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Experten streiten Tempolimit für Kleintransporter?

Seit Jahren nimmt die Zahl der gewerblich genutzten Kleintransporter auf deutschen Straßen zu. Eine Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ergab, dass Kleintransporter deutlich häufiger in Unfälle verwickelt sind als andere Autos - und dabei meist deren Fahrer die Schuld trifft. Experten fordern ein Tempolimit: Doch Autoverbände wehren sich.

Auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar (28. bis 30. Januar) wollen rund 1000 Experten aus Europa beraten, wie das Unfallrisiko der Kleintransporter eingedämmt werden kann. Denn alle sind der Meinung: Es muss etwas passieren. Einig sind sich die meisten Verbände, dass die Fahrer künftig Fahrtrainings machen müssen und der Einbau von elektronischen Schleuderverhinderern sinnvoll ist. Beim Tempolimit aber zeichnet sich Streit ab.

2003 gab es nach Angaben des Auto Clubs Europa (ACE) knapp 790 000 Fahrzeuge mit 2,8 bis 3,5 Tonnen in Deutschland - eine Zunahme um zwei Drittel seit 1997. Seit auch Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 2,8 Tonnen als Pkw zugelassen werden dürfen, setzen Unternehmen und Speditionen die Flitzer besonders gern ein - oft sieben Tage pro Woche 24 Stunden am Tag.

Der Verband der Automobilindustrie ist gegen ein Tempolimit. Sprecher Eckehart Rotter sagt: "Wenn Tempo 120 kommt, wären die Kleintransporter die dritte Gruppe mit einem individuellen Tempolimit auf den Autobahnen neben den Lkw mit 80 und den Bussen mit 100 km/h." ADAC-Sprecher Maximilian Maurer meint: "Ein Tempolimit würde gar nichts bringen." Fahrer unter Zeitdruck würden sich über Begrenzungen nämlich hinwegsetzen.

Prof. Dieter Anselm vom GDV hält dem entgegen: "Es gibt auch für Lastwagen eine Geschwindigkeitsbegrenzung, die im wesentlichen durchgesetzt wird." Gegen Unverbesserliche helfe eine automatische Motorbremse.

Nach einer Studie des GDV, der die Unfälle in Bayern untersucht hatte, trifft bei 90 Prozent der Crashs mit Kleintransportern deren Fahrer die Schuld. Drei Mal häufiger als bei anderen Unglücken waren sie übermüdet oder sogar am Steuer eingenickt. Außerdem sind die Folgen der Unfälle drastischer, da schnelle Kleintransporter große Wucht entwickeln.

Deshalb sei 120 für Kleintransporter die äußerste Obergrenze, meint ACE-Chef Wolfgang Rose: "Hier ist der Gesetzgeber gefordert. Es darf nicht sein, dass eine gewisse Vollgaslobby über die begründeten Belange der Verkehrssicherheit triumphiert."

Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) sieht nach Worten einer Ministeriumssprecherin "Handlungsbedarf". Stolpe beauftragte die Bundesanstalt für Straßenwesen mit einer Detailanalyse. Zwischenergebnisse werden noch unter Verschluss gehalten. Entscheiden will der Minister erst, wenn die Studie Mitte des Jahres vorliegt.

Quelle: ntv.de