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Was die Kosten treibt Spritpreis bleibt auf Rekordniveau

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Mit 1,62 Euro für einen Liter Superbenzin E10 bewegt sich der Benzinpreis im bundesweiten Durchschnitt in der Nähe seines historischen Höchststandes.

(Foto: picture alliance / dpa)

Deutsche Autofahrer müssen an den Tankstellen immer tiefer in die Tasche greifen. Die hohen Kraftstoffpreise haben unterschiedliche Ursachen: Die politische Weltlage, die wirtschaftliche Entwicklung, Spekulationen und nicht zuletzt die Steuerpolitik der Bundesregierung.

Autofahrer sind schon ein gebeuteltes Volk. Der Fuß darf auf dem Gaspedal nur  noch mit Angst treten werden, denn spätestens, wenn das Lämpchen in der Armatur die nächste Tankfüllung anfordert, dürfte dem geneigten Kraftfahrer angesichts der Spritpreise der kalte Schweiß auf die Stirn  treten. Mit 1,62 Euro für einen Liter Superbenzin E10 bewegt sich der Spritpreis im bundesweiten Durchschnitt in der Nähe eines historischen Höchststandes. Selbst für Diesel werden 1,52 Euro je Liter aufgerufen. Damit liegt der Treibstoff für Selbstzünder nur noch um drei Cent unter seinem historischen Hoch.

Wegen der Einführung von E10 lässt sich der Benzinpreis kaum noch mit dem vergangener Jahre vergleichen. Die meisten Autofahrer tanken nicht E10, sondern Superbenzin E5 mit lediglich fünf Prozent Ethanol. Das kostet drei Cent mehr als E10 und ist inzwischen mit 1,65 Euro je Liter so teuer wie noch nie. Auf sinkende Preise können Autofahrer aber kaum hoffen. Nach Angaben des Hamburger Energie-Informationsdienstes EID zeichnet sich bei Öl ein konstant hohes Niveau ab.

Der psychologische Faktor

Der wichtigste Grund für die hohen Benzinpreise ist nach Ansicht von Experten der Atomstreit mit dem Iran. Die EU hatte das Land mit einem ab Juli geltenden Öl-Embargo belegt. Darauf drohte der Iran seinerseits, selbst frühere Lieferungen einzustellen. Hier liegt ein psychologischer Faktor. Die Angst vor einer Verschärfung des Konflikts führt dazu, dass die Händler sich mit Rohöl bevorraten. Zwar könnten andere  Länder wie Saudi-Arabien einspringen. Aber auch dann müsste das Öl  durch die Wasserstraße von Hormus verschifft werden, die an den  Iran grenzt.

Auch die Eurokrise spielt eine entscheidende Rolle bei der Preisentwicklung. Zwar werden die Rohöl-Käufe in Dollar abgewickelt, aber letztlich werden die Endprodukte  in Europa in Euro bezahlt. Daher spielt der Wechselkurs eine wichtige Rolle. Da der Euro im Augenblick vergleichsweise schwach ist, müssen für den Dollar und damit für Öl vergleichsweise viele Euro hingeblättert werden.

China räumt den Markt ab

Hinzu kommt die gigantische Nachfrage Chinas nach Rohöl. Mit 5,5 Millionen Barrel hat das Land im Januar den dritthöchsten Wert weltweit erreicht. Gerade dieser Wachstumshunger ist ein wesentlicher Preistreiber. Zudem hatte diese Entwicklung  kaum jemand erwartet. Analysten sind noch im letzten Jahr davon ausgegangen, dass sich die Konjunktur im Reich der Mitte abschwächen wird. Jetzt geht man davon aus, dass sich der Aufschwung noch potenzieren wird und den Preis für Rohöl dauerhaft in die Höhe treibt.

Und selbst wenn die Weltwirtschaft anderswo nicht floriert, sorgt bereits die Aussicht auf erneutes Wachstum für einen Anstieg der Preise. Der  Essener Professor für Energiewirtschaft Christoph Weber meint, dass sich die Ölförderer folgende  Frage stellten: „Fördere ich das Öl jetzt oder lasse ich es im  Boden, bis die Preise in einigen Jahren noch höher sind?“  Zudem habe sich die Spekulation an den Finanzmärkten verstärkt. Die Notenbanken in den USA und Europa fluten die Märkte mit Liquidität, die nach Anlage sucht.   Das Geld geht in Aktien, aber zu großen Teilen auch in Rohstoffe.

Der Kunde zahlt, der Fiskus profitiert

All diese sich ansammelnden Kosten werden  postwendend durch die Industrie an die Verbraucher weitergegeben. Und das wird sich  in der gegenwärtigen Lage auch nicht entscheidend ändern, so eine Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes. Dabei sollen die  Konzerne nach Auskunft ihres Branchenverbandes  lediglich zwischen einem halben und einem Cent pro Liter verdienen.

Aber nicht nur die Wirtschaft profitiert vom teuren Öl. Einer der größten Nutznießer ist der Staat. Die Energiesteuer ist fix und wurde nach Angaben des Bundesfinanzministeriums seit 2003 nicht mehr angehoben. Sie beträgt für den Liter Benzin 65,45 Cent und für Diesel 47,04 Cent. Hinzu kommt aber die 19-prozentige Umsatzsteuer, die auf die jeweiligen Kraftstoffpreise samt Energiesteuer aufgeschlagen wird. Steigt also der Anteil des Rohölpreises am Liter Kraftstoff von 25 auf 50 Cent, dann steigt die Mehrwertsteuer von rund fünf auf zehn Cent. So fließen auf den getankten Liter Super E10 (1,55 Euro) satte 91 Cent in die Haushaltskasse des Bundesfinanzministers. Das entspricht fast 59 Prozent des Benzinpreises.

Quelle: ntv.de