Praxistest

Rapid Spaceback - Einfach, aber nicht billig Skoda definiert Golf neu

DSC_0572.JPG

Die flotte Farbe des Skoda Rapid Spaceback nennen die Tschechen "Sprint-Gelb".

(Foto: Holger Preiss)

Ob der Skoda Rapid Spaceback den Golf angreifen kann, darf bezweifelt werden. Dennoch wird der schlichte Tscheche seine Freunde finden. Denn obwohl nicht mit der modernsten Technik ausgestattet, entpuppt er sich im Praxistest als bunter Vogel.

IMG_0418.JPG

Das riesige Panoramadach mit in den Spoiler integrierter Antenne und extra großem Heckfenster gibt es für 990 Euro.

(Foto: Holger Preiss)

Der Golf ist das beliebteste Auto der Deutschen. Ach nee, da war ja was. Der ADAC hatte die Zahlen getürkt und somit den Preis "Gelber Engel" nach der feierlichen Vergabe an VW-Chef Winterkorn endgültig in die Tonne getreten. Volkswagen hatte sich dann auch von dem Preis distanziert und eine "lückenlose Aufklärung" des Skandals gefordert. Und die Mitglieder des Automobilclubs? Die hat das ganze Gedöns ja angeblich ohnehin noch nie interessiert.

Kanarienvogel im Test

Deshalb nehmen wir an dieser Stelle mal den Tschechen-Golf unter die Lupe und zwar – und das ist keine Hommage an den ADAC - in Kanarienvogelgelb. Skoda selbst nennt diese gerade für triste Wintertage die Seele belebende Farbe "Sprint-Gelb". Nun denken Sie vielleicht, die Rede ist hier vom Octavia, der schon ordentlich im Revier des, ja was nun?, also des meistverkauften Autos in Deutschland wildert. Nein, falsch! Skoda hat zwischen Fabia und Octavia den Rapid geschoben. Bereits vor einem Jahr startete der als Stufenhecklimousine und sollte den südosteuropäischen Markt beflügeln. Ob er das getan hat, kann an dieser Stelle nicht gesagt werden, aber auf hiesigen Straßen ist er eher selten zu sehen.

Doch was da noch in der Pipeline der Tschechen steckte, war der Skoda Rapid Spaceback. Ein Fünftürer, der mit voller Wucht in das Segment der Kompaktwagen einfährt und so zur preiswerten Alternative zum Golf werden könnte. Um den Spaceback also auch für Leute mit schmaler Brieftasche attraktiv zu machen, hat man in Mlada Boleslav aus weniger mehr gemacht. Die Grundlage für den Skoda liefert nämlich nicht der Modulare Querbaukasten (MQB), sondern die alte Plattform, die seinerzeit Golf und Polo nutzten. Und das ist gut, denn der Rapid ist mit 4,30 Metern 5 Zentimeter länger als der aktuelle Golf VII, genauso hoch, dafür aber 10 Zentimeter schmaler.

Viel Platz, aber kein Knie-Airbag

IMG_0503.JPG

Spann-Netze sorgen für Ordnung, die Wendematte für Sauberkeit.

In der Summe bedeutet das, dass Insassen auf der Rückbank deutlich mehr Platz haben als im Golf, dass der Kofferraum mit 415 Litern 35 Liter mehr fasst als der Wolfsburger und dass sich die fehlende Breite nicht mal im Ansatz bemerkbar macht, weil der Rapid auf jeglichen technischen Schnickschnack verzichtet. Das ist vor allem für die wichtig, die nach Omas Motto leben: Je mehr Technik in einem Auto ist, desto mehr kann auch kaputtgehen. Alle anderen, die sich an Features jeder Art ergötzen können, sollten Folgendes im Hinterkopf haben, wenn sie sich mit dem Rapid anfreunden wollen: Selbst in der höchsten Ausstattungsvariante Elegance fehlt den Fensterhebern die Automatikfunktion. Das heißt, nur solange der Finger am Knopf ist, bewegt sich die Scheibe. Die Klimaautomatik unterscheidet nicht zwischen rechts und links, die Handbremse will manuell bedient sein, genauso wie der zweigeteilte Himmel des riesigen Panoramadachs, das sich für faire 990 Euro im Ausstattungspaket Style verbirgt.

Und da wir gerade dabei sind, wollen wir laut darüber klagen, was es im Rapid Spaceback nicht für Geld und gute Worte gibt: Standheizung, Schiebedach und Lederpolster. Ebenso wenig zu haben sind Parksensoren vorne oder eine Rückfahrkamera. Auch auf Knie-Airbags, Seitenairbags hinten und eine Multikollisionsbremse muss der Rapid-Fahrer verzichten. Natürlich gibt es auch das aktuelle Navi aus dem Golf nicht. Das ist verständlich und ließe sich leicht verschmerzen, wenn man das schon seit Jahren bei Skoda als  "Amundsen" bekannte System wenigstens technisch überarbeitet hätte. Andererseits muss erwähnt werden, dass auch das in den 990 Euro des Style-Pakets enthalten ist. Und letztlich erfüllt es seine Funktion zuverlässig und gehört mit seinem 5 Zoll großen Touchscreen nicht zu den Kleinsten seiner Klasse. Auch LEDs finden sich nirgendwo.

Der Spaceback ist nicht primitiv

IMG_0448.JPG

Schlicht, zeitlos und irgendwie auch schön ist der Spaceback mit seinen klaren Linien.

Ist der Rapid Spaceback deshalb ein primitives Auto? Nein! Er ist vielleicht ein Buchhalter, ein Pfennigfuchser, ein Rappenspalter, Erbsenzähler oder ein Knorzer, aber primitiv ist er deshalb noch lange nicht. Der kompakte Tscheche macht durchaus eine gute Figur. Reiht er sich doch mit seiner klar gezeichneten Form ganz schnörkellos in die Linienführung des neuen Octavia ein, die hier noch durch das große Panoramadach aufgewertet werden kann, das sich scheinbar nahtlos in die Heckklappe hineinzieht. Natürlich muss man sich mit seiner sehr klaren und einfachen Struktur anfreunden, die nicht zuletzt von knochenharter Plastik im Innenraum gerahmt wird. Die fällt optisch im Übrigen kaum auf, wird dann aber augenfällig, wenn man mit den Knöcheln darauf klopft. Aber diese Einfachheit hat auch ihre Vorteile. Alles ist an seinem Platz, Fragen über die Belegung von Knöpfen kommt nicht auf und, man glaubt es kaum, hier bietet der Tscheche mehr als manch Kompakter, er hat in den Speichen des knuffigen Lederlenkrades eine Bedieneinheit. Andere Hersteller flanschen da eher einen zusätzlichen Hebel unter den Blinkgeber.

IMG_0497.JPG

Auch im Motorraum hat man auf aufwendige Verkleidungen und Dämmung verzichtet.

(Foto: Holger Preiss)

Auch über die Sitze kann in der Ausstattungslinie Elegance nicht gemeckert werden. Mit denen in die Rückenlehnen der Vordersitze fest integrierten Kopfstützen und den Seitenwangen bekommen die Polster einen Hauch von Recaro. Rennfeeling vermittelt der 1,2-Liter-Benziner mit 105 PS hingegen nicht. Er geht zwar beim Ampelstart flott zur Sache, lässt sich über die manuelle Sechsgangschaltung sauber nach oben treiben, vermittelt aber am Ende nicht das Gefühl einer Rennmaschine, sondern das eines zuverlässigen Begleiters. Das spiegelt sich auch im Verbrauch wider, der sich im Testzeitraum auf akzeptable 6,7 Liter beschränkte. Dieser Wert ist sicher auch dem Umstand geschuldet, dass der Spaceback frei von allem Tand ist und sich sein Gewicht lediglich auf 1170 Kilogramm beläuft. Außerdem wurde auf exzessive Schnellläufe verzichtet. Laut Datenblatt soll der Tscheche immerhin 193 km/h rennen.

Außerdem hat Skoda beim Fahrwerk Hand angelegt. Insgesamt gibt sich der Spaceback beim Abrollen und beim Sprung über Querfugen wesentlich ausgewogener als der lange Bruder. Premiere feiert die elektro-mechanische Servolenkung, die den Kanarienvogel im Test leichtfüßig um jede Kehre führt.

Auch Rapid bleibt einfach clever

IMG_0488.JPG

Fragen kommen hier nicht auf: Alles drin, alles dran.

(Foto: Holger Preiss)

Ansonsten ist der Spaceback dem Motto der Tschechen "Simply Clever" verpflichtet. Da gibt es den Eiskratzer in der Tankklappe, eine Wendematte für den Kofferraum, Netze und Haken zum Vertäuen des Gepäcks. Unter dem Fahrersitz sind in einem Fach die Warnwesten untergebracht und ein kleiner Mülleimer im Seitenfach verhindert, dass der ausgeknietschte Kaugummi aus dem Fenster fliegt.

Wirklich clever ist aber der Umstand, dass sich die Gepäckraumabdeckung beim Transport hoher Gegenstände vertikal hinter den Fondsitzen verstauen lässt. Dazu kommt ein ebenso simpler wie praktischer Handyhalter. Das alles befördert den Wagen nicht in die Oberklasse, macht seine Nutzung aber absolut praktisch und weckt einfach Sympathien für den Tschechen.

Was könnte jetzt aber rational veranlagte Menschen mit einem Hang zum Praktischen und zu klaren Linien beim Kauf eines Skoda Rapid Spaceback doch ins Grübeln bringen? Richtig: der Preis. Nein, verglichen mit einem Golf ist der Wagen preiswert. Wobei auch hier einschränkend angemerkt werden muss, dass die Zeiten, da Skoda die billige Alternative zu VW war, lange vorbei sind. Vergleicht man die Einstiegsmodelle beider Marken, dann sind es gerade noch 2500 Euro Unterschied. Für viele ein durchaus erkleckliches Sümmchen. Geht man aber bei Skoda selbst die Preislisten durch, dann ist man bass erstaunt: bis zum Octavia sind es gerade noch 1000 Euro.  Und der Sprung zwischen diesen beiden Modellen ist dann schon gewaltig.

Fazit: Die Idee von Skoda, auch im Segment der Kompakten präsent zu sein, ist löblich und durchaus gelungen. Wer seine mobilen Vorlieben in funktionaler Einfachheit sucht, der kann mit einem Rapid Spaceback nichts verkehrt machen. Wer für wenig mehr Geld deutlich mehr Luxus und moderne Technik sucht, der sollte seine Blicke im aufgefächerten Angebot der Tschechen schweifen lassen. Der Preis für den Testwagen belief sich immerhin auf 21.450 Euro.

DATENBLATTSkoda Rapid Spaceback 1,2 TSI Elegance
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,30 / 1,70 / 1,46m
Leergewicht (DIN)1170 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen514 / 1380 Liter
MotorReihen-Vierzylinder mit 1197 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Handschalter
Leistung77 kW/105 PS bei 5000 U/min
KraftstoffartBenzin
AntriebVorderradantrieb
Höchstgeschwindigkeit193 km/h
max. Drehmoment175 Nm 1550 - 4100 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h10,2 s
Normverbrauch (innerorts, außerorts, kombiniert)6,9 / 4,6 / 5,4 l
Testverbrauch6,7 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
125 g/km
EmissionsklasseEU5
Grundpreis20.090 Euro
Preis des Testwagens21.425 Euro

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema