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Karten werden in Detroit gelegt Mercedes will mit C-Klasse BMW davonfahren

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Bereits 2014 sollen von der neuen C-Klasse weltweit 400.000 Fahrzeuge verkauft werden.

Die wohl interessanteste deutsche Neuvorstellung auf der Motorshow in Detroit dürfte die C-Klasse von Mercedes sein. Sie soll die Stuttgarter im weltweiten Ranking der deutschen Premiumhersteller vor allem gegen BMW wieder in die Spur bringen.

Zuerst gab es nur einzelne Bilder des neuen eleganten Interieurs zu sehen, wenig später von der Außenhaut und vor einigen Tagen folgten dann auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas erste per App projizierte Bilder der neuen C-Klasse von Mercedes-Benz. Bei der neuen Mittelklasse-Limousine will Daimlers Autotochter den Spannungsbogen bis zuletzt hochhalten. Denn nach milliardenschweren Investitionen in S-, E- und C-Klasse muss das Modell für die Schwaben ein Erfolg werden. Nicht zuletzt, um endlich bei Absatz und Ergebnis zur Konkurrenz aus Bayern aufzuschließen.

Von der Holz- in die Business-Klasse

Rein äußerlich erinnert die neue Limousine nicht mehr an den Vorgänger, eher ähnelt sie einer kleineren Variante des Flaggschiffs S-Klasse. Mercedes-Benz selbst beschreibt den Modellwechsel mit dem Vergleich, als werde man im Flugzeug von der Holz- in die Business-Klasse hochgestuft. So soll ein komplett neu entwickeltes Fahrwerk der Limousine aus Stuttgart mehr Fahrdynamik verleihen, als es bisher der Fall war. Fest im Blick ist dabei die Konkurrenz aus München, die seit Langem sportliche Fahrer lockt, nun will auch Mercedes bei diesen Piloten punkten. Die Vierlenker-Vorderachse wurde neu konstruiert, hinten die Raumlenker-Hinterachse optimiert. Highlight ist die neue, optionale Luftfederung an Vorder- und Hinterachse, die den Spagat zwischen den extremen Fahrmodi "Sport +" und "Komfort" schaffen soll.

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Der Innenraum wurde komplett renoviert.

Zur Markteinführung steht motorseitig zunächst Konventionelles auf dem Programm – was ja aber auf Mercedes-Niveau nichts Schlechtes heißen muss. Neben dem Einstiegsbenziner C 180 mit 156 PS stehen zwei weitere Vierzylinder bereit: der 1,9-Liter-Benziner C 200 (184 PS), den es ab 36.414 Euro und damit für nur 100 Euro mehr als den Vorgänger zu kaufen gibt, sowie der 170 PS starke Diesel C 220 Bluetec (38.675 Euro). Knapp 10 Zentimeter länger, trotzdem dank Leichtbau bis zu 100 Kilogramm leichter, soll die neue C-Klassse laut Hersteller etwa 20 Prozent weniger Sprit verbrauchen. Außerdem kommen eine ganze Reihe neuer Assistenzsysteme zum Einsatz, darunter Bremsassistenten, die auch Querverkehr oder Fußgänger erkennen. Nur wenig verändert haben die Stuttgarter den Grundpreis: Mit 33.558 Euro liegt der Einstiegsbenziner C180 lediglich 300 Euro über dem alten Modell.

Analysten sind zuversichtlich

Wie die neue C-Klasse bei den Kunden ankommt, muss sich aber erst noch zeigen. Denn offiziell stellt Daimler-Chef Dieter Zetsche das volumenstärkste Modell der Stuttgarter, das erstmals auch in den USA gefertigt wird, auf der Automesse in Detroit vor. Die C-Klasse dürfte mitentscheidend dafür sein, ob Mercedes-Benz in den USA auch 2014 der absatzstärkste Premiumhersteller bleibt. Im abgelaufenen Jahr lieferte die Marke mit dem Stern dort rund 335.000 Neuwagen aus, BMW folgte mit knapp 310.000 Pkw, Audi schlug lediglich 158.000 Fahrzeuge los.

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Analysten sind bezüglich der Verkäufe des neuen Stuttgarter sehr zuversichtlich.

Branchenbeobachter sind durchaus optimistisch, dass Mercedes-Benz auf dem richtigen Weg ist. "Aus deutscher Sicht ist die C-Klasse sicher die wichtigste Premiere in Detroit", meint Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler, mit Blick auf die Automesse, die für die Öffentlichkeit ab 18. Januar zugänglich ist. "Es ist nach wie vor eines der bedeutendsten Autos von Mercedes-Benz und wird Signalwirkung haben", sagt er. Im Design und Innenraum habe Daimler mit der Neuauflage Fortschritte gemacht.

Ähnlich positiv äußern sich auch andere Branchenexperten. "Die C-Klasse macht schon einen sehr guten Eindruck", sagt Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft an der Hochschule Bergisch-Gladbach. Gerade im Rennen um die Krone unter den Premiumautobauern Audi, BMW und Mercedes-Benz werde die C-Klasse als Volumenmodell eine besondere Rolle spielen, betont er. Die drei Hersteller wollen jeweils bis zum Ende des Jahrzehnts der absatzstärkste Premiumproduzent weltweit sein. In den USA hat Mercedes-Benz zwar die Nase vorn, weltweit liegt die Daimler-Tochter aber weit abgeschlagen hinter den Wettbewerbern auf dem dritten Rang.

Investitionen müssen sich rechnen

Um das zu ändern, hat Mercedes-Benz für die neue C-Klasse die Produktion breiter aufgestellt. Zum ersten Mal überhaupt wird ein Modell gleichzeitig an vier Standorten auf vier verschiedenen Kontinenten gefertigt: Im deutschen Werk in Bremen, in Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama, im südafrikanischen East London sowie in Chinas Hauptstadt Peking. Innerhalb eines halben Jahres soll die Produktion an allen Standorten auf Hochtouren laufen, sagte kürzlich der zuständige Vorstand Andreas Renschler im Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland. Allein in den USA hatten die Schwaben für den Ausbau des Werks rund 2,4 Milliarden US-Dollar in die Hand genommen. In Bremen wurde rund 1 Milliarde Euro investiert.

Diese hohen Vorleistungen muss der Stuttgarter Konzern nun wieder reinholen. Bisher gibt es keine offizielle Absatzprognose. Aber dass die 2,4 Millionen verkauften Modelle des Vorgängers übertroffen werden sollen, der seit 2007 gebaut wird, gilt als gesetzt. Analysten trauen das dem neuen Modell durchaus zu. So rechnet das Beratungshaus ISI schon in diesem Jahr mit einem Absatz von 420.000 C-Klasse-Wagen. Das Analysehaus IHS Automotive ist etwas verhaltener in seiner Prognose und sieht die Verkäufe erst 2015 an der 400.000-Marke kratzen.

Quelle: n-tv.de, hpr/DJ

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