Auto

Mercedes, BMW, Audi? Lexus! Japaner geben Gas

Erstaunlich: Da zieht eine Automarke aus Ihrem Heimatland los, die Welt zu erobern – nur zu Hause gibt es sie nicht zu kaufen. Die Rede ist von Lexus, dem Luxus-Ableger Toyotas. Dabei ist der Siegeszug der Japaner erstaunlich: In gut zehn Jahren wurde aus dem Nichts heraus eine Weltmarke aufgebaut, die in einzelnen Märkten mittlerweile eine dominierende Stellung erreicht hat. So ist Lexus in den USA bereits das fünfte Jahr in Folge die meistverkaufte Luxusmarke. Insgesamt wurden 2004 weltweit 358 000 Lexus verkauft – nur eben nicht in Japan.

Der Schritt, im August auch auf dem japanischen Markt anzutreten, ist das Zeichen für einen radikalen Neubeginn. Nach Jahren kontinuierlichen Aufbaus fühlt sich die Marke jetzt stark genug, sich neue Ziele zu setzen. Wie Toyota in der Formel eins soll der Schritt vom Herausforderer zum Titelkandidaten vollzogen werden. Dazu wurde die Marke weltweit neu sortiert und stärker von Toyota gelöst. So hat Lexus jetzt sein eigenes Design-Center, dessen erste Ergebnisse eine völlig andere Formensprache zeigen, als gewohnt. Auch in Deutschland spürt man die Folgen. So wurde das Lexus-Händlernetz neu strukturiert. Von bislang rund 200 Händlern sind derzeit nur einige vierzig Exklusiv-Händler übrig. Die weißen Flecken auf der Landkarte werden Schritt für Schritt neu besetzt.

Luxus klein und groß

Und auch die Produktpalette wird zügig erneuert. Nach dem GS, der dieser Tage vorgestellt wurde, folgt demnächst der revolutionäre Hybrid-Allradler RX 400 h und im Herbst die kleine Luxuslimousine IS. Und wenn RX und IS ebenso große Entwicklungsschritte gemacht haben wir der GS, dann muss man sich in Stuttgart, Ingolstadt und München warm anziehen, denn dann dürfte auch der bislang schlappe Deutschland-Verkauf (rund 25.000 Stück per annum) kräftig steigen.

Schon das Design des neuen GS zeigt neues Selbstbewusstsein. Kam der Vorgänger noch als plumpes Stück Kernseife daher, zeugen die unzähligen Kanten, Sicken und Winkel des Neuen vom Mut zur Eigenständigkeit. Keine Frage, der große Karosseriekörper ist voller Spannung und Lebhaftigkeit. Das gilt auch für die Motoren. Besonders der jetzt 283 PS starke 8-Zylinder lässt kaum noch Leistungswünsche offen. Sensationell laufruhig war er immer schon. Das gilt auch für den 3-Liter-Sechszylinder, dessen 249 PS eher zum ruhigen Cruisen verführen, zumal man ihn dann problemlos mit zehn Litern fahren kann. Bis auf das Fehlen schadstoffarmer Diesel hat Lexus motorisch jedenfalls das Spitzenniveau der Klasse erreicht.

Inspiration von Mercedes und BMW

Auch das Fahrwerk muss keinen Vergleich mehr scheuen. Die Kopflastigkeit ist verschwunden und wer den Achtzylinder mit dem elektronisch gesteuerten Dämpfersystem ordert, kann sich bei Bedarf wie Ralf Schumacher fühlen und vom Titel träumen. Hilfreich beiseite steht ihm das VDIM-System. Hinter diesem Kürzel versteckt sich eine aktive Lenkung, die bei Bedarf korrigierend ins Geschehen eingreift. Das gibt es bislang nur bei BMW und Toyota hat das Ganze noch einen Tick feiner abgeschmeckt. An Mercedes wiederum haben sich die Japaner orientiert, als es galt, den Insassenschutz weiter zu entwickeln. Das Lexus-Pre-Collission-System benutzt aber anders als Mercedes das Abstands-Radar des Tempomats zur Aktivierung des Systems. In der Praxis funktioniert das so: Ein Unfall droht. Der Fahrer reißt das Lenkrad herum und versucht auszuweichen. Das Auto wird instabil. ESP und Aktivlenkung versuchen gemeinsam, das Auto wieder einzufangen. Doch das Radar erkennt, dass die Kollision unausweichlich ist. Sofort werden alle Airbags scharf geschaltet und die Sicherheitsgurte ziehen die Passagiere in die Sitze. Kracht es trotzdem, können diese nur noch darauf hoffen, dass zehn Airbags und fünf Sterne beim EURO-NCAP-Crashtest nicht umsonst waren.

Fazit: Mit dem GS zeigt Lexus, dass es Ihnen ernst ist. In allen relevanten Kriterien haben sie auf den ersten Blick zur deutschen Konkurrenz (Mercedes E-Klasse, BMW 5er, Audi A 6) aufgeschlossen, in anderen Bereichen (Verarbeitung, Zuverlässigkeit, Service) waren sie ohnehin schon Top. Und zu alle dem haben sie es auch noch geschafft, den Grundpreis des GS um 1000 auf 40.500.- zu senken. Wie wenig ist das eigentlich in Yen?

Übrigens: Einen großen Vergleich des Lexus GS gegen die deutsche Konkurrenz gibt es im Juni in
n-tv Motor. Einschalten!

Christof Johann

Quelle: n-tv.de