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Der Brabus G V12S ist ein Jubiläumsmodell: Vor 30 Jahren brachte Mercedes die G-Klasse auf den Markt.
Der Brabus G V12S ist ein Jubiläumsmodell: Vor 30 Jahren brachte Mercedes die G-Klasse auf den Markt.
Mittwoch, 24. Juni 2009

Brabus G-Klasse V12S: Die rasende Schrankwand

Wenn dieses Auto im Rückspiegel auftaucht, verschlägt es selbst den Fahrern potenter Sportwagen den Atem. So schnell wie der Brabus G V12S hat sich in ihrem Blickfeld noch nie ein Geländewagen breitgemacht.

Fast zu schade fürs Gelände: Die Endtöpfe des Zwölfzylinders lugen unter dem Trittbrett hervor.
Fast zu schade fürs Gelände: Die Endtöpfe des Zwölfzylinders lugen unter dem Trittbrett hervor.

Obwohl sie so aerodynamisch ist wie eine Schrankwand und so schwer wie ein Elefant, schießt diese G-Klasse schneller heran als ein Porsche oder Ferrari und weckt in jedem Autofahrer den Fluchtinstinkt. Schließlich ist der schwarze Brummer nicht irgendein Allradler, sondern der stärkste Geländewagen der Welt. Zum 30-jährigen Jubiläum des kantigen Klassikers hat der Bottroper Tuner Brabus die G-Klasse soweit aufgerüstet, dass selbst der vom Mercedes-Ableger AMG flott gemachte G 55 fast zahm und zahnlos wirkt.

Zwölf Zylinder für ein Hallelujah

Statt des dort eingebauten Achtzylinders setzt Brabus beim G V12S auf den V12-Motor aus der S-Klasse, dessen Hubraum der Tuner allerdings auf 6,3 Liter gesteigert hat. Weil zudem die Zylinderköpfe überarbeitet und zwei neue Turbolader montiert wurden, steigt die Leistung des Kraftwerks auf brachiale 514 kW/700 PS. Das maximale Drehmoment ist mit 1320 Nm nun so üppig, dass es aus Rücksicht auf das Getriebe auf 1100 Nm begrenzt werden muss.

Obwohl der Dinosaurier in steter Ignoranz des Luftwiderstands gestaltet wurde und schon unbeladen gute 2,5 Tonnen wiegt, lässt er sich ausgesprochen leichtfüßig bewegen und straft das Gesetz von der Trägheit der Masse lügen. Schon wenn man das Gaspedal sanft touchiert, schießt der Wagen davon: Nur kurz scharren die Reifen am Asphalt, und durch die Karosserie geht ein leises Zittern. In nur 4,3 Sekunden beschleunigt der G auf Tempo 100 und lässt damit fast jeden Porsche stehen - obwohl er neben einem Sportwagen aussieht wie eine Dampflokomotive neben dem ICE.

Der Sprit schießt nur so durch den Motor

Mit Vernunft hat dieses Auto wenig zu tun. Dennoch bringt es eine gewisse Faszination mit.
Mit Vernunft hat dieses Auto wenig zu tun. Dennoch bringt es eine gewisse Faszination mit.

Wer nicht spätestens jetzt den Fuß lupft, bringt Gewissen und Führerschein in ernsthafte Gefahr. Es presst einen in den Sitz wie ein Jetpilot beim Start. Das gelassene Brabbeln des V12 schwillt an zu einem wütenden Schrei nach Schnelligkeit, und der G jagt voran, als würden seine Kräfte nie versiegen. Erst bei 240 km/h haben die Ingenieure einen Riegel vorgeschoben, weil sie selbst dem verstärkten Fahrwerk, den größeren Bremsen und vor allem den 22-Zöllern nicht mehr zumuten wollten. Außerdem tobt der Wind dann so heftig, dass man sein eigenes Wort nicht versteht. Aber egal wie wild der Sturm auch ist: Zumindest das innere Ohr hört stets das Rauschen des Sprits, der mit dem Getöse der Niagarafälle durch die Zylinder schießt.

Zwar kann man es mit dieser Wuchtbrumme tatsächlich mit jedem Spitzensportler aufnehmen. Doch ist der Kraxler keine ungehobelte Krawallschleuder. Vielmehr lässt er sich mit der Würde eines Riesen im Smoking auch ganz gelassen bewegen und macht dabei einen ausgesprochen kultivierten Eindruck. Das Fahrwerk ist straff, aber nicht ohne Federweg, die Fünfgangautomatik macht einen guten Job, und trotz der breiten Reifen und des hohen Gewichts lässt sich das Dickschiff bei gemäßigter Gangart mit dem kleinen Finger dirigieren.

Überraschend dezenter Auftritt

Zu diesem hohen Maß an Fahrkultur passt auch der überraschend dezente Auftritt. Natürlich gibt es breitere Kotflügel und geänderte Stoßfänger, und aus dem Grill wurde der Stern verbannt. Doch für Aufschneider und Selbstdarsteller gibt es nur die LED-Spots in den Trittleisten und die gleißenden hellen Lichtpunkte unter den Kulleraugen, die den Vordermann förmlich aus dem Weg blitzen.

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Mit dem schlichten Innenleben der einstmals für Förster und Feldwebel entwickelten G-Klasse hat schon das Serienmodell aus Graz nicht mehr viel gemein. Doch bei Brabus in Bottrop wird der kantige Klassiker zur Luxussuite auf Rädern veredelt. Feines Leder ziert Sitze und Dachhimmel, in den Kopfstützen stecken DVD-Monitore für Hinterbänkler, und die Konsolen sind mit schmucken Hölzern belegt. Nur eines hat sich in 30 Jahren nicht geändert: Auch heute fällt die Tür so fest ins Schloss wie beim Tresor einer Schweizer Bank.

Fazit: Überflüssig, unvernünftig - und faszinierend

Natürlich ist ein Auto wie der G V12S ebenso überflüssig wie unvernünftig. Selbst wenn Brabus den Normverbrauch erst gar nicht angibt, kann man annehmen, dass einem Kleinwagen die gleiche Menge für die zehnfache Strecke reicht. Doch ändert das nichts an der Faszination für die ungeheure Kraft, mit der dieses Auto die Physik aus den Angeln zu heben versucht. Sorgen um das Klima oder die guten Sitten sind dabei halbwegs unbegründet: Bei einem Preis von 451 000 Euro dürften sich die Verkaufszahlen wie von selbst beschränken.

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Quelle: n-tv.de