Essen und Trinken

Kleines Buch mit großem Anspruch Paul McCartneys Rezept für die Erde

16536440.jpg

Paul McCartney 2009 vor dem EU-Parlament: "Ein fleischfreier Montag oder ein anderer fleischloser Tag ist der erste Schritt, der den Menschen ermöglicht, sich behutsam mit dieser Idee anzufreunden."

(Foto: dpa/EPA)

Ex-Beatle Paul McCartney ist vermutlich der berühmteste Musiker und Vegetarier der Welt. In dem Buch "Less Meat, Less Heat" erklärt der Engländer, warum Ernährungsgewohnheiten vor allem in den reichen Ländern umgestellt werden müssen.

Sir James Paul McCartney, 1942 in England geboren, hat die Beatles mitgegründet, revolutionierte mit der Band die Rock- und Popmusik und feierte auch als Solokünstler große Erfolge. Das weiß jeder, quer durch alle Generationen. Aber weiß auch jeder, dass sich Paul bewusst fleischlos ernährt? Nicht schon immer, seit 1975 jedoch lebt der Musiker als überzeugter Vegetarier. Der Ex-Beatle ist offenbar während eines Angelausflugs ins Grübeln gekommen. "Irgendwas hat in meinem Kopf damals Klick gemacht", sagte McCartney vor ein paar Jahren auf einer Veranstaltung der Tierschutzorganisation PETA. "Als ich zusah, wie der Fisch nach Luft schnappte, wurde mir klar, dass er genauso an seinem Leben hängt wie ich an meinem."

Seit damals lebt Paul mitsamt seiner ganzen Familie vegetarisch. Seine 1998 gestorbene erste Frau Linda war zudem erfolgreich mit vegetarischen Kochbüchern. 2009 startete Paul mit seinen Töchtern Mary und Stella die Kampagne "Fleischfreier Montag", um die Menschen zu animieren, wenigstens an einem Tag in der Woche auf Fleisch zu verzichten. Und er schaffte es nach und nach, Regierungen, Ämter und Institutionen von einem "Meatless Monday" zu überzeugen. Es muss auch nicht unbedingt der Montag sein: Seit 2010 gibt es in Bremen einen fleischfreien Donnerstag. Die Hansestadt war übrigens die erste Stadt Deutschlands, die einen sogenannten Veggie-Day einführte. Darüber hinaus wurden und werden landesweit die vegetarischen Angebote in Restaurants, Kantinen und Mensen vielfältiger und umfangreicher.

ANZEIGE
Less Meat, Less Heat - Ein Rezept für unseren Planeten
EUR 12,00
*Datenschutz

2009 hielt Paul McCartney seine vielbeachtete Rede vor dem EU-Parlament "Global Warming and Food Policy: Less Meat = Less Heat“. Ausgangspunkt war ein UN-Bericht mit dem Titel "Der lange Schatten der Viehhaltung". Pauls Rede wurde ein leidenschaftlicher und kenntnisreicher Appell, in dem er darlegte, warum es für die Rettung des Planeten Erde unumgänglich ist, mindestens einen Tag in der Woche auf Fleisch zu verzichten – letzten Endes auch zugunsten der eigenen Gesundheit. Das Buch "Less Meat, Less Heat" ist mehr als ein persönliches Manifest und trägt den Untertitel "Ein Rezept für unseren Planeten". Es ist im Claudius Verlag erschienen. Für das Buch wurde die historische Rede mit Illustrationen und aktuellen Fakten aufbereitet und mit vegetarischen Rezepten aus dem Hause der McCartneys ergänzt. Die Hartcover-Ausgabe im Format 10,5 mal 16 cm hat einen Schutzumschlag und ist 72 Seiten stark. Das Büchlein ist mit seinen Zahlen und Fakten ein kompakter Ratgeber.

Alles beginnt mit einem Tag in der Woche

Wenn die Erde erhalten werden soll, muss der Fleischkonsum drastisch reduziert werden. Mit dieser Erkenntnis wurde Paul McCartney als 33-Jähriger zum Vegetarier und lebt nun schon über 40 Jahre danach. Er will keineswegs Fleischesser belehren oder bekehren, sondern er vermittelt den Vorteil des Fleischverzichts – und sei es nur an einem Tag in der Woche.

Paul McCartney © Mary McCartney.jpg

Paul McCartney: "Ich wäre überglücklich, wenn die Fakten nicht den Tatsachen entsprächen."

(Foto: © Mary McCartney)

Das weltweite Ausmaß der Massentierhaltung belegt McCartney mit anschaulichen Beispielen: Allein auf die Tierproduktion entfallen acht Prozent des globalen Wasserverbrauchs. Und um einen einzigen Hamburger herzustellen, braucht man eine Wassermenge, mit der man vier Stunden lang duschen könnte. Extrem unökonomisch ist die Tierfutterproduktion: Ein Drittel des weltweit angebauten Getreides dient als Tierfutter, bei Sojabohnen sind es 90 Prozent. Außerdem wird für den Futteranbau und für Weideflächen weltweit pro Minute eine Fläche Wald abgeholzt, die so groß ist wie sechs Fußballfelder. Und erst die Emissionen! "Wir denken immer noch, der Verkehrssektor wäre der größte Schurke in diesem Stück, doch tatsächlich belegen die Zahlen, dass die Tierproduktion mehr Treibhausgase verursacht als der Verkehr", so Paul McCartney. Die ungeheuren Mengen an Methan und Distickstoffmonoxid (Lachgas), die die Fleischproduktion verursacht, heizen das Klima stärker auf als Kohlendioxid und verbleiben lange  in der Erdatmosphäre – Methan 9 bis 15 Jahre und Lachgas 114 Jahre. "Die Gase, die wir heute in die Umwelt abgeben, werden dem Klima also noch in Jahrzehnten schaden."

Paul McCartney Meat Free Monday © MJ Kim.jpg

Paul McCartney: "Ich bin seit über 40 Jahren Vegetarier und ich habe meine Familie fleischfrei aufwachsen lassen. Ich freue mich, Ihnen sagen zu können, dass wir mit diesem Lebensstil absolut glücklich sind."

(Foto: © 2014 MPL Communications Ltd/Photographer: MJ Kim)

Sein Anliegen formuliert McCartney in klaren, einfachen Worten; die Sätze sind kurz und prägnant. Er erinnert daran, welch Riesenschritt das Rauchverbot in öffentlichen Räumen war (und die Raucher davon nicht begeistert waren) und welche Akzeptanz das heute findet. Es sei ein "notwendiger Schritt" gewesen. "Daher denke ich, dass die Regierungen und das Parlament die Menschen auch in diesem Fall unterstützen und ihnen klar machen können, dass es nicht schwer ist, einen Tag lang auf Fleisch zu verzichten", appelliert der Musiker an das Europäische Parlament. "Und natürlich muss man sich um die Bauern kümmern." Denn eine geringere Fleischproduktion würde vor allem die Landwirte treffen. Sie müssten dabei unterstützt werden, den Wandel anzupacken. "Essen Sie einen Tag lang kein Fleisch", schließt Paul McCartney seinen Appell. "Ich bitte jeden Einzelnen von Ihnen, sich dafür einzusetzen: Für uns selbst – und für unsere Kinder und Kindeskinder, die diesen Planeten von uns erben werden."

Für Ihren ersten fleischfreien Tag liefert er auch gleich noch drei Rezepte für Frühstück, Mittagessen und Abendbrot. Ich hätte mir ein paar mehr gewünscht – es hätte garantiert nicht geschadet.

Super-Gemüsesalat für ein Mittagessen

"Das ist ein köstlicher Salat, den Sie buchstäblich zu allem servieren können. Hier dient er als Beilage zu gebratenem Tofu, aber Sie können ihn auch zum Veggie-Burger oder zu vegetarischen Würstchen reichen. Auch Hummus- oder Kartoffelchips oder Kartoffelpüree geben eine tolle Begleitung ab. Verwenden Sie Gemüse der Saison dafür."

Zutaten:

Für den Salat:
28 Kirschtomaten
3 Röschen Brokkoli
12 grüne Bohnen, in 2 cm lange Stücke geschnitten
1 Karotte, geschält und in 2 cm lange Stücke geschnitten
1 Kopfsalat (oder Romana)
3 Frühlingszwiebeln, feingehackt
100 g Polenta
1 Handvoll feingehackte Kräuter nach Wahl
250 g Tofu, in Scheiben geschnitten
Olivenöl zum Braten
Für das Dressing:
2 EL Olivenöl
1 EL Rotweinessig
1 EL Dijonsenf (nach Belieben)
1 TL Ahornsirup (wenn Sie es süß-sauer mögen)

Zubereitung:

1. Heizen Sie den Backofen auf 200 Grad Celsius (Gas: Stufe 6) vor. Backen Sie die Kirschtomaten 10 Minuten lang.
2. Kaltes Wasser in einen Topf geben und einen Dämpfeinsatz hineinstellen. Brokkoli, Bohnen und Karotten hineingeben und auf hoher Flamme etwa 15 Minuten dämpfen. Stechen Sie die Karotten an um zu sehen, ob sie gar sind. Manche Menschen mögen sie noch knackig, andere lieber ein wenig weicher.
3. Während das Gemüse im Dämpfer gart, putzen Sie den Salat und die Frühlingszwiebeln. 
4. Polenta und Kräuter in einer Schüssel vermengen. Olivenöl in der Pfanne erhitzen. Den Tofu in der Polentamischung wenden und im Öl goldbraun braten.
5. Die Zutaten fürs Dressing mit dem Schneebesen verrühren. Das Dressing wird erst in letzter Minuten über den Salat gegeben.
6. Salat auf einer Platte anrichten. Dann das warme Gemüse und den Tofu darauf legen. Das Dressing darübergießen. Wahlweise mit ein wenig biologischer Sojasauce beträufeln.

Mein Tipp: Wer den Salat kräftiger gewürzt haben möchte, sollte das Dressing zusätzlich mit ein wenig Salz und Pfeffer abschmecken. Wer es milder mag, für den reicht vermutlich die Würzkraft des Dijonsenfs aus, vor allem, wenn später noch Sojasauce dazukommt. Und beim Dämpfen den Deckel schön fest auf dem Topf lassen!

Guten Appetit wünscht Ihnen Heidi Driesner. 

Quelle: n-tv.de