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Erster Rowling für Erwachsene Ein Buch nach Harry Potter

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Das Buch ist bei Carlsen erschienen und kostet 24,90 Euro.

(Foto: dpa)

Fünf Jahre ist es her, dass die letzte Geschichte von Zauberlehrling Harry Potter erschien. Nach ihrem beispiellosen Erfolg wechselt Joanne K. Rowling nun das Metier. "Der plötzliche Todesfall" ist eine leidenschaftliche Anklage gegen die Kluft zwischen Arm und Reich, Macht und Ohnmacht, Liebe und Vernachlässigung in einer kleinen Stadt und ein Befreiungsschlag der Autorin.

"Barry Fairbrother wäre lieber zu Hause geblieben." – So lautet der erste Satz in Joanne K. Rowlings erstem Buch nach "Harry Potter". Das berichten die wenigen, die das Buch schon vor seinem Erscheinen lesen durften, und das waren nicht viele.

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Rowling genießt die Freiheit, einfach nur schreiben zu können.

(Foto: dapd)

Fünf Jahre sind seit dem letzten "Harry Potter"-Band vergangen. Der Roman "Ein plötzlicher Todesfall" ist ihr erstes Buch für Erwachsene. Um das neue Buch gab es eine beispiellose Geheimhaltung. Die deutschen Übersetzerinnen mussten hinter verschlossenen Türen im britischen Verlag arbeiten, in der Druckerei gab es für die Mitarbeiter Taschenkontrollen, die Auslieferung erfolgte in verplombten Lastwagen.

"Das ist das geheimste Buch, das wir je gemacht haben", sagte Ullstein-Verlegerin Siv Bublitz. Dennoch drangen einige Einzelheiten vorab durch. "Allein dieses Gefühl, dass da alle diese Figuren in meinem Kopf herumspazieren, von denen niemand auch nur die geringste Ahnung hat, war grandios", schwärmte Rowling in Interviews. "Ein ganz besonderes Glück."

Abgründe einer Kleinstadt

Stille Hauptfigur des Romans ist der 40-jährige Gemeinderat Barry Fairbrother, der gleich zu Anfang stirbt. Weil sein Sitz im Gemeinderat neu besetzt werden muss, entbrennt in dem beschaulichen Ort ein erbittertes Hauen und Stechen. Im Original heißt das Buch "The Casual Vacancy".

Stein des Anstoßes ist vor allem ein Armenviertel mit heruntergekommenen Häusern und vernachlässigten Kids, um das Fairbrother sich bisher gekümmert hat. Seine konservativen Nachbarn wollen diesen "Schandfleck" der Stadt loswerden.

Dem "Spiegel" sagte die Autorin zu ihrer Geschichte: "Ich hatte die Idee, einen Roman zu schreiben, rund um eine politische Wahl in einer Kleinstadt, weil ich glaube, dass man auf diese Weise viel über die Gesellschaft und die unterschiedlichen Schichten erzählen kann. Dabei hatte ich die englischen Romane des 19. Jahrhunderts im Kopf." Rowling bewegt sich in ihrem Buch in einer überschaubaren Welt, die dennoch ein ganzes Panorama von Abhängigkeiten und Süchten bietet, die es den Menschen ermöglicht, ihre "gesellschaftlichen Rollen angemessen zu spielen".

Rückbesinnung auf das Wesentliche

Mit der Vollendung des siebten und letzten Bandes der Harry-Potter-Saga 2007 hatte Rowling zunächst ihre schriftstellerische Tätigkeit unterbrochen. Die Geschichte um den Zauberlehrling machte sie zur bestbezahlten Autorin der Welt, weltweit wurden 450 Millionen Bände verkauft. Dieser Erfolg gab Rowling nun die Freiheit, genau das Buch zu schreiben, das ihr vorschwebte. "Bei diesem Buch war es mir am wichtigsten, dass ich selbst zufrieden bin", sagte sie dem "Spiegel".

Warum die Meisterin der Hexengeschichten ihr Metier gewechselt hat und nun von sehr realen gesellschaftlichen Problemen schreibt, dafür hat sie keine direkte Erklärung. "Es ist einfach das, was ich jetzt schreiben wollte", sagte die seit langem sozial engagierte Rowling dem Sender BBC. Deutlich wird, dass Rowling die Zeit vor ihrem großen Erfolg nicht vergessen hat. Bis heute nehme sie es nicht als selbstverständlich, ihre Rechnungen bezahlen zu können, betont sie immer wieder.

Die PR-Maschine läuft

Ausdrücklich fügte sie hinzu, es sei "wirklich kein Buch für Kinder". Schließlich geht es den Berichten zufolge auch um Drogen, Sex, Gewalt, benutzte Kondome vor der Haustür und einen Jungen, der "mit einem Stechen im Herzen und in den Eiern" im Schulbus sitzt.

Rowlings Stil sei nicht einfach zu übersetzen, finden Susanne Aeckerle und Marion Balkenhol, die gemeinsam für die deutsche Fassung verantwortlich zeichnen. "Anfangs legt man munter los, aber der Teufel steckt im Detail", berichteten sie laut Verlag. Das Duo hatte nur vier Wochen Zeit für die mehr als 500 Seiten, es musste im Gebäude des Verlags Little, Brown in London arbeiten. Die Laptops seien mit dreifachen Codewörtern gesichert und mit einem Sicherheitsschloss am Schreibtisch angekettet gewesen, erzählten die beiden.

Rowlings Buch kommt in Großbritannien, den USA und Deutschland gleichzeitig auf den Markt, in Frankreich einen Tag später. In Deutschland geht "Der plötzliche Todesfall" mit einer Auflage von 500.000 Exemplaren an den Start. Der Ullstein Verlag in Berlin und der Hamburger Carlsen Verlag haben sich für das Mammutprojekt zu einer ungewöhnlichen Kooperation zusammengeschlossen: Das Hardcover erscheint bei Carlsen, das Taschenbuch später bei Ullstein, am Schluss wird geteilt. Und es gehören keine hellseherischen Fähigkeiten dazu, dem Buch einen Bestsellererfolg zu prophezeien.

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Quelle: n-tv.de, sba/dpa

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