Unterhaltung

"Blacklist" lässt Fragen offen Die Schwachstelle des Bösen

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Warum will Red nur mit der jungen Agentin sprechen?

Ein Schwerverbrecher macht gemeinsame Sache mit dem FBI: Dank seiner Tipps landen reihenweise Kriminelle hinter Gittern - bis ein besonders fieser Gangster den Spieß umdreht. Viel Klasse, dafür weniger Menschenfleischfresser.

Eiskalter Gangster trifft blutjunge Profilerin - klingt verdächtig nach "Das Schweigen der Lämmer", aber auch nach der US-Fernsehserie "Blacklist". Da frisst der Ganove kein Menschenfleisch und legt auch nur ganz selten selbst Hand an. Dafür ist Raymond "Red" Reddington nach Frank Underwood ("House of Cards") der eventuell coolste Typ der Serienlandschaft. In Maßanzug plus Hut hilft er einer Spezialeinheit des FBI, Verbrecher zu schnappen, die die Behörden noch nicht einmal auf dem Schirm haben. Zum Beispiel den "Stewmaker", der seine Opfer dank Chemiekoffer spurlos verschwinden lässt, "The Judge", der falsche Verurteilungen mit brutaler Einzelhaft straft, oder den "Kingmaker", der für die politische Karriere seiner Zöglinge über Leichen geht. Dabei spricht Red ausschließlich mit Agentin Elizabeth "Lizzy" Keen - warum, weiß nur er selbst.

Obwohl "Blacklist" es mit logischen Feinheiten nicht ganz so ernst nimmt und auch ansonsten gerne an der Realität vorbei erzählt, ist das Format der erfolgreichste US-amerikanische Drama-Neustart des vergangenen Herbsts. Das hat zwei Gründe: Die Show hat Tempo - nach jeder Folge ist die Welt um mindestens einen Schwerverbrecher ärmer. Und dann ist da James Spader. Der braucht nichts weiter als eine Knarre und sein natürliches "Cool", um den Rest des Casts an die Wand zu spielen.

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Ryan Eggold und Megan Boone spielen das Ehepaar Keen.

(Foto: AP)

Für einen krönenden Abschluss haben die Macher von "Blacklist" jedenfalls ganz groß aufgefahren. Die finale Folge beginnt in den Trümmern eines russischen Flugzeugs. Die mehr oder weniger in Mitleidenschaft gezogenen Insassen - allesamt kriminell - stapfen Zombies gleich über Metallschrott und andere Kriminelle: ein Vorgeschmack auf all das Blut, was noch fließen soll, bevor sich die Show in die Sommerpause verabschiedet. Mit ordentlich Radau wird kompensiert, was an Handlung fehlt.

Achtung Spoiler!

Dabei hatte die Show so gut auf ihr Finale hingearbeitet. Strippenzieher Red befindet sich erstmals in einer Situation, aus der er sich nicht selbst befreien kann: Ein mysteriöser "Berlin" hat es auf ihn abgesehen - nur hat Red keinen blassen Schimmer, wer das ist. Hilfe kommt weder vom FBI-Trupp um Lizzy noch von seinen Gangster-Kumpels. Lizzy ist ohnehin drauf und dran, zu kündigen. Sie musste lernen, dass Komplize Red ihren Ziehvater umgelegt hat, gerade nachdem sie ihren Ehemann Tom als berechnenden Killer enttarnt hatte.

Weil mit Lizzys Versetzung in eine andere Einheit auch der Deal mit Red platzt, verliert dieser auch den Schutz der Behörde und ist wieder vogelfrei. Es sieht nicht gut aus für den Meister der Manipulation und auch die Ermittler stehen nun unter Beschuss. Was nämlich niemandem der klugen Köpfe aufgefallen war: Red hat sie systematisch missbraucht, um seine eigenen Gegner außer Gefecht zu setzen. Deswegen stehen sie jetzt auch bei seinem größten Feind, "Berlin", auf der Abschussliste.

Die "Blacklist"-Macher haben sich alle Mühe gegeben, den einen Antagonisten, der Red wirklich gefährlich werden kann, auch besonders düster darzustellen. Angeblich lässt er zum Beispiel Putin "wie einen Weihnachtself" aussehen. Außerdem will er seine tote Tochter rächen. An Klischees wird nicht gespart. Statt Handlungsstränge zu verknüpfen, verliert sich "Blacklist" zum Ende der Staffel einerseits in Rechtfertigungen, andererseits in Brutalitäten. CIA-Frau Meera Malik wird die Kehle durchgeschlitzt - sie hatte zwei kleine Kinder, Chef der Einheit Harald Cooper schafft es nach einem Angriff noch ins Krankenhaus - ein Fingerzucken gen Ende der Folge verrät: Er wird’s wohl schaffen. Die Sendung bemüht sich zwar, dem Zuschauer durch trauernde Kollegen ein wenig Mitgefühl zu entlocken, scheitert aber grandios.

Klopperei ohne Inhalt

Fürs Ermittlerteam sollen sich die Opfer nicht lohnen. "Berlin" entkommt. Das wirklich Bittere: Eigentlich stellen sich bei all der FBI-Arbeit ganz andere Fragen. Warum wählt Gangster Red Goodgirl Lizzy für eine Zusammenarbeit? Weshalb greift er immer wieder schützend ein, wenn sie sich in Gefahr begibt?

Klar ist: Die hübsche Ermittlerin ist Reddingtons Schwachstelle. Er kannte ihren Ziehvater und schützt ein Geheimnis - ziemlich wahrscheinlich sein eigenes. Denn spätestens seit bekannt ist, dass es sich bei "Sam" nicht um Lizzys leiblichen Vater handelt, drängt sich der Gedanke auf, es bei ihr und Red mit einer relativ kranken Vater-Tochter-Beziehung zu tun zu haben. Ein Feuer hat Lizzy als Mädchen von ihren leiblichen Eltern getrennt. Die letzte Einstellung der Final-Folge zeigt Reds Rücken - von Brandnarben übersät. Das ist sicher kein Zufall. Das ist der Spannungsbogen, der hätte auserzählt werden müssen. Wenn "Blacklist" im Herbst in die zweite Runde geht, muss die Klopperei bitte wieder mit Inhalt unterfüttert werden.

"The Blacklist" läuft um 21.15 Uhr dienstags auf RTL, wer die letzte Folge verpasst hat, schaut hier.

Quelle: ntv.de

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