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Kommissar von Meuffels und eine Gruppe wütender Demonstranten: "Smoke on the water" lässt nichts aus.
Kommissar von Meuffels und eine Gruppe wütender Demonstranten: "Smoke on the water" lässt nichts aus.(Foto: BR/Julia von Vietinghoff)
Sonntag, 19. Oktober 2014

"Polizeiruf" mit Guttenberg-Klon: Adel vernichtet

Von Julian Vetten

Es gibt schöne Dinge, die man am Sonntagabend machen kann: ins Theater gehen zum Beispiel oder ein gutes Buch lesen. Sich den aktuellen "Polizeiruf" anzutun, gehört nicht dazu – schuld daran ist die bayerische Polizei und ein größenwahnsinniger Regisseur.

Schnelle Schnitte, verstörende Bilder, bayerisch angehauchter Fahrstuhljazz und ein Kommissar, der "Ficken ist nicht flüchtig" für einen weisen Spruch hält: Dass Regisseur Dominik Graf schon in der Anfangsszene die Stoßrichtung des "Polizeirufs" so eindringlich kennzeichnet, muss man ihm hoch anrechnen – so haben die Zuschauer immerhin die Möglichkeit, rechtzeitig wegzuschalten. Wer das nicht tut, freut sich höchstens noch über 90 Minuten Fremdscham deluxe.

"Smoke on the water" will ein aufwühlender Thriller mit absurden Elementen á la Tarantino und Lynch sein und vermischt dabei unter anderem folgende Zutaten: einen adeligen Guttenberg-Wiedergänger, der über Leichen geht und fesche Madln im Wirtshaus durch bloße Präsenz zum Orgasmus treibt; einen Sündenpfuhl aus Korruption, Sex und Gewalt, in dem eine CDP genannte CSU und skrupellose Hintermänner die Hauptrollen spielen; die bayerische Polizei, die entweder aus vermummten Wahnsinnigen besteht, die gälisch sprechen oder die aber genauso stumpf ist, wie die Uniformen aussehen. Und mittendrin Kommissar Hans von Meuffels, dem das Drehbuch Sprüche in den Mund legt, die genauso fehl am Platz wirken wie sein speckiger Trenchcoat. "Brüste, die so aufrecht stehen wie bellende Hunde", ist das Einzige, was ihm zu der toten Journalistin einfällt, deren Mord er aufklären soll.

Der gähnende Schlund der Lächerlichkeit

Das Traurige daran ist, dass all diese Versatzstücke in den richtigen Händen zu einer unterhaltsamen Achterbahnfahrt durch den Irrsinn hätten werden können – wie es richtig geht, hat eine Woche vorher der Wiesbadener "Tatort" eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Doch gerade im Vergleich mit Tukurs Meisterstück fällt auf, wie schmal der Grat ist, auf dem derart ambitionierte Projekte wandeln: "Smoke on the water" fällt dabei in den gähnenden Schlund der Lächerlichkeit. Ein ganzer Haufen handwerklicher Anfängerfehler rundet einen unrühmlichen Fernsehabend auf seltsam passende Art und Weise ab: Warum Graf den Tathergang vollumfänglich in einer Rückblende bereits nach 40 Minuten auflöst und damit die zarten Triebe sich anbahnender Spannung im Keim erstickt, weiß wohl nur der Regisseur selbst.

"Ich glaube, Distanz ist die Voraussetzung jeder Wahrnehmung", sinniert von Meuffels irgendwann im Gespräch mit der lesbischen Freundin des Opfers, auf die der Kommissar ein Auge geworfen hat. Der Zuschauer ist beim Betrachten dieses "Polizeirufs" so distanziert, dass die Wahrnehmung des selbigen nicht nur in den Augen schmerzt.

Quelle: n-tv.de