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Ein Helm für alle Situationen Schuberth C4 - Klappe zu, Kopf geschützt

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Klapphelme hatten früher den Nimbus des Uncoolen. Heute sehen manche sportlicher aus als normale Integralhelme. Wie zum Beispiel der Schuberth C4.

(Foto: Holger Preiss)

Klapphelme gelten als ausgesprochen praktisch. Sind sie doch funktionaler als ihre direkten Verwandten die Integralhelme. Noch dazu wenn zusätzlich eine Kommunikationseinheit integriert werden kann, wie in den Schuberth C4.

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Bei offener Klappe ist es sogar möglich, den Schuberth C4 mit der Brille auf der Nase aufzusetzen.

(Foto: Holger Preiss)

Ein wichtiger Teil des menschlichen Körpers ist der Kopf. Deshalb wurde den Motorradfahrern 1976 per Gesetz auch die Helmpflicht verordnet. Natürlich passt zu einer Scrambler eher ein Jet-Helm und so ein echter Harley-Biker zieht wahrscheinlich lieber eine Halbschale auf das Haupt. Dennoch ist unbestritten, dass Integralhelme für die Schaltzentrale bei einem heftigen Aufschlag den besten Schutz bieten. Nicht zuletzt deshalb sind die Auswahl und die Preisspannen hier am größten. Sparfüchse können schon für knapp 50 Euro ein Exemplar erwerben. Ausschlaggebend für den Preis sind natürlich auch immer die verwendeten Materialien. Sie bestimmen nicht nur den Preis, sondern auch das Gewicht, den Tragekomfort und die Funktionalität. Letztgenannte ist natürlich bei einem Klapphelm am größten. Leider litt diese Gattung über viele Jahre an einer scheußlichen Optik.

Inzwischen hat sich das geändert und auch Sportfreunde finden hier Exemplare, die im geschlossenen Zustand keine Fragen in Sachen Dynamik aufkommen lassen. Ein solches Exemplar ist der Schuberth C4, der aus Glasfaser gefertigt und mit 1660 Gramm ein Mittelgewicht in seiner Klasse ist. Die Kosten für den Kopfschutz aus Magdeburg liegen je nach Anbieter und Farbe zwischen 460 Euro und 749 Euro. Das ist kein Pappenstiel, wenn man bedenkt, dass es Klapphelme bereits ab 139 Euro gibt.

Nicht nur für Brillenträger

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Die nahtlosen Polster lassen sich entfernen und waschen. Über den orangfarbenen Regler wird die Sonnenblende bewegt.

(Foto: Holger Preiss)

Doch wer den Schuberth aufsetzt, wird sich schnell seiner Vorzüge bewusst. Der Helm, den es in den Größen XS bis XXXL gibt, erfreut durch eine gute Passform und einen perfekten Sitz. Was nicht zuletzt an den nahtlosen Polstern liegt, die selbstredend herausnehmbar und waschbar sind. Über die Zentralverriegelung am Kinnvorbau kann der Helm nach oben geöffnet werden. Jetzt lässt sich der C4 wie ein Jet-Helm aufsetzen und der Ratschenverschluss einfach schließen. Brillenträger können zudem, bevor der Helm geschlossen wird, die Sehhilfe bequem auf die Nase bringen.

Wird der Kinnschutz samt Visier heruntergeklappt, liegt das Kinn in einer Schaumstoffpolsterung. Die sorgt zum einen für einen verbesserten Tragekomfort, zum anderen verhindert sie an dieser Stelle das Eindringen von Insekten. Pfiffig ist die Bedienung der Sonnenblende, die als Schieber an der linken Unterseite des Helms zu finden ist. Viele Hersteller verbauen die Mechanik hierfür an der Außen- oder gar an der Oberseite des Helms. Der Lichtspalt unterhalb des Sonnen-Visiers könnte aber durchaus etwas kleiner sein.

Da weht der Wind

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Der Lichtspalt unterhalb der Sonnenblende fällt etwas zu groß aus.

(Foto: Holger Preiss)

Ein weiterer Vorzug des Schuberth C4 ist das Visier aus kratzfestem Polycarbonat, das im Vergleich zu anderen Klapp- und Integralhelmen ein großes Seitensichtfeld hat, was ein weites Eindrehen des Kopfes zum Beispiel an Kreuzungen oder bei Überholmanövern unnötig macht. Lobend sind auch die dichte Regenkante und der Wechsel ohne Werkzeug hervorzuheben. Dennoch wünscht man den sich nicht allzu oft, denn mit 55 Euro fällt das Visier nicht gerade in die Kategorie "preiswert".

Das Öffnen und Schließen erfolgt über fein rastende Stufen. In der Endstellung kann das Visier dann auch verriegelt werden. Ein Umstand, der gerade für Schnellfahrer nicht zu vernachlässigen ist. Wer im Geschwindigkeitsrausch unterwegs ist, wird zwar kaum Eigenbewegungen des Helms verspüren,aber eine recht deutliche Angriffsfläche durch den Fahrtwind. Ab 160 km/h heißt es: Hier wird der Stiernacken trainiert. Hinzu kommen deutliche Windgeräusche. Die entstehen einerseits über das sehr gute und einfach zu bedienende Belüftungssystem des Helms, andererseits bei leichten Kopfbewegungen durch die Verwirbelungen an den unteren Rändern.

Mit Kommunikationseinheit SC1 wird's rund

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Die Kommunikationseinheit SC1 für den Schuberth C4.

Der C4 ist bereits von Haus aus für die Bluetooth-Kommunikation vorgerüstet. Sprich, Kopfhörer, Mikrofon und Antenne sind bereits im Helm integriert. Wer gerne während der Fahrt Musik hören oder telefonieren möchte oder sich navigieren lässt, kann das mithilfe eines kleinen Zusatzgerätes machen. Für 199 Euro bietet Schuberth die Kommunikationseinheit SC1 Standard an. Darin enthalten sind ein Steckmodul und ein Akku. Beide verschwinden unsichtbar in den dafür im Helm vorgesehenen Einschüben.

Die Bedienelemente in Form einer Plus- und Minustaste befinden sich am Helmrand, kurz hinter dem linken Ohrläppchen. Dieser Umstand macht zwei Dinge notwendig: Erstens sollte die Kopplung mit dem Smartphone, die die eine oder andere Tastenkombination verlangt, nur erfolgen, wenn der Helm sich im Schoß des Programmierers befindet, zweitens sollte die Bedienungsanleitung studiert und die Tastenwahl bei aufgesetztem Helm in Ruhe und nicht auf dem Motorrad während der Fahrt erfolgen.

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Die zwei Steckplätze im Helm für den Akku und das Kommunikationsmodul mit Mini-USB und den Plus- und Minus-Tasten für die Bedienung.

(Foto: Holger Preiss)

War die Kommunikation mit dem Smartphone erfolgreich, koppelt sich der Helm, sobald die Einheit aktiviert wird, über eine sehr stabile Bluetooth-Verbindung mit dem Handy. Jetzt kann Musik gehört und/oder Navigationsansagen von einem beliebigen Routenplaner übertragen werden. Das geschieht problemlos und mit einem überraschend guten Klang. Telefonanrufe können per Spracheingabe entgegengenommen werden. Ein lautes "Hallo" reicht, um den Anrufer in den Helm zu holen.

Telefonieren per Sprachbefehl

Wer aus dem Helm heraus telefonieren möchte, kann das bei der Standardversion nur über das Smartphone selbst. Sprachbefehle über Siri oder Google gibt es wohl erst in der höheren Ausstattungsvariante des SC1. Die Empfangsqualität bei Telefonaten ist sehr gut, obgleich der Gesprächspartner schon mal die Frage stellen könnte, warum man sich denn so dumpf anhört. Während Außengeräusche mit Hilfe der Advanced Noise Control unter Kontrolle gebracht werden, bleibt die eigene Sprache durch den Helm etwas gedämpft. Gleiches gilt für die mögliche Kommunikation mit einem weiteren mit dem SC1-System ausgerüsteten Helm.

Für die Einstellung der einzelnen Kommunikations-Parameter bietet Schuberth eine App an. Hier lässt sich auch die Sprachsteuerung zur Annahme von Telefonaten, die Sprachqualität der Zweiwegekommunikation oder der Audio Boost und die Rauschunterdrückung aktivieren oder deaktivieren. Leider kann darüber nicht die Firmen-Software aktualisiert werden. Hierfür muss extra ein Device Manager auf dem Rechner installiert werden. Anschließend gilt es den Helm über ein mitgeliefertes USB-Kabel zu koppeln, um die Software aufzuspielen. Das gleiche USB-Kabel wird auch genutzt, um den Akku im Helm zu laden. Allerdings ist der mit bis zu zehn Stunden Laufzeit weniger schnell an seine Grenzen gestoßen als der Fahrer mit einem leeren Tank.

Wer den Wunsch verspürt, während der Fahrt Radio zu hören und die Möglichkeit sucht, bis zu vier Helmträger in die Kommunikation einzubinden, der muss sich das System SC1-Advancve für 299 Euro zulegen. In Summe sind wir dann im teuersten Fall mit Helm bei 1048 Euro. Kein Schnäppchen, aber am Ende ein schlüssiges Gesamtpaket.

Fazit: Der Schuberth C4 ist ein uneingeschränkt empfehlenswerter Klapphelm, dessen Vorzug darin besteht, dass er auf den ersten Blick als solcher nicht zu erkennen ist sondern eher als sportlicher Integralhelm wahrgenommen wird. Tragekomfort, Belüftung und Handling sind einfach Oberklasse, lediglich die Windgeräusche bei hohen Geschwindigkeiten könnten als störend empfunden werden. Seine Vollendung bekommt der C4 mit der Kommunikationseinheit SC1. Ob die Standard-Version reicht oder man auf die teure Advanced-Ausgabe setzt, ist wohl einzig von den Nutzungswünschen abhängig.

Quelle: n-tv.de

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