Praxistest

Wunder gibt es immer wieder Toyota Corolla Verso

Von Axel F. Busse

"Raumwunder" werden sie gelegentlich von der Werbung tituliert: Ein Wunder auch, dass immer noch Raum zu sein scheint für neue Modelle im Segment der kompakten Vans. Toyota gesellt sich schon mit der zweiten Generation der maximal siebensitzigen Variante des Corolla dazu, seit Kurzem ist das Auto im Handel.

Als Angehöriger einer Erfolgsfamilie ist der Corolla Verso leicht zu erkennen. Trotz der ansehnlichen Höhe von mehr als 1,60 Metern wirkt er flach und gestreckt, bei weniger als 4,40 Metern Baulänge verfügt er über einen Radstand von 2,75 Metern. Das bieten nicht mal manche Reiselimousinen der oberen Mittelklasse. Die dritte Sitzreihe gibt es ab der Ausstattungslinie „Luna“ serienmäßig, in der zum Beispiel auch Klimaanlage und CD-Player enthalten sind.

Nicht ohne Kompromisse

Das versenkbare Zusatzgestühl ist leicht zu handhaben, als Passagier in der dritten Reihe sollte man allerdings nicht von Köln nach Neapel reisen wollen. Gewiss, auch auf eine bewegliche Kopfstütze brauchen sie nicht zu verzichten, aber wegen der Klappmechanik ist bei diesen Sitzen der Abstand zwischen Polster und Fußraum geringer als vorn, so dass die hinten Sitzenden mit einem recht spitzen Kniewinkel Platz nehmen müssen. Will man der dritten Reihe etwas mehr Knieraum zugestehen, reduziert sich logischer Weise der Platz für die davor Sitzenden. Ergo: Kompromissbereitschaft und gutes Einvernehmen sollte unter den Reisenden herrschen, ist man zu Siebt unterwegs.

Der von Toyota im Avensis erstmals gezeigte Knie-Airbag ist auch im Corolla Verso installiert, die Kopf-Airbags reichen bis in die zweiten Sitzreihe, die serienmäßig mit Isofix-Befestigungen ausgerüstet ist. Ins Sicherheitspaket schnürt der Hersteller auch elektronische Helfer wie Antischlupf-Regelung, ESP und Bremsassistent und soeben hat der neue Verso im Euro NCAP-Crashtest die Maximal-Bewertung von fünf Sternen erhalten. Richtig High-Tech-mäßig geht es in der Top-Ausstattung „Executive“ zu: Dort ist es nicht nur ein Multivisions-DVD-Entertainmentsystem an Bord, sondern auch zwei Kameras, die für den Fahrer nicht einsehbare Bereiche vor und hinter dem Auto ausforschen. Und das alles für einen maximalen Listenpreis von 26.600 Euro.

Innovativ am Corolla Verso ist auch das so genannte Multi-Mode-Getriebe, das die Vorteile einer Handschaltbox mit denen einer automatischen Kraftübertragung vereinen soll. Bei den ersten Probefahrten hinterließ die Neuentwicklung allerdings einen zwiespältigen Eindruck. Kombiniert mit dem 1,8-Liter-Vierzylindermotor und dessen 129 PS Leistung fiel vor allem auf, dass der Kickdown wohl zu einer rasanten Erhöhung der Drehzahl, nicht aber des Tempos führte. Beim Beschleunigungstest verhinderten deutlich spürbare Kraftschlussunterbrechungen während der Gangwechsel eine größere Fahrfreude. Deutlich schneller und ruckärmer ist das Schalten hinzubekommen, wenn das Multi-Mode-Getriebe manuell betätigt wird.

Komfortabel und praktisch

Wer einen etwas raueren Ton als Basisgeräusch nicht fürchtet, ist wahrscheinlich mit dem Zweiliter-Dieselmotor besser bedient, den es nur mit Fünfgang-Schaltgetriebe gibt und der dank 110 Nm mehr Drehmoment als beim Benziner auch sehr schaltfaul gefahren werden kann. Mit den rund 1.500 Kilo Leergewicht des Verso geht der Diesel behände um und entschädigt mit 6,3 Litern Durchschnittsverbrauch (Werksangabe) für die nicht vorhandene Abgas-Einstufung nach Euro IV.

So komfortabel und praktisch, wie der Corolla Verso daherkommt, erscheinen die 14.000 Einheiten, die der zweitgrößte Autohersteller der Welt jährlich in Deutschland davon absetzen will, durchaus realistisch. Auch wenn die ersten Fahreindrücke kein Schwärmen hervorriefen, spricht immer noch eine Tatsache für den handlichen und variablen Neuling: Toyota-Kunden sind erwiesener Maßen in Deutschland die zufriedensten.

Quelle: n-tv.de