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Sportlimousine zum Mittelklassepreis: Der A5 Sportback hat das Potenzial zum Wildern.
Sportlimousine zum Mittelklassepreis: Der A5 Sportback hat das Potenzial zum Wildern.(Foto: Markus Mechnich)
Dienstag, 11. August 2009

Audi A5 Sportback: Der Hecksportler

Markus Mechnich

Wenn man mit Audi-Mitarbeitern über die A5-Reihe spricht, dann ist schnell ein gewisser Stolz zu bemerken. Das Coupé gehört sicher mit zu den formschönsten Automobilen auf unseren Straßen. Umso schwerer fiel im Konzern die Entscheidung über die Komplettierung der Baureihe. Soll noch ein Kombi hinzukommen? Oder ein Kurzheck? Intern waren die Diskussionen kontrovers, doch am Ende entschied man sich in Ingolstadt für einen Sportback.

Früher hießen solche Autos Fließheck, aber heute genießt diese Karosserieform fast Seltenheitswert. Zu Unrecht, denn der A5 Sportback verleiht diesem Design neuen Glanz. Und, auch dieser Aspekt dürfte bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben: Er steht in bester Audi-Tradition. Rechtzeitig zum 100. Geburtstag der Marke schlägt der jüngste A5 den Bogen zum Audi 100 Coupé S. Vor fast genau 40 Jahren krönte dieses Automobil die 100er-Serie. Heute ist das Auto ein höchst begehrter Klassiker.

Geburt durch die Eigensinnigkeit eines Ingenieurs

Aber der Audi 100 hat nicht nur seine Klasse als Oldtimer. Er steht für ein ganz wesentliches Stück der Audi-Historie, weshalb wir uns einen kleinen Ausflug in die Geschichte leisten. Wir schreiben das Jahr 1968. Drei Jahre zuvor hatte Daimler die DKW an Volkswagen verscherbelt und dabei gleich einen ihrer besten Ingenieure dort belassen.

Die Gestaltung des Hecks ist ein wesentliches Charakteristikum des Autos.
Die Gestaltung des Hecks ist ein wesentliches Charakteristikum des Autos.(Foto: Markus Mechnich)

Ludwig Kraus musste sich etwas verloren vorgekommen sein, denn er arbeitete in einem Unternehmen, das eigentlich keine Zukunft mehr hatte. Volkswagen hatte Auto-Union nur gekauft, um mehr Fertigungskapazitäten für den VW Käfer zu erhalten. In Ingolstadt rollte er vom Band, und Eigenentwicklungen sollte es nicht mehr geben. Nach Feierabend und an den Wochenenden setzte sich Kraus,ohne das Wissen seiner Vorgesetzten und vor allem gegen die Anweisung von VW hin und entwickelte ein neues Modell.

Audi blieb als Marke erhalten

Erst das fertige Auto traute sich Kraus dem damaligen VW-Chef Heinrich Nordhoff zu zeigen. Es war nebenbei noch das erste Serienfahrzeug, bei dem die Karosserie mittels eines Computers berechnet wurde. Nordhoff war zunächst wutentbrannt und dann begeistert - das Auto wurde gebaut. Deshalb durfte die Marke aus Ingolstadt eigenständig überleben. Auch das eine kluge Entscheidung, denn in den 70er-Jahren rettete das technologische Know how von Audi den Volkswagen-Konzern wohl vor dem Aus. Der hatte sich mit seinem Beharren auf die Heckmotor-Kultur technologisch ins Abseits manövriert.

Werbung für den Audi 100 Coupé S aus dem Jahr 1970. Dieses Bild inspirierte die Designer.
Werbung für den Audi 100 Coupé S aus dem Jahr 1970. Dieses Bild inspirierte die Designer.

So viel zur Geschichte. Und natürlich zu den Gründen, warum der Audi A5 Sportback so aussieht, wie er jetzt geworden ist. Design-Chef Stefan Sielaff macht denn auch keinen Hehl daraus, dass man sich an dem Audi 100 Coupé S gestalterisch orientiert hat. Der Schwung von der B-Säule zum Heck ist dem geschichtsträchtigen Ahnen nachempfunden. Damit das gut wirken kann, ist der A5 Sportback zwei Zentimeter höher gebaut als das Coupé. Damit er sportlicher wirkt, ist er aber immer noch 38 Millimeter tiefer als der A4 und hat mit 2,81 Metern den längsten Radstand der Baureihe.

Langer Radstand schafft Platz

Die sechs Zentimeter, die er dem Coupé voraus hat, sind im Innern deutlich spürbar. Vorne geht es natürlich sehr geräumig zu, aber auch hinten haben selbst Großgewachsene ausreichend Platz. Auch im Kofferraum geht es voluminös zu. 480 Liter Platz finden sich unter der langgestreckten Heckklappe, bei umgeklappter Rückbank werden daraus 980 Liter. Das sind Werte, die fast an die des A4 Kombis heranreichen. Interessant ist die zweigeteilte Abdeckung des Kofferraums, die beim Öffnen nur mit einer Hälfte nach oben schwingt.

Ganz schön viel Platz: 480 Liter Ladevolumen bietet der Sportback, bei umgelegter Rückbank sind es 980 Liter.
Ganz schön viel Platz: 480 Liter Ladevolumen bietet der Sportback, bei umgelegter Rückbank sind es 980 Liter.(Foto: Markus Mechnich)

Ähnlich wie beim Ur-Ahn Audi 100 haben der A5 und sein Sportback-Bruder nur den Aufbau des Vorderwagens gemeinsam. Das Heck ist konzeptionell eigenständig und hat als Neuerung Voll-LED-Scheinwerfern integriert. Viel Arbeit haben die Ingenieure in den Unterboden gesteckt. Der ist vollständig verkleidet und weist am Heck sogar eine Art Diffusor auf, der für mehr Abtrieb am Heck sorgt.

Hohe Spurstabilität durch ESP

In einer ersten Ausfahrt hatten wir Gelegenheit, den A5 Sportback mit dem 2,7-Liter-Diesel zu fahren. Mit dem 190-PS-Selbstzünder ist eine flotte Gangart auf kurvenreichen Straßen ein Vergnügen. Dank des tiefen Fahrwerks und des langen Radstandes liegt der Sportback ausgesprochen satt auf der Straße. Dieses gute Gefühl wird mit der "Dynamic"-Einstellung des Abstimmungssystems "Drive Select" noch verstärkt. Damit können die Gaskennlinie direkter eingestellt und das Fahrwerk straffer gemacht werden. Auch das relativ geringe Gewicht von 1500 Kilogramm macht sich positiv bemerkbar.

Damit der A5 Sportback auch in der Spur bleibt, hat Audi dem Auto das ESP der neuesten Generation spendiert. Bei schnellen Kurvenfahrten wirkt dieses mit kleinen Bremseingriffen auf das entlastete Rad in der Innenspur und bringt so mehr Kraft auf das Außenrad der Fünf-Lenkerachse. Diese federt Stöße mit Dämpfern in fünf Ebenen pro Rad ab. Damit kommt der Sportback wie auf Schienen aus engen Kurven heraus, und das hohe Drehmoment des Selbstzünders von 400 Newtonmeter bewirkt auch bei niedrigen Drehzahlen einen enormen Schub nach vorne. Parallel zu der Siebengang-S-Tronic ist auch eine Schaltwippe verfügbar, womit sich der A5 Sportback mit einem ausgesprochen hohen Spaßfaktor über die kurvenreichen toskanischen Straßen zirkeln lies.

Mit einem Kampfpreis die Mittelklasse ködern

Dank neuem ESP und individueller Fahrwerkseinstellung bietet der A5 Sportback viel Fahrspaß.
Dank neuem ESP und individueller Fahrwerkseinstellung bietet der A5 Sportback viel Fahrspaß.(Foto: Markus Mechnich)

Das Interieur ist luxuriös gestylt, auch wenn im Cockpit die Anleihen an den A4 deutlich erkennbar sind. Die Verarbeitung ist ohne Tadel. Lediglich die Plastikverkleidung neben den Armaturen trübt etwas den wertigen Eindruck. Audi hat das ganze Sortiment an Ausstattungen für den A5 Sportback zur Verfügung gestellt. Damit bleiben keine Wünsche offen, aber es lässt sich dadurch auch den recht niedrige Einstiegspreis ordentlich in die Höhe treiben.

Womit wir bei den Kosten wären. Der Einstiegspreis ist mit 36.050 Euro für den Zwei-Liter-Diesel erstaunlich niedrig angesetzt. Hier kommt wohl die Strategie zum Tragen, dass man durchaus auch Kunden der Kompaktklasse im Visier hat. Für die Spitzenmotorisierung, den 3,2-Liter-FSI-Motor mit 265 PS, werden dann 47.000 Euro fällig. Der Drei-Liter-Diesel mit 240 PS und 500 Newtonmeter kostet mit 47.950 Euro nur unwesentlich mehr. Für genügsame Kunden bringt der Sportback, ähnlich wie sein Coupébruder, schon recht viel an Serienausstattung mit.

Fazit: Mit dem A5 Sportback hat Audi ein attraktives Angebot auf den Markt gebracht. Er ist preislich recht niedrig positioniert, was einige Käufer aus anderen Marktsegmenten für den Schönling aus Ingolstadt begeistern dürfte. Er konkurriert mit höherwertigen Familienlimousinen wie BMWs 3er, der Mercedes C-Klasse oder eben dem A4 aus dem eigenen Hause. Dabei bietet das Fließheck kaum weniger an Alltagsnutzen. Doch die Karosserie sticht eben hervor und zeugt von Stil neben der Masse. Diese Idee könnte aufgehen. Die bekannten Motoren und die hohe Qualität des Fahrzeugs machen aus dem Sportback einen soliden Kauf. Und nicht zuletzt, das wird Marken-Fans besonders begeistern, ist immer ein Hauch Geschichte mit an Bord.

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Quelle: n-tv.de