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Ein starker Newcomer auf dem E-Roller-Markt ist der chinesische Anbieter Niu, der gleich mehrere Modelle im Angebot hat.
Ein starker Newcomer auf dem E-Roller-Markt ist der chinesische Anbieter Niu, der gleich mehrere Modelle im Angebot hat.
Samstag, 11. August 2018

Cool und emissionsfrei: Tipps für den Kauf eines E-Rollers

Der Markt an E-Roller ist jung und damit recht unübersichtlich. Wer sich für den Kauf eines emissionslosen Cityflitzers auf zwei Rädern entscheidet, sollte dabei Fehler vermeiden. Deshalb an dieser Stelle einige Tipps die dabei helfen können.

Beim iTango von Doohan handelt es sich um das Einstiegsmodell, welches von einem 1000 beziehungsweise 1200 Watt starken Bosch-Motor angetrieben wird.
Beim iTango von Doohan handelt es sich um das Einstiegsmodell, welches von einem 1000 beziehungsweise 1200 Watt starken Bosch-Motor angetrieben wird.

Angesichts des heißen Sommers dürfte bei vielen der Wunsch nach klimafreundlicherer Mobilität aufkommen. Der Wechsel auf ein lokal emissionsfreies Fahrzeug fällt dabei angesichts steigender Wahlmöglichkeiten leichter denn je. Eine besonders günstige Alternative sind E-Scooter, die in mittlerweile großer Zahl in Deutschland angeboten werden. Doch den meisten Kaufinteressenten dürfte gerade deshalb eine Entscheidung nicht leicht fallen. Auch, weil man bei klassischen Rollermarken wie Aprilia, Peugeot, Kymco oder Honda bislang noch an der falschen Adresse ist. Lediglich Piaggio will noch in diesem Jahr eine E-Vespa auf den Markt bringen. Auch BMW hat mit dem Maxiscooter C Evolution einen E-Roller im Programm. Doch das Gros der elektrisch angetriebenen Scooter kommt derzeit noch aus China, meist von unbekannten Herstellern wie Niu oder Doohan. Das muss nicht schlecht sein, aber auf ein paar Dinge sollte man vor dem Kauf unbedingt achten.

Die Batterie

Bei E-Rollern kommt, wie bei anderen Elektrofahrzeugen auch, der Batterie eine Schlüsselrolle zu. Lithium-Ionen-Akkus sind mittlerweile Standard. In der Regel ist man gut beraten, wenn das Wunschmodell mit einem solchen Akkumulator ausgestattet ist. Ein großer Vorteil: Ein Memory-Effekt durch falsches Aufladen ist hier nicht zu befürchten. In der Regel setzen sich die Akkus zudem aus kleinen Zellen zusammen, die von den großen Herstellern Samsung oder Panasonic stammen. Deren Zellen haben sich schon millionenfach bewährt und gelten unterdessen als ausgereift.

Der E-Scooter Elly von Govecs kommt im Vespa-Look angestromert.
Der E-Scooter Elly von Govecs kommt im Vespa-Look angestromert.

Darüber hinaus sollte man beim Kauf darauf achten, dass die Batterieblöcke sich herausnehmen lassen. Sind sie im Fahrzeug fest verbaut, können sie schlicht und ergreifend nicht in der Wohnung geladen werden. Laternenparker stehen dann oft vor dem Problem, eine Steckdose fürs Ladegerät zu finden. Idealerweise ist die Batterie zudem modular, das heißt, dass sie aus mehreren Blöcken besteht. So kann man zunächst einmal den Roller mit nur einem Paket kaufen. Merkt man, dass die Reichweite zu gering ausfällt, ist ein Nachrüsten möglich. Die Akku-Währung heißt übrigens Kilowattstunde (kWh). Je größer die Zahl der Kilowattstunden, desto größer die Speicherkapazität und damit auch die Reichweite. Wer zwischen zwei oder mehreren Modellen schwankt, sollte schauen, wieviel die Kilowattstunde bei den Zusatzakkus kostet. Die Preisunterschiede schwanken hier stark.

Die Reichweite

Einen pauschalen Ratschlag, wie viel Reichweite angemessen ist, kann man nicht geben. Wer seinen Roller nur in der Stadt auf kurzen Strecken einsetzt, dürfte auch mit einem Reichweitenfenster unterhalb von 100 Kilometern gut auskommen. Wer seinen Stromer hingegen auch auf Überlandtouren oder in der Stadt im Dauereinsatz bewegt, sollte sich für ein Fahrzeug mit einer Reichweite im dreistelligen Bereich entscheiden. Grundsätzlich gilt: Die Praxisreichweite wird wie bei E-Pkw immer unter der vom Hersteller angegebenen Reichweite liegen. Aber wie erwähnt lässt sich bei einigen Rollern die Batteriekapazität nachträglich erhöhen. Mehr als 200 Kilometer sind bereits möglich, aber noch selten. Die für Ende 2018 angekündigte E-Vespa soll es sogar mit einem Range-Extender, also einem Reichweitenverlängerer, in Form eines Benzingenerators geben.

Der Preise

Rund 4000 Euro kostet der Appscooter von Etergo.
Rund 4000 Euro kostet der Appscooter von Etergo.

Wer einen neuen E-Roller kauft, muss in jedem Fall eine vierstellige Summe investieren. Insgesamt bewegen sich die Preise auf einem höheren Niveau als bei den konventionell getriebenen Scootern. Die Spanne reicht von knapp 1000 Euro bis über 10.000 Euro. Teilweise ist bei der Einpreisung ein gewisses Maß an Willkür erkennbar. Ein Beispiel ist der E-Roller Lipo, den man über den Onlinehändler Alibaba direkt in China für knapp 1000 Dollar bestellen kann. Die Handelsplattform Ecomobility bietet diesen hierzulande für rund 3300 Euro an. Über Real-Märkte wurde das Modell im Frühjahr 2018 für zunächst 2399 Euro vertrieben und mittlerweile der Preis sogar auf 2000 Euro gesenkt. Da sich der Markt insgesamt erst noch konsolidieren muss, haben es Käufer jedenfalls schwer, ein Preisgefühl zu entwickeln. Hier hilft nur der Vergleich im Internet und bei Händlern.

Die Betriebskosten

Zwar muss man beim E-Roller im Vergleich zum benzingetriebenen Pendant beim Kauf meist mehr investieren, dafür fallen in der Regel die Unterhaltskosten niedriger aus. Bei Wartung und Verschleiß verlangen die Stromer weniger Aufwand, was in der Regel auch geringere Kosten verursacht. Die zumeist einfacher konstruierten Motoren sind zudem weniger anfällig, außerdem gibt es kein Getriebe oder eine Kette. Auch die Energiekosten sind niedriger als Benzinkosten. Der Strom für 100 Kilometer mit dem E-Roller kostet oft weniger als ein Euro.

Die Leistung und die Geschwindigkeit

Das wohl ausgereifteste Modell kommt mit dem C-Evolution von BMW, kostet aber auch 14.000 Euro.
Das wohl ausgereifteste Modell kommt mit dem C-Evolution von BMW, kostet aber auch 14.000 Euro.

Hier lautet das Motto ganz klar: Mehr ist einfach mehr. Allerdings gibt es auch an dieser Stelle Grenzen. Wer führerscheinbedingt nur Mofa-Klasse, also Zweiräder bis 25 km/h, fahren kann, sollte gar nicht erst einen E-Roller in Erwägung ziehen, sondern gleich auf ein Pedelec umsatteln. Die meisten E-Scooter werden in der 50er-Klasse angeboten und sind somit auf eine Endgeschwindigkeit von 45 km/h beschränkt, was im Stadtverkehr oft Nerven kostet, da man von Autofahrern als Hindernis empfunden wird. Maximal sind hier übrigens 4 kW Motorleistung erlaubt.

Wer halbwegs souverän im Verkehr mitschwimmen will, sollte in jedem Fall ein Modell wählen, dessen Leistung über diesem Niveau liegt. Dann handelt es sich um ein Leichtkraftrad, also um ein Zweirad der 125er-Klasse. Hier sind maximal 11 kW Motorleistung erlaubt, die meisten elektrischen Leichtkraftrad-Scooter liegen ein paar kW darunter und erreichen Geschwindigkeiten von 60 bis über 100 km/h. Damit fahren die Stromer derzeit noch ihren Benziner-Pendants hinterher. Wenn der E-Roller zum Marktrenner werden soll, müssten diese bei der Höchstgeschwindigkeit jedenfalls noch zulegen. Einzig autobahntaugliches Modell ist der bis zu 129 km/h schnelle und 48 PS starke C Evolution von BMW. Diese souveräne Antwort auf die Leistungsfrage verlangt mit über 14.000 Euro allerdings auch nach einem souveränen Kontostand.

Die Förderung

Anders als bei elektrisch angetriebenen Autos gibt es für E-Roller keine staatlichen Subventions- oder Förderprogramme. Allerdings wird mancherorts auf regionaler Ebene unterstützt. Unter anderem Kommunen aber auch einige Stromversorger fördern, oft mit finanziellen Anreizen, den Kauf eines emissionsfreien Fahrzeugs.

Der richtige Zeitpunkt

Das Angebot an E-Rollern ist bereits vielseitig und einige Modelle sind technisch überzeugend. Doch für die nahe Zukunft hat eine Reihe von Herstellern Neuheiten angekündigt, die wesentlich besser werden dürften, als die Fahrzeuge, die sich momentan auf dem Markt tummeln. Die kommenden E-Roller-Modelle werden jedenfalls noch alltagstauglicher, cooler und außerdem vernetzter sein.

Quelle: n-tv.de