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Das Herz schlägt wieder Tops und Flops in Detroit

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Seit 2005 warten Fans des NSX auf einen Nachfolger des legendären Sportwagens. In Detroit präsentierte Honda endlich den Acura NSX.

Noch vor zwei Jahren stand das Herz der US-amerikanischen Autoindustrie kurz vor dem Infarkt. Jetzt brachten die Fahrzeughersteller neue Hoffnung nach Detroit. Doch bereits bei den Präsentationen auf der Automesse schälten sich neben den Gewinnern auch die Verlierer heraus.

Mehr als zwei Jahrzehnte nach der Präsentation des legendären Japan-Sportwagens NSX gewährt Honda den ersten Ausblick auf ein völlig neues, sportliches Flaggschiff. Der Acura NSX zieht auch stilistisch alle Register, um Enthusiasten den Mund wässrig zu machen. Nächstes Jahr folgt die Serienversion: Ferrari, Lamborghini und Porsche dürfen sich auf scharfe Konkurrenz einstellen.

Aber auch die Hausherren wissen auf der North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit zu überzeugen. Begünstigt durch moderate Spritpreise und runderneuerte Produktpaletten stehen Ford und GM nach der tiefgreifenden Krise der vergangenen Jahre wieder gut im Futter. Auch das Sorgenkind Chrysler ist zufrieden: Nach Auskunft von Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne hatte jeder Chrysler-Händler rund um die Weihnachtszeit "Truthahn und guten Wein auf dem Tisch".

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Der Dodge Dart soll Chrysler aus dem Jammertal führen.

Den wird es wohl auch im kommenden Jahr geben, denn der Dodge Dart, der auf einer Fiat-Plattform (u.a. Alfa Giulietta) basiert, steckt voller pfiffiger Ideen und Designlösungen - und könnte bei der Genesung der Marke ein Meilenstein sein. Ob Murat Günak seine Hände im Spiel hatte bleibt ein Geheimnis. Die Frontpartie erinnert jedenfalls stark an die VW-Studie Iroc, die einst den aktuellen Scirocco vorwegnahm. Die neue Kompaktlimousine soll auch das Vorgängermodell Caliber schnell vergessen machen. Der wurde 2006 in Detroit vorgestellt und sollte in Europa in der Mittelklasse Fuß fassen, entwickelte sich aber zu einem wahren Rohrkrepierer.

Ford, Audi und der Diesel im Aufwind

Insgesamt befindet sich der US-Markt in einer ausgedehnten "Vorglühphase". Jeep Grand Cherokee, der Crossover Mazda CX-5 und der kompakte Chevrolet Cruze sollen mit für den US-amerikanischen Markt eher untypischen Dieselmotoren angeboten werden. Das Antriebskonzept feiert somit eine Art Renaissance. Denn Dieseltriebwerke waren bereits in den achtziger Jahren in den Staaten sehr erfolgreich. Vor allem europäische Hersteller hoffen diesbezüglich wieder auf ein Umdenken der Autokäufer.

Perspektivisch gesehen hat auch Ford mit dem Schwestermodell des Mondeo, der in Detroit als Fusion präsentiert wurde, eine Punktlandung gemacht. Das neue Modell ist effizient, komfortabel und liegt im Format nahe an der Oberklasse. Fords Strategie, die Palette global zu konsolidieren, trägt also schöne Früchte - und mit der Konzentration auf die zwei Marken Ford und Lincoln vermeidet es der Konzern, sich wie Hauptkonkurrent GM im selbstgezüchteten Markendickicht zu verheddern.

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Eigentlich ist der Audi Q3 Vail nur ein Konzept. Das gefiel aber so gut, dass er jetzt auch für den amerikanischen Markt gebaut werden soll.

(Foto: Abdruck fuer Pressezwecke honora)

Unter den deutschen Autobauern wusste Audi mit seinem Konzept des Q3 Vail zu überzeugen. Die Crossover-Studie mit ihrem 231 kW/314 PS starken 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbo und den ebenso dezenten wie wirkungsvollen stilistischen Modifikationen ist so gut angekommen, dass Audi sich kurzer Hand entschloss, die Baureihe auch nach Amerika zu bringen. Nebenbei nimmt das Concept Car ein sportliches Derivat vorweg, mit dem sich Audi - schon mangels Konkurrenz - an die Spitze des Segments setzen dürfte.

Die Flops der Detroit Auto Show

Doch nicht alles ist in Detroit Gold was glänzt. Nachdem GM-Chef Dan Akerson den kompakten, hinterradgetriebenen ATS schon vor Monaten als "Frontalattacke" auf den BMW 3er annonciert hat, wurden die hochgeschraubten Erwartungen bei der Premiere souverän unterboten. Man darf sich sicher sein, dass die Fachwelt den Viertürer nun an Akersons anspruchsvoller Vorgabe messen wird. Wenn sie nicht, angesichts der konturlosen Form, spontan wieder in Tiefschlaf verfällt.

Auch eine immer wieder beschworene Blüte der Elektromobilität erreichte die Amerikaner bis dato nicht. Noch bevor die Romanze zur Blüte gelangt ist, kühlte die stürmisch bejubelte Zuneigung auch schon wieder ab. Gerade die Autofahrer in den USA fürchten die geringen Reichweiten. Hinzu kommt der flammende Abschluss eines Crash-Tests des Chevrolet Volt. Die folgenden Schauermärchen über die Selbstentzündung verunfallter E-Mobile schreckt potentielle Kaüfer ab. Bleibt die Hoffnung, dass die Idee des Range Extender den Elektroantrieb retten wird. Immer vorausgesetzt, dass jemand den Preis dafür bezahlen möchte. Auch die in China teilgefertigten Elektroautos des US-Herstellers Coda wurden in Detroit nur milde belächelt.

Tesla ruiniert seinen Ruf

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Mit billiger Plastik und lieblosem Interieur ruiniert Tesla in Detroit seinen Ruf.

Auch für Tesla lief die Messe in Detroit nicht wie erwartet. Die weithin gelobte Abwerbung des gefeierten Mazda-Designers Franz von Holzhausen stellt sich bereits nach einer schnellen Inspektion der Fließheck-Limousine Model S als Flop heraus. Die Verarbeitung der ausgestellten Exponate ist ein trauriger Tiefpunkt der Messe, und das vor dem Fahrer verarbeitete Kunststoffbauteil mit seinem hochkant gestellten, eckigen Bildschirm verdient wie kein zweites in der neueren Automobilgeschichte die Bezeichnung "Armaturenbrett". Ergänzt wird die lieblose Stilmelange durch rustikale Lenkstockhebel und eine Lenkradschaltung aus dem Mercedes-Regal.

Obwohl es sich bei der NAIAS in Detroit um die wichtigste Messe in Nordamerika handelt, üben sich Autohersteller immer wieder in demonstrativem Verzicht. Vor Jahren glaubte Porsche, man müsse keine Präsenz mehr zeigen, heuer sind es Jaguar und Land Rover. Gewiss, es ist auch in Indien Messezeit. Doch bei aller neuen Loyalität zu den Herren von Tata Motors: Es wird noch lange dauern, bis der indische Markt sich an Nordamerika messen kann.

Quelle: n-tv.de, hpr/sp-x

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