Auto

Preiswerter einsteigen Mercedes CLS - Lichtorgel mit Raketenschub

DSC_0823.JPG

Vor allem in der Front sind die dezenten optischen Veränderungen zum Vorgänger beim CLS sichtbar.

Aston Martin machte es mit dem DB5 vor, Mercedes mit dem CLS erfolgreich nach: Der Shooting Brake verkaufte sich richtig gut. Und weil das so ist, haben die Stuttgarter dem CLS jetzt mit einem Facelift noch einmal neue Würze verliehen.

Coupés gab es schon immer. Viertürige Coupés gibt es hingegen erst seit zehn Jahren. Mercedes stieß seinerzeit mit dem CLS in eine Lücke vor. Und der Erfolg gibt den Schwaben Recht. Allein von der zweiten Generation wurden 120.000 Stück verkauft. Die Idee des großen Coupés war von Anfang an die Kombination von Platz und Sportlichkeit. 2012 setzte man noch einen drauf und gab der Form des Shooting Brake eine neue Plattform. Seine Wurzeln hat diese Karosserieform in England und ist, nimmt man die deutschen Premiumhersteller ins Visier, der einzige Coupé-Kombi - ein echter Individualist im Straßenbild.

Behutsam an der Haut, intensiv im Kern

Um den CLS der Formsprache von Mercedes anzupassen, hat ihm das Team um Designer Mark Fetherstone eigentlich nur an der Front gestreichelt, die Ecken und Kanten in kühne Schwünge verwandelt und die skulpturale Optik vor allem am vorderen Stoßfänger verfeinert. Dafür wurde der Kühlergrill einen My steiler in den Wind gestellt und mit dem schon für die A-Klasse und den CLA typischen Diamantgrill und einem wuchtigen Zentralstern versehen. Jetzt mag der aufmerksame Betrachter monieren, dass diese Änderungen kaum wahrnehmbar sind. Entwicklungschef Thomas Weber hat dafür aber eine nette Begründung gefunden: "Wir haben die Haut behutsam optimiert, den Kern aber nachhaltig verändert."

DSC_0716.jpg

Der CLS Shooting Brake ist Coupé-Kombi mit Alleinstellungsmerkmal.

Zur nachhaltigen Veränderung des Kerns gehört auch ein neues Licht. Multibeam nennen es die Stuttgarter und es wird für etwa 1800 Euro zusätzlich zu bekommen sein, während es normale LEDs bereits in Serie gibt. Hinter dem neuen Lichtsystem verbergen sich 24 Hochleistungs-LED, die elektronisch separat angesteuert werden. So können einzelne Bereiche der Fahrbahn bis auf 485 Meter im Voraus ausgeleuchtet und andere ganz gezielt vom Lichtkegel ausgespart werden. Das bedeutet, dass permanent mit Aufblendlicht gefahren werden kann, ohne das andere Verkehrsteilnehmer geblendet werden. Neben der Kamera an der Frontscheibe nutzt die neue Lichttechnik vier Steuergeräte pro Fahrzeug, die 100 Mal pro Sekunde die jeweils ideale Licht­verteilung berechnen und justieren. Entwicklungschef Weber sagt: "Wie eine Lichtorgel, einfach cool." Aber nicht nur das. Bei Kurvenfahrten schwenkt der Lichtkegel noch vor dem Lenkradeinschlag in die Kurve und leuchtet sie aus. Das soll aber nur der Anfang sein. Im Augenblick gibt es bei Mercedes Tests mit Multibeams, in denen sich 84 Hochleistungs-LED verbergen. Die können Dinge dann nicht nur horizontal, sondern auch vertikal ausblenden. Für die Praxis würde das bedeuten, dass die Lichtbündel so fokussiert werden, dass zum Beispiel ein Fußgänger angestrahlt wird, sein Gesicht aber aus dem Lichtkegel ausgenommen bleibt,damit er nicht geblendet wird.

Einstiegsdiesel neu und günstiger

Aber das ist Zukunftsmusik. Die neuen Triebwerke, die Mercedes dem CLS spendiert hat, hingegen nicht. Für den großen Sportler haben die Stuttgarter ihr Motorenprogramm komplett überarbeitet. Insgesamt stehen ab dem Marktstart am 27. September vier Triebwerke mit Leistungen zwischen 170 PS und 585 PS bereit, die alle die EU6-Norm erfüllen. Brandneu sind aber drei Aggregate.

Den Appetizer bildet der im CLS 220 arbeitende 170 PS BlueTEC Vierzylinder-Diesel. Der Ungläubige wird zweifelnd fragen: 170 PS für einen CLS? Ja! Und es lässt sich sogar damit fahren. Der kleine Selbstzünder lässt den knapp zwei Tonnen schweren Sportler dank seines wirklich üppigen Drehmoments von 400 Newtonmeter zügig starten und vermittelt auch nach einer ersten Testrunde das Gefühl, man könne so nicht nur im Verkehr mitschwimmen, sondern auch mühelos einen Überholvorgang einleiten. In 8,6 Sekunden überwindet die Tachonadel des Ökosportlers die 100 km/h-Marke und bringt es bei kühnem Tritt auf das Gaspedal am Ende auf stattlich 220 km/h. Den Durchschnittsverbrauch gibt Mercedes mit 4,9 Litern an. Das wäre natürlich der Clou, aber im Alltagsbetrieb muss mit Sicherheit ein Liter draufgeschlagen werden, was dann immer noch ein ausgezeichneter Wert wäre. Ausgezeichnet ist auch der Einstiegspreis mit 54.085 Euro für das Coupé und 55.985 Euro für den Shooting Brake. Die Preise für den Opener liegen rund 1000 Euro unter dem des Vorgängers.

DSC_0742.jpg

Selbst mit 170 PS ist der CLS ausreichend motorisiert.

Ebenfalls neu: der V6-Benzinmotor mit Abgasturboaufladung im CLS 400, den es ab 62.713 Euro gibt. Mit dreieinhalb Liter Hubraum und Biturbo ist er dank seiner 333 PS in 5,4 Sekunden bei Tempo 100. Abgeregelt wird bei 250 km/h. Und auch beim Ampelstart macht man mit dem V6 eine gute Figur. Fast ohne Verzögerung werden satt 480 Newtonmeter auf die Hinterachse gewuchtet, die bereits ab 1200 Umdrehungen anliegen. Das sind immerhin 110 Newtonmeter mehr als beim Vorgänger. Die werden allerdings beim CLS 400 nicht über die nagelneue 9-Gang-Automatik mit Drehmomentwandler verteilt, sondern über die bekannte 7-Gang-Automatik. Die schaltet indessen verzögerungsfrei und lediglich ein kleines Loch wird bei spontaner Bearbeitung des Pin bemerkbar. Allerdings überdauert das keine zwei Sekunden. Den Verbrauch gibt Mercedes im Schnitt mit 7,6 Liter Super an.

Wer sich und seine Lieben noch einen Zacken schärfer über den Asphalt fliegen lassen möchte, dem kann mit dem leistungsstärksten unter den "Normalos" geholfen werden. Über dem CLS 500, den es für stattliche 81.336 Euro gibt, steht nämlich nur noch der AMG. Allerdings ist der CLS 500 mit 408 PS und bis zu 600 Newtonmeter extrem gut unterwegs. Zumal die Kraft über das eben erwähnte 9-Gang-Automatikgetriebe samtweich verteilt wird. In 4,9 Sekunden ist die 100 km/h-Marke erreicht. Auch hier wird bei 250 km/h abgeregelt und mehr als 8,8 Liter Benzin sollen bei normaler Fahrweise nicht durch die Schläuche fließen. Was bei allen hier erwähnten Modellen schmerzlich vermisst wird, ist ein Fahrmodischalter, abseits der im CLS angebotenen zwei Stufen Sport und Komfort. Die Leistungsdynamik der Triebwerke und die Fahrwerksabstimmung ließe das auf jeden Fall zu.

V8-Biturbo-Hammer

14C650_015.jpg

Der AMG 63 ist auch beim CLS das Maß aller Dinge.

Die Benchmark kommt natürlich auch beim Sportcoupé und dem Shooting Brake von AMG. Der CLS 63 ist eine Kampfmaschine. Optisch reißt er das Maul mit riesigen Lufteinlässen in den vorderen Stoßfängern auf und bewaffnet wurde er mit einem 5,5-Liter-V8-Biturbomotor, der entweder 557 PS oder 585 PS leistet. Dementsprechend dreschen dann auch 720 oder satte 800 Newtonmeter auf die Achsen, wenn das Gaspedal gen Boden fährt. Auch akustisch zeigt der Stuttgarter Straßenbomber, dass er nicht von der Stange ist. In seiner potentesten Ausführung gibt er seinem Piloten, hat er freie Bahn und den Fahrmodischalter auf Sport + gestellt, bei einem Kickdown einen solchen Tritt ins Kreuz, dass man für eine Sekunde die Luft anhält.

Ganze 2,7 Sekunden später rauscht die Geschwindigkeitsanzeige dann auch schon über die Tempo-100-Marke. Summa summarum ist man also in 3,7 Sekunden mit diesem Thema durch. Das Ganze wird begleitet von einem gurgelnden Brüllen und Husten, das aus den vier Endrohren dröhnt. V8-Fans stellen sich währenddessen vor Freude die Nackenhaare auf und die sieben Gänge peitschen automatisch oder per Peddles durch das Getriebe. Für diesen Adrenalin-Kick verlangt AMG aber auch 132.982 Euro. Ein stolzer Preis, den man da für einen mehr als gelungenen Sportler berappen muss, dem eigentlich nur noch die Dauerlizenz für die linke Spur fehlt.

Teilautonomie mit Tücken

14C655_051.jpg

Im Innenraum bleibt Mercedes seinen Vorgaben treu.

Im Inneren der CLS-Modelle hat sich nicht so viel geändert. Es gibt weiterhin Platz für vier Personen und im Shooting Brake einen sehr gut zugänglichen und mit einem auf 1550 Liter zu erweiternden Kofferraum reichlich Platz für Zuladung. Die Verarbeitung ist ausgezeichnet und die Polster lassen sich von den gut ausgeformten Sportsitzen in der Serie, bis hin zu Dynamik-Sitzen konfigurieren, deren Seitenwangen sich über die Lenksensorik gesteuert in Kurven aufblasen, um den Seitenhalt zu erhöhen. In der Mittelkonsole steht, wie inzwischen bei allen neuen Mercedes-Modellen, ein 8 Zoll großer Monitor. Das die dort vorhandenen Menüs sich nicht wie in der S-, der V- und C-Klasse über das Touchpad in der Mittelkonsole bedienen lasse ist dem Umstand geschuldet, dass es sich eben nur um ein Facelift, nicht aber um ein neues Fahrzeug handelt.

Was allerdings an Bord ist, so man es ordert, sind eine Vielzahl an Assistenzsystemen, die sich bei Mercedes ja unter dem Motto intelligent Drive subsumieren. Dazu gehört zum Beispiel der Abstandwarner, der Totwinkelwarner, der Spurhalteassistent oder der adaptive Bremsassistent. In der Summe ermöglichen diese Assistenzsysteme im Stau ein teilautonomes Fahren. Selbständiges Lenken, Bremsen, Anfahren. Alles kein Problem. Aber Obacht, wenn der Vordermann aus dem Stau eine Kehrtwende macht. Da kann es schon passieren, dass der eigene Mercedes sich anschließen möchte.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass Mercedes mit dem gelifteten und motortechnisch aufgefrischten CLS ein wirklich stimmiges Sportcoupé zur Verfügung steht, das Dank des Shooting Brakes vielleicht auch ein Publikum lockt, das familientauglich, aber auf gar keinen Fall langweilig durchs Leben fahren will.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema