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Weltpremiere in Pebble Beach Audi PB18 e-tron - Vorsprung durch Technik?

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Mit dem PB18 e-tron lässt Audi eine alte Tradition aufleben. Natürlich viel besser.

Audi präsentiert auf der Pebble Beach Automotive Week die Designstudie PB18 e-tron. Dabei werden Erinnerungen an den R8 e-tron wach. Gleichsam wird klar, dass hier hart am Slogan "Vorsprung durch Technik" gearbeitet wird.

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Fast coupéhaft wirkt die Form des Audi PB18 e-tron.

Audi PB18 e-tron? Moment e-tron? Gab es doch schon mal. Genau: 2013 hatte Wolfgang Dürheimer als damaliger Chefentwickler bei Audi den Elektro-Supersportwagens R8 e-Tron wegen fehlender Wirtschaftlichkeit gestoppt. "Wir müssen mit jedem Auto Geld verdienen", sagte der Technikspezialist seinerzeit in einem Interview. "Nicht unbedingt von Anfang an, aber es muss ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen sein." Dieser Tunnel schien ihm angesichts der Batteriekosten für den R8 e-Tron vor fünf Jahren aber entschieden zu lang.

Nur wenige Monate später ließ Nachfolger Ulrich Hackenberg das Projekt wieder aufleben, jagte den Elektro-Sportler sogar über die Nordschleife und verkündete mit Spitzengeschwindigkeiten von 290 km/h und einer gemessenen Zeit von 8:09:099 Minuten natürlich auch neue Rekorde. Allerdings reichte der Strom des 46 kWh leistenden Akkus angesichts solch eines Geschwindigkeitsrausches auch nur für eine schnelle Runde, also exakt 20,832 Kilometer. Letztlich wurde das Projekt dann auch wieder auf Eis gelegt und Hackenberg im Zuge des Dieselskandals abgelöst.

LeMans legt den Grundstein

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Futuristisch zeigt sich der PB18 e-tron in der Seitenlinie.

Aus den Augen haben die Ingolstädter das Projekt aber nicht, denn auf dem Concours d’Elegance in Pebble Beach feiert dieser Tage der R18 e-tron seine Weltpremiere. Das technische Konzept der Elektro-Rakete soll die "langjährige Rennerfahrung in LeMans bilden", erklärt Audi.

Wie sein Vorgänger der R8 e-tron ist der 4,53 Meter lange R18 e-tron als radikale Fahrmaschine für die Rennstrecke und die Straße ausgelegt. "In seinem Lastenheft standen Dynamik und Emotion an erster Stelle", heißt es aus Ingolstadt. Deshalb folgt Audi bei der Architektur den klassischen Vorgaben eines Mittelmotor-Sportwagens mit weit vorn positionierter Fahrerkabine und einem hinter den Sitzen, aber vor der Hinterachse positionierten Schwerpunkt. Gebildet wird er natürlich nicht von einem Verbrenner, sondern dem Batteriepaket.

Festkörper-Batterie mit enormen Werten

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Der Fahrersitz lässt sich für den Einsatz auf der Renstrecke in eine mittige Position verschieben.

Das soll dann auch der Clou des Elektro-Renners sein: Es handelt sich nämlich um eine extrem leichte und leistungsstarke flüssigkeitsgekühlte Festkörper-Batterie mit einem Energiegehalt von 95 kWh. Eine Vollladung sorgt nach Angaben von Audi für mehr als 500 Kilometer Reichweite im WLTP-Zyklus. Zudem soll der PB18 e-tron dabei bereits für das Laden mit einer Spannung von 800 Volt ausgelegt sein. Das würde bedeuten, dass sich die Batterie in knapp 15 Minuten wieder voll aufladen lässt.

Allein dieser Umstand wäre es wert, den Slogan der Ingolstädter "Vorsprung durch Technik" mit großem Hallo zu rufen. Und dabei wäre es völlig egal, ob sich der Akkumulator auch noch kontaktlos per Induktion befüllen ließe, wie es bei dem PB18 e-tron der Fall sein soll. Hier sorgt ein magnetisches Wechselfeld für eine Wechselspannung in der Sekundärspule, die im Boden des Automobils montiert ist.

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Das Cockpit ist je nach Bedürfnis und Fahrstrecke durch den Fahrer frei konfigurierbar.

Doch bevor es zu technisch wird, werfen wir noch einen Blick auf die von Audi für den PB18 e-tron entworfenen Antrieb. Die Studie soll drei starke E-Maschinen nutzen - eine vorn, zwei hinten. Letztere sind mittig zwischen den Achsschenkeln positioniert und treiben über Halbwellen direkt jeweils ein Rad an. Sie geben eine Leistung von bis zu 150 kW an die Vorderachse und 350 kW an die Hinterachse ab. Damit ist der PB18 e-tron im Sinne der Marke auch ein echter quattro. Die maximale Gesamtleistung beträgt 500 kW, beim Boosten kann der Fahrer kurzzeitig sogar bis zu 570 kW abrufen. Das gemeinsame Drehmoment von bis zu 830 Newtonmeter lässt eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in kaum mehr als zwei Sekunden erwarten - ein Wert, der sich nur marginal von dem eines aktuellen LMP1-Prototypen unterscheidet.

Cockpit frei programmierbar

Auch für den Fahrer hat Audi ist in der zwei Meter breiten und nur 1,15 Meter flachen Flunder gesorgt. Das Cockpit ist als frei programmierbare Einheit ausgelegt. Je nach Einsatzszenario kann sich der Pilot zwischen unterschiedlichen Layouts für Rennstrecke oder Straße entscheiden. Dazu gehört zum Beispiel auch die Anzeige der Ideallinie für die nächste Kurve auf einem OLED-Display. Im normalen Straßenverkehr findet der Fahrer auf der gleichen Projektionsfläche, analog zu einem Headup-Display, die Richtungs­pfeile und weitere Symbole des Navigationssystems.

Wird der Fahrersitz des PB18 e-tron, abseits der Rennstrecke, aus seiner mittigen Position nach links verschoben, steht dem einsamen Reisenden ein mit 470 Litern geradezu gigantischer Kofferraum zur Verfügung. Wie viel von der Studie am Ende umgesetzt wird, muss abgewartet werden. Aber vor allem bleibt zu hoffen, dass nicht wieder jemand vorbeikommt und die Reißleine zieht. Denn wie gesagt, der Slogan "Vorsprung durch Technik" bedarf einer immer neuen Beweisführung.

Quelle: n-tv.de

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