Praxistest

Vergleich Audi A3 gegen Opel Astra

Potent motorisierte Kompakte haben einen speziellen Charme. Vielseitig, unauffällig und – falls nötig – ziemlich flink begeisterte schon der Ur-GTI aus Wolfsburg seine Fahrer. Heute hat das Prinzip „GTI“ viele Gesichter. Eines davon ist gekennzeichnet von vier Ringen, ein anderes von einem kreisförmig eingefassten Blitz. Audi und Opel bieten handliche Fünftürer an, beide zwei Liter Hubraum, beide 200 Turbo-PS und doch sehr unterschiedlich vom Charakter. Hier der Vergleich:

Audi A 3 Sportback 2.0 TFSI quattro gegen Opel Astra Turbo

Design und Auftritt:
Die erfrischende Optik des neuen Astra ist bestimmt von der v-förmig zugeschnittenen Frontpartie. Sie sorgt für ein dynamische Erscheinung. Zwei Seitenscheiben und eine trapezförmige C-Säule erinnern an das Modell Signum aus dem gleichen Stall. Da die Leuchteneinheit am Heck nicht geteilt werden sollte, ist die Ladeöffnung im unteren Bereich erheblich schmaler als auf Scheibenhöhe.

Was kraftvolle Ausstrahlung angeht, übertrifft der Audi noch den Opel. Das liegt zum einen an dem tief herunter gezogenen Single-Frame-Grill, der die Frontpartie bullig macht, zum anderen an der noch steiler ansteigenden Fensterlinie an den Seiten. Der Audi lässt durch das dritte Seitenfenster, das dem Opel fehlt, eine Verwandtschaft zum Kombi erkennen. Das Heck des Opel nimmt die optischen Akzente der Frontpartie wieder auf, während der Audi von hinten langweilig wirkt.

Antrieb und Fahrspaß
Dass reine PS-Werte nur wenig über das tatsächliche Aktionspotential eines Autos verraten, ist an diesen beiden GTI-Enkeln gut zu erkennen. Motoren mit Turbo-Aufladung und direkter Gemischeinspritzung haben Audi nicht nur vier Siege in Le Mans, sondern den Alttagsautos auch einen Agilitäsvorsprung verschafft, der unübersehbar ist. Der A 3 reagiert spontan auf Gas, das Sechsgang-Getriebe hat kurze Wege und ist knackig zu schalten. Im Sprint nimmt der Audi dem um 200 Kilo leichteren Opel eine gute Sekunde ab, was nicht nur mit dem Traktionsvorteil des Allradantriebs zu erklären ist.

Der FSI-Motor entwickelt zwar nur geringfügig mehr Drehmoment als der herkömmliche Turbo des Opel, jedoch erreicht er es schon bei 1800 U/min und auch die maximale Leistung wird mit geringerer Drehzahl realisiert. Beides zusammen sorgt für ein Plus an Fahrspaß und Kurvendynamik. Der Punktsieg geht also an den Audi. Weniger spürbar als erwartet sind die Vorteile des Allradantriebs für das Handling. Opel hat mit dem aktiven Fahrwerk, das über eine zusätzliche, schaltbare Sportabstimmung und elektronische Dämpferregelung verfügt, einen großen Schritt nach vorn getan. Das Schalten durch die Kulisse des ebenfalls sechsgängigen Opel-Getriebes fühlt sich etwas stumpfer an als die Gangwechsel im Audi.

Komfort und Sicherheit:
An der Sicherheitsausstattung beider Fahrzeuge gibt es nichts auszusetzen. Airbags, ESP und ABS sind ohne Zusatzkosten an Bord. Das Cockpit des Audi erscheint eine Idee pfiffiger gestaltet, mutet solide und werthaltig an, während es bei Opel eher uniform und sachlich zugeht. Was wie gebürstete Aluverkleidung wirken möchte, ist eben doch nur Kunststoff-Oberfläche.

Dass der Opel dennoch gegenüber seinem Wettbewerber enorm an Boden gut machen kann, liegt an der geradezu üppigen Ausstattung, die Opel ohne Aufpreis mitliefert. Weder auf mitlenkendes Xenonlicht oder auf die Klimaanlage, noch auf Isofix-Befestigungen oder Tempomat braucht der Opelfahrer zu verzichten. Die Lichtausbeute der Opel-Scheinwerfer ist sensationell, was einen klaren Zugewinn an Sicherheit bei Nachtfahrten bedeutet. Darüber hinaus bietet der Astra bei maximaler Ausnutzung des Gepäckraumes rund 300 Liter mehr Volumen für das Transportgut, das entspricht etwa drei großen Schalenkoffern. Dass dieser Unterschied nicht nur an dem Platz liegen kann, den der A3 für den Antriebsstrang zum Heck braucht, zeigt die Tatsache, dass der Unterschied bei aufrechter Rückbank nur 80 Liter beträgt.

Wer ein Auto mit 200 PS ordert, wird nicht von ihm erwarten, dass es ein Spritsparmobil ist. Die Verbrauchswerte des Tests lagen geringfügig über den Werksangaben, gehen angesichts des Leistungspotentials beider Fahrzeuge aber durchaus in Ordnung.

Preis und Leistung:
Ab Werk erhält der Kunde in beiden Fällen 17-Zoll-Alu-Räder im 5-Spreichen-Design mit Reifen der Dimension 225/45. Damit sind die Gemeinsamkeiten erschöpft. Dass Audi den Kunden einen technischen Mehraufwand für quattro-Antrieb in Rechnung stellt, mag prinzipiell noch angehen, aber müssen es gleich 5500 Euro im Vergleich zum Astra sein? Sicher nicht, denn als Fronttriebler kostet der Audi auch schon 29 000 Euro. Das ist happig.

Der Astra-Käufer erhält demgegenüber für seine 23505 Euro eine umfangreiche Ausstattung, muss weder auf eine Scheinwerfer-Reinigungsanlage, noch auf Regen- und Lichtsensor verzichten. Deutlich mehr Auto fürs Geld also, was den Verzicht auf die eine Sekunde Sprintvermögen oder das andere Quentchen Fahrdynamik durchaus verschmerzen lässt.

Von Axel F. Busse

Quelle: ntv.de

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