Praxistest

Schick, schnell, offen & teuer Audi S4 und BMW M3 Cabrio

Sie haben zusammen 687 PS, acht Sitze und zwei Stoffmützen: Die Cabrios Audi S4 und BMW M 3 stellen leistungsmäßig das obere Ende deutscher Freiluft-Fahrzeuge dar. Nur wenige haben mehr. Komfortabel, schnell und teuer sind beide - welches ist das Bessere?

Design und Funktionalität
Obwohl in den Außenmaßen nur ein geringer Unterschied besteht, wirkt der Audi durch seine abgerundete Formgebung deutlich kompakter. Bis auf das dezente S4-Zeichen an Front und Heck deutet kaum etwas auf die gewaltige Leistung hin, die unter der Motorhaube schlummert. Der BMW dagegen sieht dank der kantigen, tief heruntergezogenen Frontschürze und der fast 20 mm breiteren Spur am Heck schon im Stand gemein schnell aus. Das Lüftungsgitter am Vorderkotflügel unterscheidet ihn vom "gewöhnlichen" 3er BMW. Zwei Auspuff-Endrohre beim Audi pflegen Understatement, während derer vier dem BMW eine potentere Heckansicht verleihen.

Der Verzicht auf eine B-Säule macht die Silhouette beider Cabrios dynamischer, bedingt aber auch ein altes Leiden rahmenloser Fensterkonstruktion: Bei holpriger Fahrbahn muss man mit gewissem Klappern rechnen, egal ob die Scheiben hochgefahren oder versenkt sind. Beide Fahrzeuge verfügen über einen zentralen Schalter, der alle vier Scheiben gleichzeitig verschwinden lässt. Der Kofferraum ist bei beiden Autos für Reisespaß am langen Wochenende ausreichend, während der Audi in geschlossenem Zustand mehr Platz bietet, kann der BMW offen gestanden noch ein kleines Köfferchen mehr aufnehmen.

Antrieb und Fahrspaß
Kraft im Überfluss bieten beide Cabrios, der BMW wartet mit der kernigeren Sound-Kulisse auf. Das überrascht, ist doch der V8-Motor des Audi geradezu prädestiniert für sattes Grollen, dass nur gelegentlich zwischen 2.000 und 3.000 Touren aufblitzt. Das um fast 50 Newtonmeter höhere Drehmoment, versöhnt jedoch schnell wieder, vermittelt der Druck im Kreuz der Insassen doch das sichere Gefühl, über fast unerschöpfliche Kraftreserven zu verfügen.

Obwohl mit zwei Zylindern weniger gesegnet, haben die Soundingenieure beim BMW ganze Arbeit geleistet. Kurze Gasstöße quittiert die hochdrehende Maschine mit aggressivem Fauchen, das später von einem metallischen Knattern im Schalldämpfer untermalt wird. Es ist das eindrucksvolle Klangbild eines wieder mal zum "Engine of the Year" gewählten Aggregats.

Serienmäßig werden beide Autos mit einem manuellen 6-Gang-Getrieb ausgeliefert. Während Audi als Alternative eine Tiptronic anbietet, kann der BMW-Fahrer für 3.200 Euro Aufpreis das sequentielle Sportgetriebe ordern. Hat man sich erst einmal mit den verschiedenen Programmen vertraut gemacht, sich auf die Schaltmodi eingestellt und beherztes Gasgeben auch während der Gangwechsel gelernt, erlaubt diese Kraftübertragung einen enormen Gewinn an Fahrspaß. Es lässt sich aber auch ohne Betätigen der Lenkradpaddel wie ein ganz normales Automatikgetriebe fahren.

Der Heckantrieb des BMW lässt heftige Fahrmanöver etwas bissiger erscheinen, während der Audi dank des Allradantriebs absolut neutral und souverän auch hastige Kehren meistert. Bei aller Direktheit ist seine Servolenkung bequem und entspannt zu handhaben, das gegenüber dem BMW höhere Gewicht macht sich im Handling nicht bemerkbar. Der Bayer verlangt seinem Fahrer mehr Aktivität ab. Er fordert kräftiges Zupacken am wulstigen Volant und unterstreicht so seinen sportlichen Anspruch. Das Vier-Ringe Fahrwerk ist deutlich mehr auf Komfort ausgelegt, was eher zu sanftem Cruisen als zum Ausreizen des Leistungspotenzials einlädt. Der BMW bringt von Hause aus eine athletische Härte mit, die zwar sportlicher Fahrweise, aber auf unebenem Belag nicht immer der Bequemlichkeit zuträglich ist.

Komfort und Sicherheit
Obwohl auf vier Insassen ausgelegt, fährt man beide Cabrios besser zu zweit. Erstens, weil es für die hinteren Passagiere doch etwas zugig werden dürfte, zweitens, weil bei beiden Autos bei komplett zurück gefahrenen Vordersitzen zwischen Lehne und Rückbank-Polster kaum 70 Millimeter Platz bleiben. Wer unbedingt nach hinten krabbeln will, dem erleichtert der BMW dies durch größere Türen sowie automatisches Einfahren der Kopfstütze und Vorziehen des Frontsitzes. Während Audi eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik bietet, herrscht im BMW Einheits-Temperatur. Beide Hersteller haben sich auf ein Dreispeichen-Lenkrad festgelegt, um sportliche Atmosphäre im Cockpit zu schaffen.

Beim Audi erfordert die weit hinten angebrachte Gurtführung weites Umgreifen zum Anlegen, beim BMW ist die Umlenkhalterung an der Kopfstütze und somit leichter zu fassen. Unpraktisch am BMW ist der CD-Wechser im Laderaum, bei Audi ist der Player im Handschuhfach platziert. Mutmaßlich wird der Münchner Freiluft-Sportler bei der Damenwelt besser ankommen, denn die tiefere Sitzposition und das wirkungsvollere Windschott schonen die Frisur. Annehmlichkeiten wie Sitzheizung und Bordcomputer, Zentralverriegelung mit Diebstahlsicherung gibt es ab Werk. Für Xenonlicht muss der BMW-Kunde 790 Euro extra löhnen. Erwartungsgemäß ist alles an Bord, was das Autofahren sicher macht. Dazu gehören außer ABS, ESP sowie Kopf- und Seitenairbags auch die spezifischen Cabrio-Systeme, die im Falle eines Überschlags die hinteren Kopfstützen zu Überrollbügeln werden lassen.

Kosten und Nutzen
Viel Leistung kostet auch viel Geld: Wer bereit ist, mindestens 174 Euro pro PS auszugeben, dürfte bei diesen beiden Kontrahenten sicher sein persönliches Freiluft-Vergnügen finden. Der Audi kostet in der Basisversion mit Tiptronic 62.400 Euro und ist damit fast genauso teuer wie der BMW (62.700 Euro). Ingolstadt liefert zu diesem Preis aber Sportsitze mit Alcantara- und Lederbezug, Diebstahlwarnanlage mit Innenraumüberwachung sowie Xenonlicht gleich mit. Diese Extras und ein bisschen mehr Agilität müssen in München teuer bezahlt werden. Bei den Testwagenpreisen klaffte zwischen den Wettbewerbern eine Differenz von 8.753 Euro.

Dass der größervolumige V8 des Audi im Test mehr Sprit konsumierte, war zu erwarten. Knapp über 13 Liter Super je 100 Kilometer sind in dieser Leistungs- und Hubraumklasse aber nicht zu viel. Dem BMW genügten trotz ausgedehnter Vollgaspassagen im Test 11,5 Liter Super, was für effiziente Kraftstoffnutzung spricht.

Fazit
Diese zwei Hochleistungscabrios konkurrieren nur scheinbar miteinander. Unterschiedliche Charaktere machen sie für unterschiedliche Käuferschichten interessant. Der Audi ist das bessere Allroundauto. Genügsam und bequem in der Handhabung, bei Bedarf leistungswillig und über die meisten Ampel-Herausforderer erhaben, stillt er Bedürfnisse nach dem "Mehr-sein-als-scheinen". Der Kraftsportler aus München stellt größere Anforderungen an den Fahrer und wird vor allem jenen Freude machen, bei denen es trotz großer Ambitionen wieder einmal nicht zur DTM-Qualitfikation gereicht hat.

Axel F. Busse

Quelle: ntv.de

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