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Detroit Auto Show Keine Totenmesse

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Volkswagen zeigt sich ausgesprochen optimistisch für die Zukunft. In Detroit zeigt man den ersten VW-Hybrid.

(Foto: REUTERS)

Krise war gestern? Auf der Detroit Auto Show herrscht ein Jahr nach dem Niedergang der US-Autoindustrie wieder Aufbruchstimmung. Die Branche wähnt sich bei alter Stärke und will durch grüne Innovationen glänzen. Eine flaue Zukunftsangst bleibt dennoch.

Wird in diesem Jahr nach der Stimmung auf der Auto Show in Detroit gefragt, dann umrahmt meist ein verhaltenes Lächeln die Antwort. Der brachiale Niedergang, der sich vor Jahresfrist noch abzeichnete, hat sich nicht eingestellt. "Hurra, wir leben noch", könnte das Motto für die wichtigste Auto-Messe der USA werden.

Dabei ist Bescheidenheit in der Regel keine Eigenschaft, die in der Autobranche weit verbreitet ist. Die PR-Leute und Manager hauen eigentlich lieber auf die Pauke, berichten von erhöhten Absatzzielen, von Wachstum und neuen Märkten. Bescheidenheit oder Bedacht sind dagegen eigentlich eher unübliche Verhaltensschemata in der Branche. So könnte die schlimmste Autokrise seit dem Zweiten Weltkrieg auch eine pädagogische Wirkung gehabt haben. Offensichtlich aber nur für kurze Zeit. Denn die Großmannssucht hat schon wieder Konjunktur bei der Auto Show.

"Phönix aus der Asche"

Wie "Phoenix aus der Asche" wird General Motors wieder auferstehen, meint GM-Vize Bob Lutz und peilt für die weitere Zukunft auch wieder den Titel als weltgrößter Autobauer an. Ganz schön gewagt für ein Unternehmen, das vor etwas mehr als einem Jahr nur durch massiven Einsatz von Staatsgelder gerettet werden konnte und selbst heute noch zu mehr als 70 Prozent den Bürgern gehört.

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Großer Bahnhof für den Focus: Mit dem Kompaktmodell aus Europa feiert Ford Erfolge in den USA.

(Foto: REUTERS)

Auch bei Volkswagen will man wieder zu höheren Zielen aufbrechen. Laut einem internen Masterplan soll die automobile Weltherrschaft, also die Nummer eins unter den Autokonzernen, bis 2018 erreicht werden. Für die USA verkündet der VW-Chef America bereits das Ziel einer Verdreifachung der Verkaufszahlen von VW und Audi bis zu diesem Zeitpunkt. Die Krise als Chance, das hat man im Wolfsburger Autohimmel wohl wörtlich genommen. Seit der Abwehr des dreisten Übernahmeversuchs von Porsche scheint niemand mehr VW stoppen zu können.

VW mit Nachholbedarf

Ganz von ungefähr kommt dieses Selbstbewusstsein allerdings nicht. Mit einem sagenhaften Marktanteil von 21 Prozent dominiert die Marke den deutschen Heimatmarkt. Das sind gut 12 Prozent Vorsprung vor Opel (8,9 Prozent) und Ford (7,6 Prozent). In den USA liegt man allerdings mit 213.000 verkauften Fahrzeugen noch stark hinter den Erwartungen. BMW als kleinerer Hersteller beispielsweise konnte dort 242.000 Autos an die Käufer bringen. Und das trotz eines Absatzrückgangs von rund 20 Prozent. VW befindet sich jedoch auf dem US-Markt im Aufwind und verzeichnete im Dezember mit 16 Prozent Plus den dritten Anstieg in Folge. Insgesamt mussten die Wolfsburger mit einem Rückgang von 4,3 Prozent weitaus weniger Federn lassen.

Was die einstigen "Big Three", Chrysler, Ford und General Motors angeht, ist die Lage uneinheitlich. Ford scheint sich dort als Gewinner der Krise zu mausern. Die Modellpalette ist frisch, der Focus als europäisch geprägtes Modell, auf dem US-Markt ausgesprochen erfolgreich und die Bemühungen in Sachen Elektrotrend schon relativ weit gediehen. Ab 2011 sollen die ersten Ford-Autos teil- oder vollelektrisiert auf den Markt kommen. Sowohl der Focus als auch der Transporter Transit soll es dann mit E-Antrieb geben. Dennoch steht auch bei Ford in den USA ein Absatzminus von 15 Prozent zu Buche.

Keine Opel für die USA

Auch bei General Motors setzt man auf die Elektrokarte. Allerdings gibt es da weniger Konkretes. Der Chevrolet Volt, der in Europa ein Opel Ampera werden wird, soll 2012 marktreif sein. Das Konzept ist ausgesprochen interessant, aber ob es sich auf dem Markt behaupten kann, ist ungewiss. Ansonsten setzt GM auf Wasserstoff statt auf den reinen Elektroantrieb. Die Technik wird zwar von diversen staatlichen Stellen gefördert, doch über die Zukunftsfähigkeit streiten sich Experten.

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Ehemalige Arbeiter der US-Autoindustrie demonstrieren vor der Messe.

(Foto: REUTERS)

Die erfolgreichen europäischen Modelle Insignia und der neue Astra sind in den USA noch nicht auf dem Markt. Das monatelange Gezerre um die europäische Tochter hat schwere Schäden hinterlassen. Nicht nur für Opel selbst. Auch die Zusammenarbeit über den Teich scheint sich noch nicht wesentlich verbessert zu haben. Für das Jahr 2009 verzeichnet der einstmals größte Autobauer der Welt einen Rückgang von 30 Prozent auf dem US-Markt. Im Dezember soll der Absatz zwar um 33 Prozent angestiegen sein. Der größte Teil davon dürfte allerdings auf Pontiac und Saturn zurückgehen. Die beiden Marke werden eingestellt und die Autos mit brutalen Rabatten losgeschlagen.

Historisches Tief bei Chrysler

Die Zusammenarbeit geht bei Chrysler deutlich schneller. Der neue Eigentümer Fiat hat bei Management und in der Modellpalette schon Einzug gehalten. Den Fiat 500 gibt es in Kürze auch in den USA zu kaufen, über weitere Fiat-Ableger wird zumindest nachgedacht. Alfa Romeo soll mit eigenen Modellen auf Basis des Chrysler-Händlernetzes den US-Markt neu erobern. Auch die restliche Modellpalette von Chrysler sowie der Tochtermarken Dodge und Jeep soll radikal umgebaut werden. Dafür zeigt man in Detroit zwei Elektroautos, eines davon auf Basis des 500. Daneben zeigte Chrysler noch den Delta von Lancia als Eigenfabrikat.

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Hybrid-Studie von Hyundai: Die Koreaner sind die großen Gewinner auf dem US-Markt.

(Foto: REUTERS)

Doch auch bei Chrysler blickt man auf ein verheerendes Jahr 2009 zurück. Erstmals seit 47 Jahren blieb der Absatz in den USA unter einer Million Fahrzeuge. Sagenhafte 36 Prozent beträgt der Absatzrückgang im Vergleich mit dem Vorjahr. Zwar zeigen sich auch hier im Dezember Erholungstendenzen, aber selbst zu Jahresende gab es ein Minus von vier Prozent. Die Gewinner auf dem US-Markt sind die Koreaner. Hyundai und Kia konnten im vergangenen Jahr um acht beziehungsweise zehn Prozent zulegen.

Ungewissheit für die Zukunft

Wie sieht der Ausblick von Detroit auf 2010 euphoriebereinigt also wirklich aus? Bei dieser Frage halten sich selbst ausgewiesene Experten zurück. Klar scheint bisher nur, dass nach der Droge Abwrackprämie zumindest auf dem deutschen Markt wohl ein heftiger Kater folgen wird. Ähnlich sieht es auf den wichtigsten Märkten in Resteuropa und den USA aus. Einzig die Schwellenländer, allen voran China und Indien, versprechen deutlichere Zuwächse. Ob sich damit die immer noch vorhandenen Überkapazitäten in Europa auslasten lassen, ist unsicher.

Auf der ersten Automesse des Jahres in Detroit muss ein gewisser Überschwang herrschen. Schließlich wollen alle Hersteller optimistisch ins neue Jahr starten. Wie nachhaltig der Aufschwung jedoch ist, müssen die nächsten Monate zeigen. Klar ist bisher nur wenig. Die Amerikaner sind, bis auf Ford, wohl noch nicht überm Berg. Aber auch die Europäer und Japaner müssen sich auf neue Zeiten einstellen. Und der Elektrotrend ist als Heilsbringer nicht geeignet. Die meisten Stromautos kommen in den nächsten Jahren erst auf den Markt. Ihre Verkaufszahlen werden auch in den kommenden fünf Jahren, trotz aller Anstrengungen, verschwindend gering bleiben. Solange sind Elektroautos vor allem eines: Gut fürs Image.

Quelle: ntv.de