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Traditioneller Topseller Vespa 300 GTS Super im Test

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Schon seit 1948 bauen die Italiener die kleinen Zweiräder mit dem praktischen Beinschild und den weiblichen Rundungen.

Eine Vespa ist kein herkömmlicher Roller, sondern eine besondere Art, auf zwei Rädern mit Beinschild zu fahren. Ob die neue Technik in der 300 GTS Super mit der traditionellen Optik harmoniert, klärt der Praxistest.

Die Vespa 300 GTS Super ist nicht irgendein Roller. Es ist das Spitzenmodell des italienischen Traditionsherstellers, Nachfolger der ruhmreichen GS und Topseller bei den großen Scootern in Deutschland. Kein Wunder, wahre Roller heißen nun mal Lambretta oder Vespa. Die erste Marke ist eher in Vergessenheit geraten und die zweite immer noch erfolgreich. Ob die Produkte mit der traditionellen Optik dem heutigen Technik-Standard genügen, zeigt der Praxistest.

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Die Vespa 300 GTS Super ist nicht irgendein Roller.

Klein und wendig war gestern, heute zählen auch noch Durchzug und Komfort. Da hat die Vespa von Piaggio bei den Traditionalisten die Nase zumindest vorn. Bei der Mutter aller Roller sucht man abgehackte Kanten, scharfe Linien und New-Edge-Disco-Design vergebens. Schon seit 1948 bauen die Italiener die kleinen Zweiräder mit dem praktischen Beinschild und den weiblichen Rundungen. Klein, flott, sparsam und günstig war die Vespa damals, damit möglichst viele Menschen schnell mobil wurden. Das gilt bis heute. In den ersten sieben Monaten des Jahres fanden schon 1.541 GTS 300 Super einen Käufer. Damit steht diese Vespa an der Spitze der neuzugelassenen Kraftroller in Deutschland.

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Die GTS ist der Dynamiker unter den Vespa-Rollern.

Von einem reinen Gebrauchsgegenstand hat sich das Zweirad aber heutzutage weit entfernt. Wer die große Vespa mit der schmalen Taille sein Eigen nennen will, muss dem Händler seines Vertrauens mindestens 5.100 Euro überweisen – viel Geld für einen 300er Roller.

Dafür lädt die bequeme, gestufte Sitzbank ab den ersten Metern zwei Personen zur flotten Fahrt ein, ganz gleich ob es über enge Landstraßen in der Toskana oder über breite Bundesstraßen im Ruhrgebiet geht – die GS, und mit ihr der Fahrer, fühlt sich bei Wind und Wetter wohl.

Autobahngeeignet und nicht ganz günstig

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Die Instrumente sind klar ablesbar.

Die 300er reißt an der Ampel an wie ein kleines Kind am Stracciatella-Becher der Eltern: Die Fliehkraftkupplung sticht kurz oberhalb der Leerlaufdrehzahl zu und schiebt das Zweirad zügig nach vorne. Achtet man nicht auf das Kombiinstrument mit dem klar ablesbaren Tacho, sind auch innerhalb einer Ortschaft schnell 80 km/h erreicht. Die Bedienung des Gashebels will deshalb gelernt sein, nervöse Hände riskieren ansonsten den Führerschein, nicht nur wegen des einfachen, aber verbotenen Durchschlängelns zwischen den Autos. Außerhalb der Stadt staunen Autofahrer, wie flott die schmale und von weitem schmächtig wirkende GTS meist ist.

Autobahnetappen sind ebenfalls kein Problem: Mit rund 120 km/h im Solobetrieb ist man kein Verkehrshindernis, die Pendeleien im Fahrwerk bleiben auch bei Längsrillen im beherrschbaren Rahmen und die Beine sind bei starken Verwirbelung gut geschützt. Wer aber täglich mit hohem Tempo unterwegs ist, sollte eine hohe Spoilerscheibe optionale ordern – andernfalls drückt der Wind gewaltig auf die Brust.

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Die Scheibenbremse benötigt eine kräftige Hand.

Außerdem kräht der Vierventilmotor mit Flüssigkeitskühlung, elektronischer Benzineinspritzung und seinen 15,8 kW/22 PS nach mehr Futter – 4,6 Liter im Mix sind dann keine Seltenheit. Bei einem Tankvolumen von 9,5 Litern wird der Aktionsradius dann klein. Nerviger ist allerdings das Befüllen des Tanks: Wer einfach die Pistole in den Stutzen schiebt und den Sprit schnell einlaufen lassen will, kann mit einem kleinen Kraftstoffbad im großen Staufach unter der Sitzbank rechnen – das kostbare Super läuft nämlich schnell in diese Wanne ein.

Wendig und beherrscht

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Vorsicht beim Tanken: Der Sprit läuft schnell über und dann ins Staufach.

Alte Vespa-Bändiger werden vielleicht noch das umständliche Drehen der linken Hand beim Schalten und die Fuß-Hinterradbremse vermissen. Aber nach einigen Kurven und einiger Wedelei ist auch das schnell vergessen. Erstaunlich aber, wie flink der Roller um die Ecke zirkelt. Das gut austarierte Fahrwerk mit den 12-Zoll großen Rädern lässt sich so schnell nicht aus der Ruhe bringen und überzeugt durch leichtes Handling – bei einem Leergewicht von rund 160 Kilogramm keine Selbstverständlichkeit.

Durch die beiden Bremsscheiben mit einem Durchmesser von 22 Zentimeter vorn und 20 Zentimeter hinten wird auch eine längere Talabfahrt nicht zur schweißtreibenden Angelegenheit. Allerdings verlangen die Stopper kräftige und gut durchblutete Hände mit einer feinen Sensorik, denn ein ABS ist nicht zu haben. Aber Spitzenmodellen benötigen auch von Zeit zu Zeit einen Spitzenfahrer – ganz wie bei der ruhmreichen GS.

Quelle: n-tv.de, sp-x

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