Praxistest

Fahrt im MX-5 Roadster Coupé Abkehr von der Handarbeit

von Axel F. Busse

Wer nicht so genau hinschaut, könnte meinen, da versucht jemand, auf einem fahrenden Zug aufzuspringen: Klappbare feste Dächer aus Stahl oder Verbundwerkstoffen, zwei- oder dreiteilig, sind Trend und fast jeder Autohersteller, der auf sich hält, hat heute so ein Fahrzeug im Programm. Und jetzt kommt auch noch Mazda?

Ganz so ist es nicht, denn die japanische Marke hat ihrem "Roadster Coupé" genannten Erzeugnis zwei Eigenschaften mitgegeben, die andere nicht haben: Das Verdeck öffnet und schließt schneller als die meisten Cabrio-Stoffverdecke und es kostet in geöffnetem Zustand keinen Gepäckraum.

Das wäre ja wohl auch noch schöner gewesen, denn der Mazda MX-5 ist mit 150 Litern Ladevolumen gewiss kein Lademeister. Von diesem Wert etwas abzuknapsen, wäre sicher das Ende der Wochenend-Tauglichkeit des kleinen Open-Air-Flitzers gewesen. Dank einer pfiffigen Konstruktion verstaut die Mechanik die Dachteile hinter den Sitzen und sie hindern so auch nicht am Zugriff auf die im Kofferraum verstauten Gegenstände.

Vier kleine Elektromotoren sorgen für einen großen Sprung in Sachen Cabrio-Komfort. Bekanntlich wird das Stoffdach des MX-5 mittels ehrlicher Handarbeit bewegt, was zwar bei geübten Fahrern nur sechs Sekunden dauert, dafür aber auch eine gewisse körperliche Beweglichkeit der Insassen erfordert. Nur zwölf Sekunden nimmt der Vorgang beim Roadster-Coupé in Anspruch, was verglichen mit anderen Klappdach-Coupés ein höllisches Tempo ist. Um das manuelle Moment nicht gänzlich überholt erscheinen zu lassen, setzten die Konstrukteure noch einen griffigen Verriegelungshaken in die Mitte zwischen die Sonnenblenden.

Obwohl eine ganze Menge Bewegungstechnik hinter den Sitzen unterzubringen war, unterscheidet sich das Roadster Coupé äußerlich nur minimal von "normalen" MX-5. Zwischen Kofferraumklappe und Rückfenster steigt die Blechhaut um wenige Zentimeter an, was die Linienführung des Fahrzeugs aber nicht nachhaltig verändert. Auch in dieser Disziplin unterscheidet sich der Mazda von anderen Klappdach-Zweisitzern, deren Rucksack-Heck das ästhetische Empfinden des Betrachters manchmal auf eine harte Probe stellt.

Gegenüber der Stoffdach-Variante ist das Roadster Coupé mit zusätzlichen 37 Kilo Gewicht unterwegs. Der Zweiliter-Motor wird damit spielend fertig, denn die 160 PS haben noch immer nur rund 1200 Kilo zu bewegen. Der 1,8 Liter-Motor (125 PS) will auf alle Fälle hochtourig gefahren werden, soll der Spaß nicht zu kurz kommen. Handlich, griffig, spontan am Gas, direkt einlenkend und stabil auch in engsten Kehren - daran hat das neue Dach des ist der MX-5 nichts geändert. Zwar würde sich der erfahrene Pilot ein nicht ganz so frühes Eingreifen des Stabilitätsprogramms wünschen, aber wer die gute alte Heckschleuder wieder beleben will, braucht die elektronische Assistenz ja nur abzuschalten.

Bis auf die beiden Tasten für die Dachbewegung ist auch der Innenraum unverändert geblieben. Das kompakte Sitzgefühl würden Böswillige wohl aus Enge beschreiben, aber es gehört nur mal zu dem handlichen Zweisitzer, dessen Gesamtlänge unter vier Metern liegt. Mit fünf oder auf Wunsch sechs Gängen ausgestattet, vermitteln kurze Getriebewege eine sportlich-dynamische Handhabung. Der Verbrauch soll sich laut Hersteller auf 8,2 Liter (160-PS-Motor) beschränken lassen, was aber unweigerlich dazu führt, dass auch der Fahrspaß beschränkt bleibt.

Die ersten Kunden sollen noch im Dezember ein Roadster Coupé ihr Eigen nennen und sich über den bisher gültigen Mehrwertsteuersatz freuen dürfen. Wer nach dem Jahreswechsel ordert, wird mit den als Einstiegspreis genannten 25.500 Euro nicht mehr auskommen.

Vielleicht lassen sich Spätentschlossene ja von der Tatsache trösten, dass das elektrische Dach gegenüber dem jetzt schon verfügbaren Nachrüst-Hardtop ein echtes Schnäppchen ist. 2000 Euro zusätzliche Kosten muss einplanen, wer seinen Stoffdach X-5 auf diese Weise winterfest machen will. Mazda hingegen rechnet vor, dass in vergleichbarer Ausstattung das Roadster Coupé nur 1700 Euro mehr als der Stoffdach-MX-5 kostet.



Quelle: n-tv.de