden) auszuspannen. Da bleibt nur ein Trost: Der X 5 ist für den amerikanischen Markt gemacht, der X 3 für den europäischen. Am Besten geht Ihr Euch in Zukunft aus dem Weg, Jungs.

Von Christof Johann .

Quelle: ntv.de