Praxistest

Trotz Dreizylinder BMW 218i - knackiger Familiensportler

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Optisch erfüllt der Van aus München auch als 218i alle Attribute eines BMW.

(Foto: Holger Preiss)

Ein Van passt nicht ins Portfolio von BMW? Schon gar nicht mit einem "lächerlichen" Dreizylinder? Vielleicht ja doch. Im Test schlug sich der Münchner mit dem kleinen Kraftpaket jedenfalls mehr als wacker. Wenn da nur nicht das Luftproblem gewesen wäre.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Aufschrei der BMW-Fans groß war, als die Bayern mit dem 2er Active Tourer ums Eck fuhren. Ein Van aus dem Hause der Fahrzeuge, die bis dato für kompromisslose Sportlichkeit standen und dann auch noch mit Frontantrieb. Das geht nicht, das ist Verrat an der Marke, an der Tradition. Aber ist es das wirklich? Mitnichten! Ja, man kann sich an der Form des Vans stoßen, man kann der dynamischen Marke jetzt eine Onkeligkeit unterstellen, aber zu behaupten, dass der 2er Activ Tourer nicht sportlich ist, wäre schlicht und ergreifend gelogen.

Dreizylinder kann auch Sport

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Klein und kompakt kommt der Dreizylinder im BMW 218i daher. Seine Potenz sieht man ihm nicht an.

(Foto: Holger Preiss)

Zum Praxistest tritt der Active Tourer sogar in seiner kleinsten Ausbaustufe an, als 218i. Unter seiner Haube arbeitet nämlich noch ein Tabu: BMW hat hier einen Dreizylinder verbaut. Seine Weltpremiere feierte das Triebwerk im augenblicklich sportlichsten Bayern, dem i8. Der Twin-Power-Turbo schöpft aus einem Hubraum von 1,5 Litern satte 136 PS, die in einem Drehzahlbereich von 4500 bis 6000 Umdrehungen anliegen. Auf dem Weg dorthin entwickelt der Motor einen wunderbar kernigen Sound und wuchtet am Ende 230 Newtonmeter auf die Vorderachse. Als BMW-Fahrer muss man sich an dieser Stelle tatsächlich etwas umstellen. Denn das Drehmoment würde den Active Tourer auch von hinten fantastisch anschieben. Auf die Vorderachse krachend, kommt es bei zu schwerem Gasfuß aber etwas ungestüm daher. Was dazu führt, dass der Fahrer sich vielleicht öfter als gewollt mit einem Kavalierstart von der Kreuzung verabschiedet.

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Der Scheibenwischer für die Heckscheibe ist unter dem Dachspoiler versteckt.

(Foto: Holger Preiss)

Über die mit Abstand knackigste Sechsgangschaltung, die zurzeit in einem Auto zu finden ist, und den Fahrmodischalter, der selbstredend auf Sport gestellt ist, lässt sich der 218i in 9,3 Sekunden an der Tempo 100 Marke vorbeischeuchen. Die Höchstgeschwindigkeit geben die Bayern mit 200 km/h an. Beim schnellen Ausritt wanderte die Tachonadel aber bis an die 210. Ob das der Wahrheit entspricht, sei dahingestellt, das Gefühl dabei war mehr als gut. Der Blick auf die Verbrauchsanzeige ließ bei 7,5 Litern auf 100 Kilometer keine Jubelstürme aufkommen, reizt die Augen aber auch nicht zu Tränen, denn BMW hat dem 2er alle Attribute der bekannten Sportlichkeit mitgegeben. Das Fahrwerk, im Falle des Testwagens mit einer dynamischen Dämpferkontrolle für 500 Euro aufgewertet, lässt keine Wünsche offen. Schnelle Kurvenfahrten werden ohne spürbare Seitenneigung absolviert, Kopfsteinpflaster für die Insassen unmerklich weggesteckt. Auch die variable Sportlenkung machte den schnellen Lauf ums Eck zur Spaßveranstaltung. Die Lenkung ist angenehm spitz und hat, dank der gut dosierten Rückstellkräfte genau das, was die Freude am Fahren ausmacht.

Der Pops muss an der Wange vorbei

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Die Sportsitze sind, hat man sich an den weit ausgestellten Seitenwangen vorbeigeschoben, ausgezeichnet.

(Foto: Holger Preiss)

Freude machen auch die belederten Sportsitze. Allerdings kommt die erst, wenn man sich hier eingefädelt hat. Die Seitenwangen der Rückenlehne sind nämlich so wuchtig ausgeformt, dass sie, selbst wenn der Sitz weit nach hinten geschoben ist, an der B-Säule vorbeiragen und das Einsteigen nicht gerade komfortabel machen. Der Pops muss immer über die Wange geschoben werden. Wer hier Nietenhosen trägt, läuft zudem Gefahr, das Leder zu zerkratzen. Sitzt man erstmal, ist alles bestens. Die Wangen können per Knopfdruck elektrisch an den Latissimus gepresst werden, so dass jede Wankbewegung des Piloten in der Kehre verhindert wird.

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Alles ist an seinem Platz und so, wie man es von einem BMW gewohnt ist.

(Foto: Holger Preiss)

Auch ansonsten ist der Arbeitsplatz des Fahrers so gestaltet, wie man es von einem BMW erwartet und kennt. Gut ablesbare analoge Rundinstrumente, Knöpfe und Schalter sind an ihrem gewohnten Platz, lediglich, dass hier mehr Ablageflächen geschaffen wurden, als man es beispielsweise aus einem 3er kennt. Witzig, und optisch gut gelöst ist die Platzierung des Fahrmodischalters. Er befindet sich in Form eines Bügels, der wie ein Kippschalter funktioniert, unter der Klimaautomatik und vor dem Ganghebel. So lässt er sich beim Schalten mit dem Zeigefinger bedienen. Kurze Wege zeichnen die Bedienung aller Elemente aus. Auch hier bleibt der 2er typisch BMW. Den einen oder anderen, der mit der Van-Idee in den Active Tourer steigt, könnte das stören, denn insgesamt setzen die Münchner am Fahrerplatz weniger auf Raum als vielmehr auf dieses Handschuhgefühl. Wer einsteigt, streift ihn sich über und muss dann sicher sein, dass er passt. Van ist eben nicht gleich Van.

Druck mit dem Reifendruck

Selbstredend gibt es im 2er auch die viel gerühmte Bedieneinheit über dem Mitteltunnel mit Druckdrehsteller. Dort und mit Blick auf das Display, das über der Mittelkonsole steht, lassen sich Radio, Multimedia, Telefon und das Navigationssystem, das im Fall des Testwagens 950 Euro extra kostete, steuern. Auch die Fahrzeugeinstellungen werden dort bedient, zum Beispiel auch die Zurücksetzung der Reifendruckkontrolle. Die kam während des Testlaufes nämlich mehrfach. Nach der Fahrt an die Luftdrucksäule war zwar lediglich eine Abweichung von 0,1 Bar am rechten Hinterrad festzustellen, aber lieber einmal zu früh gewarnt als gar nicht. Dass sich das Reset dann aber zur Odyssee entwickelt, war nicht abzusehen. Um es einzuleiten, muss der Wagen stehen. Damit es abgeschlossen wird, ist es notwendig, eine gewisse Strecke zu fahren. Im Fall des Testwagens musste dieser Prozess etwa zehn Mal wiederholt werden. Immer wieder poppte die Fehlermeldung auf und blockierte alle anderen Funktionen, weil der Rechenprozess nicht zu 100 Prozent abgeschlossen werden konnte. Letztlich beschlich einen das Gefühl, man würde hier Windows Vista am PC neu aufsetzen.

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Reichlich Platz gibt es in der zweiten Reihe des BMW 218i.

(Foto: Holger Preiss)

Nichts zu klagen gibt es für Reisende in der zweiten Reihe. Trotz der kompakten Abmessung von 4,34 Metern Länge und einer Höhe von lediglich 1,55 Metern finden selbst hochgewachsene Personen ausreichend Platz. Das ist zum einen dem Radstand von 2,67 Metern geschuldet, hat aber noch einen anderen Grund: BMW hat die Vordersitze so gestaltet, dass sich die Füße bequem darunter verstauen lassen, ohne anzuecken. Auch die Oberschenkelauflage und die Neigung der Rückenlehne laden im Fond zu Langstreckenfahrten ein. Dafür taugt auch das Gepäckabteil. Ordentliche 468 Liter verschwinden dort, wenn die zweite Reihe besetzt ist. Wird die Fläche plan gemacht, können 1510 Liter genutzt werden. Schade ist, dass die Entriegelung der Rückenlehne lediglich über Schlaufenzüge an den Seiten der Lehnen erfolgen kann. Wünschenswert wäre die Entriegelung vom Kofferraum oder wenigstens über einen Hebel am oberen Ende der Rückenlehne. Schön ist, dass BMW den doppelten Ladeboden im 2er so gestaltet hat, dass in der unteren Etage tatsächlich auch Gegenstände bis zu einer Höhe von etwa 20 Zentimetern verstaut werden können.

2er kostet keine Unsummen

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Bis zu 1510 Liter Stauraum offeriert der Active Tourer.

(Foto: Holger Preiss)

Was jetzt noch fehlt, ist die Frage nach dem Preis. Das hier getestete Einstiegsmodell mit Dreizylinder-Benziner, der 218i, kostet im Grundpreis 27.400 Euro. Dabei bleibt es natürlich nicht. Wer die hier getestete Sport-Line-Ausführung präferiert, muss bereits 2950 Euro zuzahlen. Für die wesentlich dynamischer wirkenden 17-Zoll-Räder werden weitere 1200 Euro fällig. Die Interieurleisten in Aluminiumoptik kosten 140 Euro und die Bespannung der Sitzflächen mit Nappa schlägt mit weiteren 1600 Euro zu Buche. Die Parkdistanz-Kontrolle vorn und hinten muss mit 350 Euro bezuschusst werden. In der Summe sind das 4680 Euro. Wer jetzt noch die Rückfahrkamera ordert, die Dynamische Dämpferkontrolle möchte und ein Navigationssystem, landet am Ende bei 34.920 Euro. Nur zum Vergleich: Ein etwa gleich ausgestatteter Golf Sportsvan mit 1,4 Liter TSI, 125 PS und manueller Sechsgangschaltung kostet 32.740 Euro. Das sind knapp 2000 Euro weniger. Dafür ist der Werterhalt des 2er Active Tourer nach Berechnungen der Experten von Bähr & Fess Forecasts einen Hauch besser als beim Golf. Nach vier Jahren hat der Bayer noch 55,5 Prozent seines Neuwertes, während der Restwert des Golf bei 54 Prozent liegt.

Fazit: Der BMW 2er Active Tourer ist momentan die sportlichste Art, einen Van zu fahren. Wer die Form verkraftet, wird einen echten Bayern fahren, der sich preislich durchaus in die Phalanx der Mitbewerber einreiht. Was besonders gefällt, sind der potente Dreizylinder, die knackige Schaltung und das insgesamt sportliche Auftreten, bei einer gehörigen Portion Platz in Fond und Kofferraum. Der Frontantrieb ist allemal zu verkraften und wer die Sportsitze wählt, muss sich eben etwas an seinen Arbeitsplatz schlängeln, wird aber spätestens dann entschädigt, wenn er das Lenkrad in den Händen hält.

DATENBLATTBMW 218i Active Tourer
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,34/ 1,80/ 1,55 m
Radstand2,67 m
Leergewicht (DIN)1320 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen468 / 1510 Liter
MotorDreizylinder mit 1500 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang Handschaltung
Leistung100 kW/136 PS
KraftstoffartBenzin
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
Tankvolumen51 Liter
max. Drehmoment230 Nm bei 4500 - 6500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h9,3 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)4,2 / 6,1 / 5,2 l
Testverbrauch7,5 l
EffizienzklasseB / EU6
Grundpreis27.400 Euro
Preis des Testwagens34.920,00 Euro

Quelle: ntv.de