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100.000 km mit dem Audi A 4 Wider den Trend

Die Zuverlässigkeit moderner Autos ist ein brisantes Thema. Mechanisch sind die Konstruktionen der vergangenen 10 Jahre durchaus ausgereift und zuverlässig. Von gelegentlichen Ausreißern abgesehen, sind einfache mechanische Defekte heutzutage eher selten, und wenn, dann sind häufig Wartungsmängel die Ursache. Ganz anders sieht es bei Fehlern in Elektrik und Elektronik aus. Mehr als die Hälfte aller Ausfälle geht heutzutage auf das Konto von „Elektrowürmern“ aller Art (siehe gesonderten Artikel in der Rubrik „Automobiles“).

Um so gespannter war die Redaktion von n-tv Motor auf die Erfahrungen mit einem Audi A 4 2.5 TDI quattro, der im Februar 2002 seinen Dienst antrat. Immerhin handelt es sich hier um ein Mittelklasse-Fahrzeug im Premium-Segment, das mit elektronischen Helfern aller Art vollgestopft war: Angefangen über elektrische Fensterheber und Sitzverstellung, über einen modernen elektronisch geregelten Dieselmotor bis hin zu den Fahrdynamik-Systemen ABS und ESP. Da kommen schon einige hundert Meter Elektroleitungen mit latent störanfälligen Kontakten und Schnittstellen zusammen.

100 000 km in möglichst kurzer Zeit lautete das Ziel. Tatsächlich schaffte der Audi die Distanz in nur anderthalb Jahren, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass er sich besonders als Langstrecken-Fahrzeug großer Beliebtheit erfreute. Wer immer eine weite Tour vorhatte, griff mit Vorliebe zum Audi. Das hat mehrere Gründe. Zuallererst ist es der prachtvolle Motor, der das Fahren mit dem A 4 so angenehm macht. 180 PS aus 2,5 Litern Hubraum verteilt auf sechs Zylinder lassen niemals das Gefühl von Leistungsmangel aufkommen. Im Grunde erledigt das Auto ab Tempo 60 alles im 6.Gang des leicht schaltbaren Getriebes. Kraftvoller Antritt ab ca. 1.500 U/Min. sind das Kennzeichen des TDI. Darunter gähnt zwar ein klassisches Turboloch, doch der dann folgende Auftritt lässt das verschmerzen. Einziger Wermutstropfen: Die Gänge eins und zwei sind so kurz übersetzt, dass man beim Anfahren mit dem Hochschalten kaum nachkommt. Der Durchschnittsverbrauch lag über 100.000 km bei 8,4 l Diesel. Nicht gerade Weltklasse, aber angesichts der gebotenen Fahrleistungen (Spitzengeschwindigkeit: 230 km/h) völlig in Ordnung.

Schließlich müssen beim Quattro permanent vier statt zwei Räder angetrieben werden, was natürlich Leistung und Kraftstoff kostet. Andererseits gab es im Winter mehr als einmal Situationen, bei denen man den Allradantrieb nicht missen mochte. Ausgerüstet mit guten Winterreifen (die besten Eigenschaften zeigte bei uns der Vredestein Snowtrac) war der Audi auch bei extremen Straßenverhältnissen kaum zu stoppen. Auch wenn die anderen schon rechts und links in den Gräben lagen, der Audi kam - bei umsichtiger Fahrweise - immer durch.

Motor und Antriebsstrang zeigten nach 100.000 km keinerlei Verschleißerscheinungen. Ein Leistungsverlust war nicht zu spüren, lediglich der Turbo pfiff am Schluss einen Hauch fröhlicher als zu Beginn durch sein Rohr. Öl musste über die gesamte Distanz niemals nachgefüllt werden. Und auch die Wellen des Getriebes und des Antriebs liefen rund und geräuscharm wie am ersten Tag. Federn und Dämpfer sind ebenso noch im Sollbereich wie Lenkung und Radaufhängung. Auch die abschließende Untersuchung durch DEKRA-Sachverständige brachte keine versteckten Mängel zu Tage.

Gleiches gilt auch für die Karosserie. Kein Knistern und kein Knacken stören das Bild. Von äußerlichen Verschleißspuren abgesehen, die von der ruppigen Behandlung im Alltag zeugen, präsentiert sie sich fast wie am ersten Tag. Alle Türen schließen passgenau, keine lockeren Klappen oder Hauben, keine losen Zierleisten. Innen dasselbe Bild. Die hervorragenden Sitze sind straff wie eh und je, auch hier kein Klappern und keine Funktionsmängel. Kurzum: Solide wie eine Burg auch noch nach 100.000 km.

In der Spalte „Kritik“ finden sich nur wenige Punkte im Fahrtenbuch, die der Erwähnung bedürfen: Erstens verbrauchte das Auto für unseren Geschmack etwas zu viele Glühlampen

(2 x Abblendlicht, 1 x Standlicht, 4 x Rücklicht), was vor allem deshalb unangenehm ist, weil ein Wechsel wegen der komplizierten Konstruktion in Eigenarbeit nicht möglich ist. Zweitens ist die Leistung der Werkstätten extrem unterschiedlich. So war nach einer Unfallreparatur die Hinterachse derartig verstellt, dass die (neuen) Reifen nach rund 4000 km einseitig bis auf die Karkasse abgefahren waren. Und drittens ist das Auto bei Geschwindigkeiten ab 180 km/h etwas zu laut.

Insgesamt aber beendet der A 4 die 100.000 km mit einer strahlenden Bilanz. Kein Liegenbleiben, kein mechanischer oder elektronischer Defekt und – wenn man von den Fünf-Minuten-Stopps zum Lampenwechsel absieht – mit lediglich zwei Werkstattaufenthalten zu Inspektionen. Die extrem langen Wartungsintervalle drücken zusammen mit dem günstigen Verbrauch die Betriebskosten. Und Dank Quattro hält sich auch der Reifenverschleiß in Grenzen (ein Satz Winterreifen, zwei Satz Sommerreifen. Restprofil: 5 mm).

Fazit: Der gefahrene A 4 2.5 TDI quattro zeigt, dass auch moderne Autos mit jeder Menge Elektronik an Bord zuverlässig ihren Dienst verrichten können. Überzeugend sind beim Audi vor allem die hohe Solidität der Karosserie, die Unverwüstlichkeit des Antriebs und die insgesamt günstigen Betriebskosten.

Von Christof Johann

Das im Artikel genannte Auto wird in der Sendung n-tv Motor vorgestellt.

n-tv Motor sehen Sie dienstags um 23.30 Uhr, mittwochs um 14.30 Uhr sowie sonntags um 4.15 Uhr und 8.35 Uhr.

Quelle: ntv.de

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