Auto

Renault frischt Laguna aufMit neuem Blick

14.11.2010, 14:10 Uhr
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Führt in der Mittelklasse eher ein Schattendasein: Mit dem überarbeiteten Laguna nimmt Renault einen neuen Anlauf. (Foto: Renault)

Der Renault Laguna ist in der dritten Generation jetzt schon seit drei Jahren auf dem Markt. Zeit für Veränderung. Die spielt sich aber mehr im Verborgenen ab

Die Mittelklasse wird in Deutschland von heimischen Herstellern

dominiert. Nicht weil die Qualität der Fahrzeuge unbedingt so viel besser ist, sondern

weil das Prestige stimmt. Doch auch andere Autos dieser Liga brauchen sich nicht

zu verstecken, auch nicht der Renault Laguna. Der erhält jetzt ein leichtes Facelift,

um sich erfolgreich gegen die neu aufgelegten Wettbewerber VW Passat, Opel Insignia

und Ford Mondeo behaupten zu können. Die Preisliste der französischen Limousine

startet bei 22.650 Euro, der Grandtour genannte Kombi ist 1.000 Euro teurer.

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Bei der Ausstattung lässt sich Renault nicht lumpen: 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, MP3-Radio und Lederlenkrad. (Foto: Renault)

Der erste Blick auf die Karosserie fällt eher nüchtern aus. Nur Kenner werden den

Unterschied zum Vorgänger sehen: Lediglich das Frontdesign mit einem nun tief herunter

gezogenen Kühlergrill, die Scheinwerferoptik und etwas Chromzierrat wurden leicht

verändert und wirken nun etwas moderner. Am Heck sind jetzt lediglich die Rückleuchten

abgedunkelt. Vom Rest der Karosserie ließen die Designer dagegen die Finger, ebenso

vom Fahrwerk.

Grandtour für Baumarkt-Kunden

Die wichtigsten Änderungen finden sich unter dem Blech, vor allem unter der Motorhaube.

Die sechs angebotenen Motorvarianten, davon zwei Benziner, erhalten nun alle die

Euro 5 Schadstoffeinstufung. Erfreulicherweise wurde dabei der Durst der Triebwerke

gezügelt. Sparsamster Motor ist der 1,5-Liter-Diesel mit 81 kW/110 PS (ab 23.150

Euro) und einem Durchschnittsverbrauch von 4,7 Litern (CO2-Ausstoß 120 g/km), der

den Renault zwar nicht flott, aber für die meisten Gelegenheiten ausreichend antreibt.

Der Sprint auf Tempo 100 ist in 11,9 Sekunden erledigt und die Höchstgeschwindigkeit

liegt bei 192 km/h. Für Fahrer mit einer Baumarkt-Kundenkarte, die natürlich zum

Grandtour greifen, ist dieser Motor allerdings weniger empfehlenswert. Vor allem

dann nicht, wenn die 562 Kilogramm Zuladung ausgereizt werden.

Die deutlich bessere Wahl ist der hubraumstärkere 2,0-Liter-Diesel,

den es mit 110 kW/150 PS (29.100 Euro), 127 kW/173 PS (nur mit Automatik, 32.900

Euro) und 131 kW/178 PS (nur als GT, 31.900 Euro) gibt. Allerdings verbrennen die

Triebwerke mindestens ein halben Liter mehr auf 100 Kilometer und der schwächste

der drei Selbstzünder kostet fast 6.000 Euro mehr als der Einstiegsselbstzünder.

Viel Geld, auch wenn es dafür die höherwertigere Ausstattungsvariante Dynamique

gibt. Das ist ein generelles Problem bei Renault: Nicht jeder Motor ist mit jedem

Ausstattungsniveau kombinierbar.

Nur zwei Benziner

Da in dieser Klasse die meisten Kunden einen verbrauchsärmeren Diesel wählen, fällt

das Angebot der Ottomotoren erwartungsgemäß klein aus: Als Benziner wird lediglich

ein träger und müder 2,0-Vierzylinder vom Partner Nissan offeriert, der 103 kW/140

PS leistet; oder der etwas flottere Turbobenziner, der 125 kW/170 PS bereitstellt.

Während der Basisbenziner ab 22.650 Euro zu haben ist, kostet der 170-PS-Benziner

mindestens 29.900 Euro. Allerdings wird dieser dann mit einer langsam reagierenden

Sechsgang-Automatik kombiniert. Weiter verzichten müssen Renault-Fans auch auf Spritspar-Technik

wie Start-Stopp-System oder zusätzlichen Elektroantrieb. Renault plant zwar zurzeit

eine Elektrooffensive, aber nicht für die aktuelle Generation des Laguna.

Neu beim Laguna Initiale ist die Allradlenkung 4Control, die

als Option 1.300 Euro kostet. Hingegen gehört sie bei der sportlich abgestimmten

GT-Variante zur Serie. Wer besonderen Wert auf eine dynamische Fahrweise legt und

den Laguna wie einen Kleinwagen flott durch die Kurven scheuchen will, ist mit diesem

System gut bedient. Die mitlenkende Hinterachse erhöht die Lenkpräzision spürbar,

und passt gut zum straff und sportlich abgestimmten Fahrwerk: Die Federung verträgt

allerdings nach wie vor keine kurzen, heftigen Stöße und leitet sie deshalb direkt

an die Wirbelsäule weiter – eine wohltuende Massage fühlt sich anders an.

Gemacht für die lange Distanz

Vor langen Autobahnetappen brauchen sich Passagiere aber nicht

zu fürchten, im Gegenteil: Jeder Kilometer kann durch den guten Abrollkomfort und

die niedrige Geräuschkulisse genossen werden. Die Stärken des Laguna liegen eindeutig

in der Langstrecke: Wenn man sich einmal an die Abstimmung und das etwas gefühllose

Lenkverhalten der überambitionierten Servolenkung gewöhnt hat, lässt es sich in

dem aufgeräumten Innenraum gut leben.

Zwar bleibt die Gestaltung zum Vorgänger nahezu identisch, damit aber auch das große

Raumgefühl, bequeme und straffe Sitze sowie die üppige Basisausstattung. Zu der

gehören unter anderem sechs Airbags, Klimaanlage, 16-Zoll-Aluräder, CD-Radio mit

MP3-Funktion und ein Lederlenkrad. Geblieben sind auch die weichen Sitze mit wenig

Seitenhalt, das breite Armaturenbrett mit kleingliedriger Ziffernaufteilung und

der Start-Stopp-Knopf. Auf der hinteren Reihe finden sogar noch Basketballspieler

der NBA ausreichend Kopffreiheit und für den mittleren Einkauf beim Baumarkt lassen

sich selbst lange Güter problemlos über die weit öffnende Kofferraumklappe verstauen.

Praktisch, dass die Fondsitze auch gleich einfach umgeklappt werden können. So entsteht

ein Ladevolumen von bis zu 1.377 Litern. Mehr Stauraum garantiert traditionell der

Kombi, der zwischen 508 und 1.593 Litern schluckt. Damit braucht sich der Laguna

hinter den meisten Konkurrenten wahrlich nicht zu verstecken.

Quelle: sp-x