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Song Contest in Berlin? Düsseldorf ist die richtige Wahl!

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Sie will ihren Titel verteidigen - nun in Düsseldorf: Lena

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Song Contest in Berlin? Eine abwegige Idee. Oder sollen sich Zehntausende in einem aufblasbaren Partyzelt auf einer Brache treffen? Der ESC wird nur in Düsseldorf zu einer großen Show. Ein Gast-Kommentar.

Diese Veranstaltung an Düsseldorf verloren zu haben, ist für Berlin ein schwerer Schlag: Nach sieben Jahren zieht die "Auto Trophy", der Auto-Bambi der Bauer Media Group, von Berlin nach Düsseldorf um. Alles, was in der Branche Rang und Namen hat, wird im November am Rhein statt an der Spree feiern. Bei Bauer hat man vom Hauptstadt-Hype genug. Anderswo würde das den Wirtschaftsförderer seinen Job kosten, in Berlin wird der Verlust nicht einmal bemerkt. Stattdessen wird die Niederlage Berlins bei der Bewerbung um die Austragung des "Eurovision Song Contest" zur Staatsaffäre aufgebauscht. Über diese Aufregung müsste man sich aus Düsseldorfer Sicht eigentlich diebisch freuen. Sie führt der Republik in schönster Unfreiwilligkeit vor, wo in Deutschland der Provinzialismus sein Zuhause hat: in Berlin.

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Die Esprit-Arena in Düsseldorf.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wohl nirgendwo sonst in der Republik wäre jemand ernsthaft auf die Idee gekommen, sich mit einem aufblasbaren Partyzelt auf einer Flugplatz-Brache um die Austragung des größten europäischen Fernsehereignisses zu bewerben. Und nirgendwo sonst hätte es hinterher ein vergleichbares Geschrei gegeben, wenn der Veranstalter sich lieber für einen professionellen Auftritt als für eine weitere Hauptstadt-Hanswurstiade entscheidet. Angesichts der Unbedarftheit der Berliner Bewerbung, die der Düsseldorfer Oberbürgermeister Dirk Elbers klugerweise nicht kommentiert, muss man sich fragen, ob die Berliner überhaupt verstanden haben, worum es beim ESC geht. Kleiner Tipp: Es geht nicht darum, sich selbst zu feiern. Es gibt unter den Eurovisions-Partnern aus gutem Grund kein Hauptstadt-Primat für den Contest.

Bitte keine Gummi-Kulisse im märkischen Sand

Der Wettbewerb hat viele seiner schönsten und größten Momente nicht in Hauptstädten, sondern etwas abseits der großen Metropolen erlebt. 1972 gewann Vicky Leandros in Edinburgh, Abba 1974 in Brighton, Nicole 1982 in Harrogate. Aus Großbritannien ist keine Diskussion bekannt, dass dadurch Londons Hauptwürde angeknackst worden wäre. Wieso auch? Die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, kurz ARD, hat die richtige Entscheidung getroffen. Sie kann gegenüber den Eurovisions-Partnern überhaupt nicht riskieren, eine Show mit 160 Millionen Zuschauern vor eine Gummi-Kulisse in den märkischen Sand zu setzen. In Düsseldorf ist der ESC besser und kostengünstiger zu produzieren als in Berlin, die Infrastruktur ist geeigneter als in Hannover, das städtische Geld sitzt lockerer als in Hamburg. Wenn unter den leer ausgegangenen Städten eine Grund zur Klage hätte, so wäre dies nicht Berlin, sondern Hamburg als Sitz des NDR, der innerhalb der ARD die Federführung beim ESC hat.

Die Hamburger haben dem ESC mit tollen Partys und großem Engagement auch in den Jahren die Treue gehalten, als er sich im Niedergang befand. Wäre es nicht um die Frage gegangen, wo man ein TV-Ereignis zum Preis von 25 Millionen Euro so gut und günstig wie möglich ausrichten kann, sondern darum, wer es verdient hat, den dritten deutschen ESC auszurichten, hätte die Antwort klar Hamburg gelautet. Es spricht Bände über Berlin, dass in Hamburg bei aller Enttäuschung niemand ernsthaft anzweifelt, dass Düsseldorf ein ausgezeichneter Gastgeber sein wird. Darin haben die Rheinländer nämlich Übung, und das nicht nur an der längsten Theke der Welt in der Düsseldorfer Altstadt.

Eine Stadt von Welt

Dass Düsseldorf innerhalb Deutschlands keinen überragenden Ruf hat, sondern bestenfalls mit Schicki-Micki, Senf, Waschmittel und bitterem Bier aus kleinen Gläsern in Verbindung gebracht wird – geschenkt. Dass Düsseldorf international im Vergleich zum Lokal-Rivalen Köln eher überhaupt keinen Ruf hat, was schwer am ausgeprägten Selbstbewusstsein nagt – stimmt auch. Und beides ist für den ESC sehr nützlich. Düsseldorf mag mit seinen rund 600.000 Einwohnern nicht zu den ganz großen deutschen Städten zählen, aber es ist eine großartige Stadt. Vielleicht keine Weltstadt, aber doch eine von Welt. Während rund um Berlin das Nichts beginnt, ist Düsseldorf mit seiner einzigartigen Mischung aus Kapital, Kreativität und Kunst das Herz der Metropolregion Rhein-Ruhr. Dieser Stadt gelingt es immer wieder, sich komplett neu zu erfinden. Vom etwas langweiligen Schreibtisch des Ruhrgebiets hat sich Düsseldorf zum deutschen Top-Standort für Werbung und Telekommunikation gemausert. Es ist die zweitgrößte deutsche Banken- und Börsenstadt und verfügt über den drittgrößten Flughafen des Landes. Die erfolgreiche ESC-Bewerbung zeigt, was die Düsseldorfer am besten können: Eine Chance ergreifen, wenn andere noch gar nicht sehen, dass sie sich bietet.

Der ESC wird im Düsseldorfer Veranstaltungskalender nicht irgendein, sondern das Ereignis 2011 sein. Das wird diejenigen, die sich fest vorgenommen haben, Düsseldorf doof zu finden, berufsbeleidigt zu sein, sich keinesfalls von Fakten irritieren zu lassen oder gar hierher zu kommen und sich prächtig zu unterhalten, natürlich nicht beeindrucken. Aber die Teilnehmerländer, der gesamte ESC und die jeweils 24.000 Besucher der sechs Shows und Generalproben werden davon profitieren. Nach dem ESC 2011 werden viele Düsseldorf mit anderen Augen sehen.

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Quelle: n-tv.de

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