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Ford Focus Turnier ST Brandheißer Biedermann

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Ford macht den Focus stark: der Turnier ST.

(Foto: Ford)

Zwei Seelen in einer Brust, das wusste schon Goethes Faust, können Probleme verursachen. Müssen es aber nicht, wie der neue Ford Focus Turnier ST zeigt. Er tritt gleichzeitig als Biedermeier und Brandstifter auf.

In der kompakten Karacho-Klasse nimmt der Ford Focus ST eine Sonderstellung ein. Er tritt mit 250 PS im Umfeld von VW Golf R (270 PS), Renault Mégane RS (265 PS) oder dem demnächst auf den Markt kommenden Opel Astra OPC (280 PS) fast schon bescheiden auf. Doch hat er etwas, was die Konkurrenz nicht offeriert: Ford bietet seinen Leistungsträger nicht nur als Limousine an, sondern pflanzt den 2,0-Liter-Ecoboost-Vierzylinder auch in den Turnier genannten Kombi ein. Das ist ideal für Fahrer, die im Alltag ein praktisches Fahrzeug brauchen, aber es hin und wieder gerne - mit oder ohne Familienbegleitung - sportlich angehen möchten.

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Nach dem Fünftürer gibt es jetzt auch einen Kombi.

(Foto: Ford)

Also geht es los mit einem roten Turnier ST. Abgesehen von einigen ST-typischen Äußerlichkeiten wie dem schwarzen Kühlergrill, speziellen Seitenschwellern oder dem Heckdiffusor unterscheidet er sich auf den ersten Blick nicht besonders von den gemäßigteren Serienbrüdern. Die Auspuffanlage mit dem zentral platzierten Doppel-Endrohr lässt allerdings erahnen, dass hier kein ganz Braver steht.

Sozusagen vereint der Focus Turnier ST zwei Seelen in einem Karosseriegewand, tritt gleichzeitig als Biedermann und Brandstifter auf. Wobei Ford der dritten Ausgabe des ST sicherheitshalber eine Reihe von Assistenzsystemen verpasst hat. Serienmäßig sorgt neben einem dreistufigen ESP auch eine elektronisch geregelte Differenzialsperre dafür, dass Physik und fahrerisches Können im Einklang bleiben. Dazu gibt es optional noch Notstopp-, Toter-Winkel- und Fahrspurhalte-Assistenten, eine Verkehrsschilderkennung sowie einen Müdigkeitswarner.

Pferde gehen vehement zur Sache

Ob man diesen allerdings tatsächlich braucht? Zumindest nicht, wenn man flott unterwegs ist. Dann darf man dank des "Sound-Symposers" am kernigen und durchaus muntermachenden Motorengeräusch teilhaben. Und auch ohne diese Beschallung würde man eher nicht müde. Dazu ist man doch zu sehr konzentriert, die von dem 2,0-Liter-Vierzylinder generierten 250 PS zu kontrollieren. Einmal kurz aufs Gaspedal getreten, gehen die Pferde vehement zur Sache. Es hilft, die Hände fest am Lenkrad zu halten: 250 zerrende PS an der Vorderachse wollen gezügelt sein. Das passt nicht immer zusammen mit den Schaltanforderungen. Es macht zwar Spaß, die knackige Sechsgang-Schaltung rauf und runter zu schalten, aber manchmal wäre ein Doppelkupplungsgetriebe mit Schaltwippen am Lenkrad auch nicht schlecht. Bis ein solches allerdings zur Verfügung steht, wird es noch etwas dauern.

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Der Kombi ist ab Werk sehr ordentlich ausgestattet.

(Foto: Ford)

Die kurvige Streckenführung der französischen Seealpen, über die die ersten Testfahrten führten, ist wie gemacht für die Erprobung der Fahraktivität des ST. Dank seiner ausgesprochen direkten Lenkung nimmt man Kurven akkurat. Das Sportfahrwerk tut sein Übriges, Dynamik und Fahrfreude zu übermitteln. Und die Recaro-Sportsitze mit ihrem guten Seitenhalt lernt man ebenfalls schnell schätzen.

Wer will – und hoffentlich kann - darf mit dem ESP spielen. In der Normalstellung, die im Vergleich zum Serien-Focus leicht verzögert eingreift, deaktiviert der Sportmodus die Traktionskontrolle und das ESP greift für mehr Driftvergnügen sehr spät ein. Man kann es auch ganz abschalten, was Ford zu Recht aber nur für abgesperrte Bereiche und Rennstrecken empfiehlt.

Bremsen haben Biss

Nicht nur die Beschleunigungs- und Dynamikwerte fühlen sich gut an, sondern auch die Bremsen. Taucht unerwartet ein langsam fahrender Trecker auf, überzeugen die groß dimensionierten vorderen und hinteren Scheiben mit ordentlichem Biss. Bis man überholen kann, ist genügend Zeit, den Motor entspannt säuseln zu lassen. Dann geht auch die Verbrauchsanzeige in Richtung Normverbrauch (7,2 Liter). Ein Wert, der bei sportiver Fahrweise eher den Charakter einer unverbindlichen Absichtserklärung hat.

Jetzt ist es auch Zeit, ein Auge auf das Interieur zu werfen. Tatsächlich: Der Innenraum macht was her und die Verarbeitung wirkt nahezu perfekt. Nett anzusehen ist beispielsweise die Instrumentenanzeige auf dem Armaturenbrett, die über Öldruck, Öltemperatur und Ladedruck informiert. Die Chromapplikationen lockern das tiefe Kunststoffschwarz des Armaturenbretts ein wenig auf. Beim Ein- oder Aussteigen erfreut man sich an der Pedalerie und den Einstiegsleisten im ST-Design sowie am riesigen Kofferraumvolumen. Die Preisgestaltung gibt keinen Anlass zu Kummer. Der Kombi kostet ab 28.900 Euro und ist bereits ab Werk sehr ordentlich ausgestattet.

Wem der Kombi zu brav ist, der kann natürlich auch die Limousine ordern und spart noch 950 Euro ein. Die ist bis auf eine kleine Abweichung bei der Hinterradaufhängung identisch mit dem Kombi abgestimmt. Und wählt man sie im der Farbe "Sunset-Gelb-Metallic" muss man sich auch ums Auffallen keine Gedanken machen.

Quelle: ntv.de, sp-x