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Eine Schippe mehr: Der Porsche 911 Turbo S bringt 30 PS mehr mit.
Eine Schippe mehr: Der Porsche 911 Turbo S bringt 30 PS mehr mit.
Mittwoch, 05. Mai 2010

Verschärfter Porsche 911 Turbo: "S" wie Sahnehäubchen

Axel F. Busse

Porsche setzt beim 911 Turbo noch einen drauf. Nicht nur bei der Leistung sondern vor allem bei der Ausstattung. Für rund 174.000 Euro gibt es 30 PS mehr und sportliches Equipement, wie eine Keramik-Bremsanlage oder ein Doppelkupplungsgetriebe.

Es geht immer noch einen Zacken schärfer. Wenn ein Hersteller dieses Prinzip zur Meisterschaft gebracht hat, dann ist es Porsche. Der 911 Turbo, weit jenseits allen Verdachts der Untermotorisierung, bekommt eine "S"-Variante und 30 PS obendrauf.

Damit ist das aktuelle Topmodell der Baureihe 530 PS stark, ebenso viel wie der bisherige GT2 hat, wo die Kraft jedoch nur auf die Hinterräder wirkt. Schon spekulieren die betuchten Fans, wie viel Leistungszuschlag wohl der bis dato stärkste Serien-911er in der kommenden Ausbaustufe kriegt.

Gegensätzliche Welten

Jetzt gelten die Marketing-Anstrengungen der Zuffenhausener Sportwagenschmiede erstmal dem Turbo S. Besondere Pikanterie der Presse-Vorstellung des Autos diese Woche: Auf der A 81 zwischen Stuttgart und Heilbronn brüllen die Motoren, versuchen die Testfahrer die 300-km/h-Marke zu knacken, während in Berlin unter ganz anderem PR-Getöse die "Nationale Plattform Elektromobilität" ausgerufen wird.

Dank der günstigen Gewichtsverteilung fährt sich der Sportwagen wie ein Auto mit Mittelmotor.
Dank der günstigen Gewichtsverteilung fährt sich der Sportwagen wie ein Auto mit Mittelmotor.

Die mittels Ladedruck-Erhöhung auf bis zu 1,2 bar erzeugten Zusatz-PS sind jedoch nicht das wichtigste an dem neuen Auto. Auch nicht jene 86 Meter Vorsprung, die er bei Vollgas in der Sekunde des Vorüberflitzens gegenüber dem "nomalen" Turbo hat. Für einen satten Preis von 173.241 Euro sind ihm ab Werk jene Extras mitgegeben, die viele 911er-Kunden schätzen – und auch bereitwillig bezahlen. Seit 1992 bietet Porsche einen aufgeladenen 911er auch als "S"-Version an. Nur diesmal steht der Buchstabe nicht für "sportlich" oder "schnell", sondern mehr für "Sonderausstattungen"

Viel Zusatzausstattung ab Werk

Da ist zum Beispiel die Keramik-Bremsanlage, die auch nach anhaltender Hochgeschwindigkeitsfahrt nicht zu schwächeln verspricht, da ist das Doppelkupplungsgetriebe, das Sport-Chrono-Paket, das Hinterachssperrdifferenzial sowie die Leichtmetallräder mit Zentralverschluss und die Sportsitze. Zusammengenommen berechnet Porsche für diese Ausstattungsmerkmale rund 22.500 Euro extra, wodurch der Mehrpreis gegenüber der Basisausstattung des 911er-Turbo auf rund 2000 Euro schmilzt. Außerdem verfügt das S-Modell noch über einen CD/DVD-Wechsler und dynamisches Kurvenlicht, wodurch er nach Ansicht des verantwortlichen Baureihenleisters August Achleitner "fast ein Schnäppchen" wird.

Was letztlich tatsächlich ein Schnäppchen ist, bleibt nicht nur persönlichen Wertmaßstäben, sondern auch Einkommensverhältnissen überlassen, unstrittig ist wohl, dass mit Kategorien aus Vernunft und Logik der Faszination von Sportwagen nicht beizukommen ist. Der mit dem Turbo-Modellwechsel von Grund auf neu entwickelte Motor wurde etwas leichter, unter anderem deshalb, weil die Ölzirkulation nunmehr von sieben statt bisher neun Pumpen bewerkstelligt werden kann.

Ge- oder entkoppelter Motor

Neu ist die elastische Motoraufhängung, die sich bei dynamischer Fahrweise so verhärten kann, als sei der Antriebsblock fest mit der Karosserie verschraubt. Will jemand gemütlich cruisen und legt Wert auf Reisekomfort, sind die Einheiten so entkoppelt, dass sich die Bewegung des schwersten Fahrzeugteils nicht auf die Passagierkabine überträgt.

Neben dem Mehr an Leistung gibt es noch reichlich Ausstattung im Paket.
Neben dem Mehr an Leistung gibt es noch reichlich Ausstattung im Paket.

Da das PDK-Getriebe manuell mit Hilfe der Schaltpaddel am Lenkrad bedient werden kann, muss der "S"-Kunde auf Eingriffsmöglichkeiten nicht verzichten. Wer lieber zum Knüppel auf dem Kardantunnel greift, fährt ohne das besondere "S"-Vergnügen, denn die angeschärfte Version des Turbos wird auch auf Wunsch nicht mit manueller Schaltung ausgeliefert. Von den sieben PDK-Fahrstufen ist die letzte als lang übersetzter Spargang ausgelegt, der helfen soll, den nach EU-Norm ermittelten Durchschnittsverbrauch von 11,4 Litern zu erreichen.

Verlässliches Untersteuern

Bekanntlich wirken sich die Aktivierung von "Sport" und "Sport Plus"-Taste spürbar auf die Agilität des 911ers aus. Da Gänge länger ausdrehen, später hochgeschaltet wird, hat dieser Fahrmodus nachhaltige Wirkung auf den Durchschnittsverbrauch. Das besten aus beiden Welten, nämlich Normal-Modus und superschnelle, manuelle Gangwechsel sind leider nicht gleichzeitig zu haben. Wer einem spontanen Impuls folgend am Ortsausgang kräftig Gas gibt und an der rechten Schaltwippe das Hochschalten auslöst, muss länger auf den nächsten Gang warten, als wenn er es der Automatik überließe.

Ebenso filigran und nur für wenige Fahrer von Bedeutung sind die Unterschiede, die eine Fahrt mit oder ohne das so genannte Torque-Vectoring bedeutet. Eine mechanische Hinterachsquersperre und eine variable Verteilung des Antriebsmoments an der Hinterachse durch gezielte Bremseingriffe am kurveninneren Rad sollen die Lenkpräzision erhöhen und dem Untersteuern entgegenwirken.

Einlenken wie ein Mittelmotor-Auto

Soweit die Theorie. In der Praxis bedarf es keiner großen Anstrengung, den bekannten Drang der Vorderachse des 911ers zum Kurvenaußenrand wieder zu aktivieren. Ein paar schnelle Runden in einem vereinsamten Kreisverkehr stellen die alte Vertrautheit her, die von einem Auto mit wenig Gewicht auf der Vorder- und viel auf der Hinterachse nun mal ausgeht. Dass der Turbo S "einlenkt wie ein Mittelmotorauto" (Achleitner) ließ sich mit diesen Versuchen jedenfalls nicht belegen. Und wer das will, sollte lieber gleich einen Cayman bestellen.

Die Keramik-Karbon-Bremsanlage ist im 911 Turbo S Serie.
Die Keramik-Karbon-Bremsanlage ist im 911 Turbo S Serie.

Akustisch ist der Turbo S auf Zurückhaltung eingestellt. Je nach Laune des Fahrers und Anforderung bietet der 3,8-Liter-Sechszylinderboxermotor aber schon ab 2500 Umdrehungen verschiedene und abwechslungsreiche Klangbilder an, die auch im höchsten Gang und unter Teillast der Umgebung das sportliche Potenzial vermitteln.

Es ist nicht leicht, sich der Versuchung zu widersetzen, beeindruckende Längs- und Querdynamik zu spüren. Gleichzeitig fühlt man sich sicher und dank präziser Fahrzeugreaktionen wird man gelassen auf die nächste Haarnadelkurve schauen. Der Versuchung erliegen heißt auch 14 oder mehr Liter Durchschnittsverbrauch einzukalkulieren, was bei nur 67 Litern Tankinhalt unvermeidlich häufigere Stopps nach sich zieht. Wer den Turbo S nicht nur als Sportgerät, sondern auch noch als Sonnenstudio nutzen will, für den hält Porsche noch das Cabrio bereit, es kostet 184.546 Euro.

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Quelle: n-tv.de