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Infos über Fahrverhalten an Versicherer Telefónica überwacht Autofahrer

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48 km/h zu schnell, zeigt die Laserpistole der Polizei an - dieser Fahrer könnte einen Tarifaufschlag bekommen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wer bremst, gewinnt. Das wird für Autofahrer Wirklichkeit, falls Telefónica Deutschland sich mit "einer Reihe von großen Versicherungen" einigt. Das Ziel: individualisierte Tarife je nach Fahrverhalten. Geschwindigkeitsüberschreitung, Nachtfahrten und mehr werden erfasst. Doch wollen Autofahrer permanent beobachtet werden? Datenschützer sehen große Risiken.

Telefónica hat die Einführung einer Technik angekündigt, mit der das Fahrverhalten von Autofahrern erfasst wird. Bis Ende des Jahres soll "Telefónica Insurance Telematic" einsatzfähig sein. Der Name der Technik verrät auch, wie der Telekommunikationskonzern, der in Deutschland mit dem Mobilfunkanbieter O2 vertreten ist, die Daten einsetzen will: für Autoversicherer. Diese sollen auf die gesammelten Daten zugreifen und so Tarife individuell gestalten können.

So soll das System unter anderem Faktoren wie Bremsverhalten, Geschwindigkeitsüberschreitungen und Nachtfahrten erfassen. Telefónica betont die verschlüsselte Speicherung der Protokolldaten, die dann verarbeitet werden und in Form eines Punktewertes an die Versicherer übertragen werden. Fahrer können die über sie gesammelten Informationen per Smartphone-App oder auf einer Website einsehen.

Monatliche Anpassung

Jeden Monat soll der Tarif so neu berechnet werden können. Telefónica Deutschlands Strategie-Vorstand Markus Haas sieht eine "vollkommen neue Form der KfZ-Versicherung". Mit "einer Reihe von großen Versicherungen" arbeite das Unternehmen bereits zusammen, heißt es in einer Mitteilung.

Die "attraktivere und gerechtere Gestaltung" der Tarife könnte für viele Fahrer aber nicht das entscheidende Argument sein - sondern das Wissen um die ständige Überwachung des eigenen Fahrverhaltens. Aufgezeichnet werden die Daten von einer kleinen schwarzen Box, in der eine Handy-SIM-Karte steckt. Darüber wird das Fahrprotokoll übertragen. Die Kosten dafür werden "vermutlich von der Versicherung" getragen, so Telefónica-Deutschland-Sprecher Markus Oliver Göbel auf Anfrage von n-tv.de. Die Verhandlungen mit den Unternehmen seien jedoch noch nicht abgeschlossen.

In Spanien ist das System bereits seit Februar im Einsatz. In Deutschland gibt es Skepsis. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar etwa äußerte sich sehr kritisch: "Wer einen derartigen Tarif wählt, muss sich darauf einlassen, dass eine Vielzahl von Daten erhoben, gespeichert und ausgewertet wird."

Dabei könnten zurückgelegte Strecken, die gefahrene Geschwindigkeit und mögliches Fehlverhalten des Fahrers lückenlos rekonstruiert werden. "Im Grunde handelt es sich dabei um eine 'freiwillige' Vorratsdatenspeicherung des Kfz-Halters", sagt Schaar.

Auf die Frage nach dem Datenschutz sagt Telefónica-Manager Haas: "Das ist ein sehr transparenter Prozess." Der Kunde müsse jedem Schritt ausdrücklich zustimmen.

"Ökonomischer Zwang" befürchtet

Schaar befürchtet, dass die Freiwilligkeit je nach Prämiengestaltung künftig zu einem "ökonomischen Zwang" werden könnte. "Hier sollte der Gesetzgeber einen Riegel vorschieben", fordert er. Im Klartext: Versicherer könnten so hohe Tarife für Verweigerer der Technik berechnen, dass vielen nichts anderes übrigbliebe, als sich überwachen zu lassen. Besonders problematisch wird es nach Einschätzung Schaars, wenn ein Auto von mehreren Fahrern benutzt wird, oder Halter und Fahrer nicht ein und dieselbe Person sind.

"Dann könnte der Halter die anderen Fahrer kontrollieren und die zurückgelegten Strecken genau rekonstruieren." Mit der Smartphone-App könnte etwa der Arbeitgeber detailliert und aktuell den Aufenthaltsort von Außendienstmitarbeitern überwachen. Die Aussage Haas' steht dem entgegen: Eine Erfassung von Bewegungsprofilen sei ausgeschlossen, so der Telefónica-Manager.

"Insurance Telematic" ist nicht das erste Konzept aus dem Hause Telefónica, das in Deutschland auf Kritik stößt. Vor einem halben Jahr hatte der Konzern zurückgerudert, nachdem er in Deutschland mit "Smart Steps" an den Start gehen wollte. Dabei sollten anonymisierte Bewegungsdaten von Mobilfunkkunden analysiert werden - und dann etwa Einzelhändlern Erkenntnisse über das Verhalten von Besucherströmen liefern.

Quelle: n-tv.de, (mit dpa)

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