Auto
Im Polizeimuseum in Salzkotten ist das Radargerät VRG2 von Telefunken aus dem Jahr 1957 zu besichtigen.
Im Polizeimuseum in Salzkotten ist das Radargerät VRG2 von Telefunken aus dem Jahr 1957 zu besichtigen.(Foto: dpa)
Samstag, 21. Januar 2017

Jagd auf Temposünder: Radarfallen blitzen schon 60 Jahre

Vor 60 Jahren wird erstmals in Deutschland ein Radargerät getestet, das allzu flotte Autofahrer gerichtsfest überführen kann. Seitdem hat sich technisch viel verändert, doch noch immer sind die Autofahrer nicht begeistert, wenn es wieder mal geblitzt hat.

Längst ist das grelle Blitzlicht am Straßenrand Alltag für Autofahrer geworden. Seit nunmehr 60 Jahren ist die Polizei in der Lage mit Hilfe von Radaranlagen Temposünder dingfest zu machen. Die Sinnfälligkeit scheint nicht immer ersichtlich und so ist die blitzende "Gebühreneinzugsmaschine" nicht nur ein schier unerschöpflicher Quell für die Polizei und Gemeinden, sondern auch für Rechtsanwälte. Die dürfen dank Rechtsschutzversicherung immer mehr Klienten vertreten, bei denen es mal wieder "eingeschlagen" hat.

Doch wie dem auch sei. Nachdem der erste Blitzer am 21.01.1957 bei einem Feldversuch des nordrhein-westfälischen Innenministeriums sein erstes Opfer in Düsseldorf getroffen hatte, trat die neue Technik einen wahren Siegeszug an. 1956 war der Prototyp VRG 1 der Firma Telefunken auf der Internationalen Polizeiausstellung in Essen vorgestellt worden. Nach ersten Feldversuchen trat die "Radarfalle" dann als Weiterentwicklung VRG 2 ihren bundesweiten Siegeszug an. Zuvor war die Zahl der jährlichen Verkehrstoten in der noch jungen Bundesrepublik trotz des relativ geringen Verkehrsaufkommens auf erschreckende 13.000 in die Höhe geschnellt.

Von der Presse wurde das neue Gerät als "Wunderwaffe" gefeiert, Temposünder konnten jetzt Tag und Nacht abgelichtet werden. Seinerzeit wurde eine Statistik veröffentlicht, die besagte, dass jeder Autofahrer mit Hilfe der neuen Technik alle zehn Tage kontrolliert werden könnte. Heute dürfte das trotz massiver Aufrüstung durch zusätzliche Lasermessgeräte und Videoaufnahmen angesichts von Millionen Autos in Deutschland ausgeschlossen sein.

Geräte waren unübersehbar

Die neueste Technik verbirgt sich in den kaum wahrnehmbaren Blitzsäulen, die nicht nur das Überfahren von Rotlicht, sondern auch zu hohe Geschwindigkeiten dokumentieren und das in alle Fahrtrichtungen. Früher war die Sache schon überschaubarer, weil größer. Die ersten Geräte waren so riesig, dass von Radarfalle keine Rede sein konnte. Wer die Mörderkästen nicht sah, der musste schon Tomaten auf den Augen haben. Im Deutschen Polizeimuseum im westfälischen Salzkotten ist ein solches Gerät der ersten Stunde noch zu bewundern.

Über die Jahre fotografieren die Blitzkästen aber nicht nur Temposünder. Auch Kapitalverbrechen, aber vor allem Seitensprünge haben die "Blitzer" in den ersten Jahren aufgedeckt. Da die persönliche Treue der Ehegatten zu belegen nicht zu den primären Aufgaben der Anlagen gehörte, wird normalerweise die Beifahrerseite geschwärzt. So kann sich die Wut des Fahrers ganz auf das Bußgeld und den möglichen Verlust des Führerscheins konzentrieren. Eine zusätzliche Scheidungsklage muss heute nicht mehr befürchtet werden.

Kurios werden die Fälle, seit die Blitzgeräte mobil geworden sind. So wird von einem Fall berichtet, bei dem ein Rentner ein solches Gerät für eine Stereoanlage hielt und vor den Augen der verdutzten Polizisten abbaute und in sein Auto verschleppen wollte. Verbrieft sind auch die Attacken gegen stationäre Anlagen, die so genannten Starenkästen. Sie wurden schon beschossen, angezündet, beschmiert oder abgesägt.

Neue Technik gegen neuere Technik

Heute schützen sich Autofahrer durch diverse Apps vor ungewollten "Zieleinlauffotos". Zwar ist die Nutzung im Auto prinzipiell verboten, aber der Nachweis nur sehr schwer zu erbringen, dass ein Fahrer sie benutzt hat. Die Apps leben von ihrer Community. Je größer sie ist und je fleißiger sie Standorte dokumentiert, umso größer auch die Sicherheit vor einem ungewollten Blitzlichtgewitter geschützt zu sein.

Die Polizei hält mit modernen und kleinen Lasergeräten dagegen, die die Radartechnik in Genauigkeit übertrumpfen - und mit dem Blitz-Marathon, den 24-stündigen Kontrolltagen. Der neueste Schrei ist die halbstationäre Radarfalle. Die Anlagen sind auf Anhängern installiert und können personalsparend jeweils für mehrere Tage an wechselnden Orten aufgestellt werden, ohne von Beamten bewacht werden zu müssen. Derzeit werden sie in Köln getestet: 47.000 Autofahrer haben bereits in den ersten Wochen damit kostspielige Bekanntschaft gemacht.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de