Unterhaltung
Ist gern "anderswo": Depardieu als Comicfigur.
Ist gern "anderswo": Depardieu als Comicfigur.(Foto: Sapin / Reprodukt 2018)
Freitag, 30. März 2018

Zwischen Paris und Moskau: Depardieu als Comic-Held, ganz unverstellt

Fünf Jahre lang hing der Zeichner und Autor Matthieu Sapin dem französischen Superstar Gérard Depardieu an den Fersen. Er erlebte ihn aus nächster Nähe, mal aufbrausend, mal komisch, mal ernst. Seine Erlebnisse verarbeitete Sapin zu einem sehr lustigen Comic.

Nackt unter der Dusche mit Gérard Depardieu, gemeinsam Badetücher klauen und durch Gasfelder in Aserbaidschan fahren. Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen, lautet das Sprichwort. Erst recht, wenn er mit dem Urgestein des französischen Kinos unterwegs ist.

Legt viel Wert auf sein Bauchgefühl: das "Gesamtkunstwerk" Gerard Depardieu.
Legt viel Wert auf sein Bauchgefühl: das "Gesamtkunstwerk" Gerard Depardieu.(Foto: imago/PanoramiC)

Fünf Jahre lang hat der Autor und Zeichner Mathieu Sapin den französischen Schauspieler begleitet. Dabei ist eine über 150 Seiten lange Comic-Reportage herausgekommen, die den Star erleben lässt - wie er leibt und lebt. Reprodukt bringt das Buch nun in Deutschland heraus, Zeichner Sapin hat es auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt.

"Gérard. Fünf Jahre am Rockzipfel von Depardieu" heißt das Buch (Leseprobe). Das Titelbild spricht Bände: Depardieu gibt Gas auf einem Motorrad. Sapin sitzt im Sidecar, mit Angstschweiß auf der Stirn. "Depardieu zu folgen, ist anstrengend. Er ist ständig in Bewegung und redet pausenlos", sagte Sapin in Paris. "Nach mehr als drei Tagen Depardieu war ich immer völlig erschöpft."

Sapin ist auf Comic-Reportagen spezialisiert. Auch Ex-Präsident Hollande hat er bereits begleitet und porträtiert.
Sapin ist auf Comic-Reportagen spezialisiert. Auch Ex-Präsident Hollande hat er bereits begleitet und porträtiert.(Foto: dpa)

Der 43-Jährige hat den Star über fünf Jahre hinweg immer wieder bei Dreharbeiten, Promo-Reisen und Geschäftsterminen unter anderem nach Russland, Aserbaidschan, Spanien und Portugal begleitet. Dabei hat Sapin vor keinem Thema und noch so peinlicher Lage halt gemacht.

Rührend, unterhaltsam, aufbrausend

Über dem Kaspischen Meer beginnt Sapin ein Gespräch mit Depardieu über den Tod. Dabei erfährt der Leser, dass der Abschied Gégé, so nennen die Franzosen ihr Leinwandmonster, nicht traurig macht. Denn: Wenn man an jemanden denke, lebe er solange weiter, wie man selber lebe.

"Gérard" ist bei Reprodukt erschienen, 160 Seiten im Hardcover, 24 Euro.
"Gérard" ist bei Reprodukt erschienen, 160 Seiten im Hardcover, 24 Euro.(Foto: dpa)

Rührend, unterhaltsam, genervt, aufbrausend, lustig, provozierend: Sapin hat Depardieu in allen Facetten und Situationen beobachtet und gezeichnet. Allein unter vier Augen in seinem Luxusstadthaus in Paris, mit Filmkollegin Fanny Ardant bei Dreharbeiten, mit einfachen Fischern und tschetschenischen Mafiabossen. Mit Depardieu sei alles möglich, so Sapin.

Die Distanz geht dabei aber mitunter verloren. Sapin spricht zwar auch heikle Themen an, doch sein Comic hinterfragt kaum die Ansichten Depardieus. So wortgewaltig, so übermächtig wird der Star immer wieder dargestellt, dass jede Kritik nahezu zerquetscht wird. Der Mime ist ein Alphatier aus dem Bilderbuch, das neben sich nur wenige andere Meinungen akzeptiert. Sapin dokumentiert das geflissentlich.

Allerdings wird auch nichts beschönigt. Depardieu schnauft und rülpst, gibt ohne Vorwarnung Obszönitäten von sich. "Ich komme mir vor, als würde ich ein wildes Tier beobachten", schreibt Sapin in einer Textblase. Sapin stellt sich in dem Comics gern als verschreckter und verblüffter Zeichner dar, der aus dem Staunen nicht herauskommt. So auch, als zu Depardieu ein junger Mann ins Haus kommt, um dem Schauspieler Unterricht in chinesischer Kalligrafie zu geben, oder ihn eine Freundin anruft, die wissen will, nach welchem Rezept sie Lachs oder Wolfsbarsch zubereiten soll.

Mit schnellen und leichten Strichen hat Sapin ein Porträt von Depardieu entworfen, das ebenso komplex und vielfältig ist wie dessen Rollen. Denn es liegen Welten zwischen Obelix, dem Freund von Asterix mit Hang zu Fressgelagen und Raufereien, dem romantischen Poeten Cyrano von Bergerac aus dem gleichnamigen Film und dem Draufgänger und Rebell, den Depardieu in "Die Ausgebufften" gibt.

Wer der Steuerflüchtling und Neu-Russe - Depardieu besitzt seit 2016 einen russischen Pass - nun eigentlich sei? Das sei schwer zu sagen, meinte Sapin nach seinem Roadtrip. Eines weiß der Künstler jedoch sicher: "Jemandem wie Depardieu begegnet man kein zweites Mal mehr."

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Quelle: n-tv.de