Leben

Die Nase braucht Abwechslung Alles dufte bei Ihnen?

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Etwas oder jemanden gut riechen können - eine wichtige Sinneswahrnehmung.

(Foto: imago/Science Photo Library)

"Oh, bei dir riecht es aber gut!" Wenn ein Besucher mit diesem Ausruf in die Wohnung kommt, ist der Gastgeber natürlich froh. Warum unsere Nase beim Einrichten oft unterschätzt wird und wie man Abhilfe schaffen kann, hat unsere Autorin recherchiert.

Der Geruch der geteerten Straße nach einem warmen Sommergewitter. Das Zusammenspiel von Sonnencreme und Chlorwasser im Freibad. Die Holzstube in der Berghütte. Gerüche prägen uns von klein auf. Und sie transportieren Erinnerungen. Erinnerungen an Gefühle. Wer sein Zuhause gerne besonders gestalten möchte, achtet nicht nur auf Farben, Formen und Materialien. Nein, er achtet auch auf den Geruch. Aber wie entsteht Geruch überhaupt?

Chemisch gesehen sind Riechstoffe flüchtige Moleküle, die aus den Elementen Kohlenstoff, Wasserstoff oder Sauerstoff zusammengesetzt sind. Manchmal kommen auch Stickstoff oder Schwefel hinzu. Bei einer normalen Temperatur verdampfen sie und werden zu Gas. Und in diesem Zustand können sie in unseren Nasen Signale auslösen.

Love is in the air

Signale, die man nutzen kann. Damit sich jemand wohlfühlt, damit jemand länger in einem Laden bleibt und einkauft, damit jemand in einer Arztpraxis ohne Angst bleibt. Darum kümmern sich Duftpsychologen, Neuro-Wissenschaftler und - Air-Designer. Air-Designer? Ja. So nennen sich die Leute, die sich kommerziell mit Raumdüften befassen und von Wellness-Landschaften, Einzelhandelsgeschäften bis hin zu Hotel-Anlagen alles mit den passenden Düften ausstatten.

Was man von ihnen lernen kann, ist in erster Linie Aufmerksamkeit. Denn obwohl Geruch eine ganz wesentliche Rolle in unseren Leben spielt, unterschätzen wir ihn häufig. Und bemerken erst, dass er fehlt - wenn wir ihn eben nicht mehr wahrnehmen können. So wie momentan Corona-Kranke, die plötzlich ihren Geruchssinn verlieren.

Vieles, was mit Geruch zu tun hat, spielt sich bei uns im Unterbewusstsein ab. Forschungen gibt es dazu noch nicht ausreichend. Schwierig scheint auch zu sein, zu belegen, welche und wie unterschiedliche Sinnes-Wahrnehmungen miteinander korrespondieren und welche Rolle dem Duft im Einzelnen dabei zukommt. Aber klar ist: Dorthin, wo es gut riecht, geht man gerne. Auch wenn man manchmal gar nicht bemerkt, dass der Geruch dabei eine Rolle spielt.

In alten Zeiten hatten Menschen viele Duft-Erlebnisse. Unterschiedliche Sinneseindrücke in der Natur, im Wald und auf der Wiese, Feuer, gemeinschaftliche Rituale, Koch-Düfte, der Geruch von Tieren. Vieles ist davon verloren gegangen. Und jetzt? In dieser merkwürdigen Corona-Zeit? Fehlt es an allem. Auch an Duft-Erlebnissen. Parfumeur Uwe Manasse meint dazu: "Wir brauchen für unser Gehirn gerade jetzt auch geruchliche Abwechslung. Sonst gehen wir ins Restaurant, ins Konzert, zu einer Dichterlesung oder in eine Galerie. All das fällt flach. Gemeinsame Duft-Erlebnisse finden nicht statt." Duft, so meint er weiter, sei für unsere Gesundheit, unsere Gehirnentwicklung und unsere Gefühlswelt unabdingbar und stehe auch für Orientierung in der Gruppe. "Deshalb muss man sich zu Hause Ersatz schaffen."

Aber wie ist eine Art Duft-Management zu Hause realisierbar? Dazu gibt es eine Menge Möglichkeiten. Und sie beschränken sich nicht auf das derzeit so wichtige häufige Lüften. Oder auf Toilettensprays aus der Dose.

Besonders beliebt sind momentan auf dem Markt Diffuser, die mit ätherischen Ölen die Luft "vernebeln". Möglich sind auch Potpourri Schalen mit getrockneten Kräutern und Blumen, die nach Belieben immer mal wieder mit Raumdüften belebt werden können. Oder Aroma-Kerzen, die ganz bestimmte sinnliche Erlebnisse auslösen sollen.

Ein guter Duft macht gute Laune ...

Ein guter Duft macht gute Laune.

Aber auch Duftstäbchen oder -gele, Raumsprays oder elektrische Steckdosen-Diffuser können helfen, zu Hause olfaktorische Noten zu setzen.

Von Letzteren hält Duftexperte Uwe Manasse allerdings nichts. "Lieber stelle ich mir viele verschiedene Blumen in die Wohnung, koche mit Abwechslung oder unterstütze die unterschiedlichsten Restaurants mit meiner Bestellung." So kämen unterschiedliche Gerüche in die Wohnung und würden immer wieder für eine unterschiedliche Atmosphäre sorgen. Wenn es denn aber ein Duft-Extra sein soll, dann rät er: "Lieber in die Apotheke gehen, zertifizierte ätherische Öle kaufen, sich einen schönen großen Stein aus der Natur holen und zu Hause auf die Heizung legen und zwei, drei Tropfen des Öls hinaufgeben." Das sei genug. Ohnehin mache die Nase nach 20 Minuten zu. "Das ist ein natürlicher Schutz-Mechanismus der Nase. Ohne diesen wären wir früher nicht in der Lage gewesen, in Gruppen zu leben." Auch stumpfe die Nase sonst ab. Guter Tipp: "Wenn ich beispielsweise eine Duftkerze anzünde, reicht es vollkommen, wenn die obere Schicht flüssig geworden ist. Dann kann ich sie wieder ausmachen."

Schöner sei es ohnehin, diese Tage zu nutzen, bewusst Gerüche wahrzunehmen. Sich die Zeit zu nehmen, ein Buch zu riechen. Den Partner zu erschnuppern. Oder sich ehrlich zu fragen, ob die Sofakissen nicht doch mal wieder in die Wäsche sollte. Denn auf das Erlebnis, von einer Reise wieder nach Hause zu kommen und das Gefühl zu haben, dass es müffelt - oder ganz wunderbar nach "zu Hause" riecht - werden wir wohl noch eine Weile verzichten müssen.

Düfte lösen Gefühle aus

Ein ganz natürlicher Diffuser ...

Ein ganz natürlicher Diffuser: Orange mit Nelken.

(Foto: imago images/BE&W)

Man unterscheidet grob vier Richtungen: Zum Beispiel die Familie der Zitrusfrüchte. Sie sollen stimmungsaufhellend wirken und anregen, also einfach gute Laune machen und triste Wintertage mildern. Da kommt es nicht von ungefähr, dass viele Menschen vor Weihnachten Orangen mit Nelken spicken, in Schalen legen und damit einen "natürlichen Diffuser" schaffen.

Dann die Familie der warmen oder orientalischen Düfte: Patchouli und Vanille, animalische Riechstoffe sowie Gewürze wie Muskat, Nelke oder Zimt. In der Duftpsychologie stehen warme Düfte für ein Gefühl, in einem volleren Raum zu sein. Das kann einem in einer Zeit des Social Distancing doch nur recht sein, oder?

Blumige Düfte: Sie passen ins Bade- oder Schlafzimmer und können dort für die nötige Entspannung sorgen. Und fruchtige Düfte - genau das Richtige in der Küche oder im Arbeitszimmer.

Riechen kann man übrigens auch lernen. Wer die Corona-Zeit nutzen will, um sich fortzubilden, kann das selbst zu Hause trainieren. "Ich empfehle einen Riechkasten, wie ihn Wein-Sommeliers benutzen", sagt Uwe Manasse.

Aber wer es lieber dick aufgetragen mag und Barbecues mit den Freunden vermisst: Für den Kamin zu Hause gibt es ein Feuerholz, das den Geruch von gegrilltem Hähnchen verbreiten soll. Das KFC 11 Herbs and Spices, das, selbst ohne verbrannt zu werden, angeblich schon die Düfte der Traditionsmarke von sich gibt.

Quelle: ntv.de