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BMWow! Die neue R1200 GS

BMW hat sein erfolgreichstes Motorradmodell erneuert. Kann man ein so gutes Motorrad wir die R 1150 GS noch besser machen?

Von Christof Johann

Das war kein leichter Job für die Damen und Herren der BMW-Motorradentwicklung. Schließlich galt es den Nachfolger für das erfolgreichste BMW-Motorrad aller Zeiten zu bauen – und das ohne Not! Schließlich ging der große Geländeboxer in den Läden unverändert weg wie die Weißwürste auf dem Oktoberfest. Völlig untypisch zog der Verkauf im Laufe der Jahre immer mehr an und seit drei Jahren war die R 1150 GS sogar das meistverkaufte Motorrad in Deutschland. Mit anderen Worten: Eigentlich hätte man die GS einfach so weiterbauen können und alle wären glücklich gewesen.

Nicht ganz! Schließlich hatte die „Alte“ auch einige Schwächen, die man schon immer gerne ausgemerzt gesehen hätte. Zum einen war sie einfach zu schwer und mit ihrem hohen Schwerpunkt auch zu unhandlich für grobes Gelände oder in der Stadt. Daneben vibrierte sie immer ein bisschen, trank gerne einen über den Durst und bei voller Beladung hätte mancher Fahrer auch gerne ein paar PS mehr gehabt.

Alles vorbei! Nach einer ausgiebigen erste Probefahrt über Straßen und durch tiefen afrikanischen Busch steht fest: Das Team um Entwicklungschef Markus Braunsberger hat ganze Arbeit geleistet. Die neue R 1200 GS hat mit der Vorgängerin außer zwei runden Rädern kaum noch etwas gemein und verglichen mit der „Alten“ fährt die neue wie von einem anderen Stern. Die wichtigsten Veränderungen im Überblick:

- Die 1200er ist um volle 30 kg leichter als die 1150er. Mit 225 kg fahrfertig vollgetankt setzt sie neue Maßstäbe. Zudem wurde das Gewicht da eingespart, wo es am meisten stört: an den oberen Teilen des Motorrads

- Der Motor wurde auf 1200 ccm vergrößert, Leistung und Drehmoment stiegen um18 % (100 statt 85 PS). Dazu bekam er eine Ausgleichswelle, die die Vibrationen minimiert. Der Verbrauch sank nicht zuletzt dank Doppel-Zündung sowie zweiter Lambdasonde um 8 % und die Abgaswerte wurden nochmals verbessert

- Ein neues Sechsgang-Getriebe verspricht endlich bessere Schaltbarkeit

- Ein neuer Fachwerk-Rahmen bietet mehr Stabilität bei geringerem Gewicht

- Erstmals in einem Motorrad gibt es keinen konventionellen Kabelbaum mehr. Alle Steuerungselemente werden mit einem CAN-Bus-System vernetzt.

Doch schöne Pressetexte haben wir schon zur Genüge gelesen und die Wahrheit liegt immer auf der Straße (oder im Gelände). Als wir am Morgen im südafrikanischen George zu unserer eintägigen Testfahrt aufbrechen klappt der Unterkiefer im Helm schon nach wenigen Kilometern vor Staunen herunter und kommt bis zum Abend nicht wieder hoch. Ist das wirklich eine BMW? Ein Boxer? Eine GS? Kaum zu fassen, wie dieses Motorrad plötzlich geht! Wuchtig schiebt der Motor mit jetzt 115 Newtonmetern Drehmoment an. Jubelnd dreht der bislang als zäh bekannte Boxer in den roten Bereich auf dem Drehzahlmesser. Zackig flutschen die Gänge in ihre Rastungen. Und heiser faucht der Auspuff dazu ein melodiöses Lied. Manchmal klingt es sogar ein ganz kleines bisschen wild...

Auch in den kurvigen Bergpassagen der Garden Road gibt es kein Erinnern an das alte Schlachtross. Wie der heimische Springbock stürzt sich die GS ins Kurvengeschlängel, klappt willig von einer Schräglage in die andere und zieht stoisch ihre Bahn durch lange Bögen. Lieber nicht auf den Tacho schauen. Lieber freuen, dass man zur Enduro-Jacke die Lederhose gewählt hat, da darf auch das Knie mal kurz über den Boden schraddeln. Und dank der kräftigen Bremsen (ABS 1050.- Aufpreis) zischt man auch nicht an der Abfahrt ins Gelände vorbei sondern bremst sich punktgenau hinein in die Gravel Road zum Wildpark Bottlierskop.

Es folgt Überraschung Nr.2: Man kann mit der GS jetzt sogar Gelände fahren. Dachte man bei Offroad-Passagen mit der „Aten“ eigentlich immer nur daran, wie man die fast 260 Kilo bei einem Umfaller wieder nach oben wuchten kann, geht jetzt alles viel leichter von der Hand. Nirgends merkt man die Gewichtsersparnis so sehr, wie im Gelände. Richtige Reifen vorausgesetzt, kann man mit der GS auch mal anspruchsvollere Passagen ins Programm aufnehmen. Ein echter „Geländehüpfer“ ist sie immer noch nicht, aber beim Fahren kann man sich jetzt viel mehr auf die Natur konzentrieren und das Motorrad einfach mal laufen lassen. Passiert schon nix. Lediglich der 1.Gang ist etwas zu lang übersetzt. Bei steileren Bergauf-Passagen ist ständiges Zaubern mit der Kupplung nötig, damit die Fuhre nicht abstirbt.

Die letzten Kilometer zurück ins Hotel geht es über die Autobahn und auch hier gibt es keinen Anlass zur Kritik. Wieder erfreut der Motor mit fettem Schub, unbändiger Drehfreude und ruhigem Lauf. Und selbst bei der Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h liegt das Motorrad ruhig wie ein Nashorn beim Mittagsschlaf im Schatten eines Brotbaums.

Kritik: Am Ende des Tages fiel bei unserer Testmaschine das ABS aus. Sicher, ein Einzelfall und auch kein Problem, da die Bremsanlage ansonsten einwandfrei funktionierte. Aber vielleicht ein Zeichen, dass CAN-Bus-Systeme in einem Motorrad nichts verloren haben. Bei Autos haben sie sich als Quelle unzähliger Elektronik-Defekte erwiesen und die überschaubare Anzahl zu vernetzender Systeme im Motorrad schreit nicht gerade danach. Ganz abgesehen von Reparatur-Problemen – Fernreisende wissen, was ich meine

Fazit: Mit 11.762,- ist die Neue etwas teurer als die Alte. Aber sie ist auch jeden Cent wert.

Quelle: ntv.de