Praxistest

Das Imperium schlägt zurück 224 Diesel-PS in der C-Klasse

Mit neuem V6-Diesel will Mercedes die alte Rangordnung wieder herstellen. Die kräftigen Dreiliter-Selbstzünder, mit denen Audi und BMW auf Kundenfang gehen, konnten Mercedes nicht ruhen lassen: Anstelle des bisherigen Reihen-Fünfzylinders kommt ab März in der C-Klasse ein V6-Motor auf den Markt, der es in sich hat.

Eng geht es zu unter der Haube des neuen Mercedes 320 CDI. "Wir haben den Motor praktisch mit dem Schuhlöffel hinein gehoben", flachst Marc Boderke, Produktmanager der C-Klasse. Das massige Aggregat ist dank der V-fömigen Anordnung der Zylinder kürzer als der bisherige Reihen-Fünfzylinder des C270. Dieser Motor wird abgelöst von dem Selbstzünder, mit dem Mercedes wieder die Drehmoment-Führerschaft unter den deutschen Herstellern für sich reklamiert. 224 PS und bis zu 510 Newtonmetern (und zwar ab 1800 Umdrehungen) lauten die Eckdaten. Der gleich große Audi V-6 leistet zwar ebenfalls 224 PS, entwickelt aber "nur" 450 Nm, während BMW mit 218 PS und 500 Nm daherkommt. Volkstümlicher ausgedrückt: Der neue Mercedes-Diesel hat einen gewaltigen Bums, sogar mehr als die meisten V8-Benziner oder Sportwagen aufzubieten haben.

Wäre das ESP noch nicht erfunden, so müsste das schleunigst nachgeholt werden. Bei den ersten Testkilometern auf nieselfeuchter Fahrbahn musste die Schleuderbremse schon bei sanften Beschleunigungsmanövern aus der Kurve die Hinterachse wieder in Spur bringen. Der elektronische Eingriff kann früher oder später erfolgen, je nach vom Fahrer gewählten Sport- oder Normalmodus. Kunden, die den 320 CDI in der Einstiegsversion ordern, sind der schier unbändigen Durchzugkraft nicht ganz so ausgeliefert. Nur in Verbindung mit der (samtweich schaltenden und deshalb exzellenten) 7-stufigen Automatik ist das bärige Drehmoment in Gänze abrufbar. Wer die 2190 Euro für die so genannte 7G-tronic sparen und lieber von Hand durch sechs Gänge schalten will, darf sich mit 415 Newtonmetern begnügen, die dann aber bereits knapp über Leerlaufdrehzahl zur Verfügung stehen.

Kein Wunder also, wenn im Falle des 320 CDI die Automatikvariante dem Handschalter beim Spurt von 0 auf 100 km/h mehr als eine Sekunde abnimmt. (6,9 zu 8,1 Sek.). Während der neue Diesel in Bezug auf Leistung und Durchzugskraft gewiss Maßstäbe setzt, erwies sich das Leerlaufgeräusch für die Insassen als nicht ganz so dezent wie erwartet. Diesbezüglich darf man auf den Vergleich mit der E-Klasse gespannt sein, wo die neue Selbstzünder-Generation demnächst ebenfalls angeboten wird.

Was das größere Schwestermodell dagegen schon hat, ist der 3,5-Liter-V6-Benziner, der seine 272 PS nun ebenfalls in der C-Klasse entfalten darf. Der V6-Benziner kostet 39.498 Euro, wogegen der Diesel mit 38.338 Euro günstiger zu erstehen ist. Während der Testfahrten auf kurvigen Bergstrecken konsumierte der Benziner im Schnitt 10,8 Liter Super, während der Diesel sich mit 8,6 Litern begnügte. Beides lag etwa einen Liter über den jeweiligen Werksangaben. Was den Schadstoff-Ausstoß angeht, sind beide Motoren natürlich auf der Höhe der Zeit. Sie erfüllen Euro 4, der Diesel sogar ohne Partikelfilter, den deutsche Kunden jedoch ab Werk mitgeliefert bekommen.

Trotz dieser Dreingabe ist es natürlich kein Problem, den individuellen Preis für seine C-Klasse in die Höhe zu treiben. Für etwas mehr als 1.800 Euro ist ab März ein Sondermodell "Sport Edition" zu haben, das außer Radio und Bi-Xenon-Licht auch 17- Zoll- Alufelgen und eine AMG-Optik inklusive Dreispeichen-Lenkrad beinhaltet. Für diese Variante ist ein Mehrpreis von rund 1.700 Euro zu entrichten.

Von Axel F. Busse

Quelle: n-tv.de