Unterhaltung

"Lebensbedrohende Situation" Heesters unerwünscht in Bellevue

Johannes Heesters steht nun doch nicht auf der Gästeliste eines Staatsbanketts zu Ehren der niederländischen Königin Beatrix.

Wieder unerwünscht: Johannes Heesters.

Peinliche Panne: Johannes Heesters erhält vom Bundespräsidenten eine Einladung zum Staatsbankett mit Königin Beatrix - und ein paar Tage später wieder eine Ausladung. Diese hätte den 107-Jährigen lebensbedrohlich aufgewühlt, teilt sein Agent mit.

Schock für Johannes Heesters: Der greise Schauspieler steht nun doch nicht auf der Gästeliste eines Staatsbanketts, das Bundespräsident Christian Wulff am 12. April zu Ehren der niederländischen Königin Beatrix gibt.

"Die Ausladung ist für ihn eine persönliche Katastrophe, nahezu lebensbedrohend in seinem Zustand und Alter", sagte sein Berliner Theateragent Jürgen Ross. Das hätte nicht passieren dürfen, meint Ross. "Dann hätte man ihn erst gar nicht einladen sollen." Ausdrücklich hatte der Agent beim Protokoll zurückgefragt, als die Einladung kam. "Wir wissen, wen wir einladen", habe es dort geheißen. Erst danach ist Heesters über die Einladung ins Schloss Bellevue informiert worden.

"Wir haben das auch so verstanden als große menschliche Geste diesem Mann gegenüber", so Theateragent Ross. Johannes Heesters hatte sich sehr darauf gefreut, endlich auch "seiner" Königin Beatrix gegenüberzustehen, wenn sie Berlin besucht. "Nach langen Jahren der offiziellen Ablehnung meiner Person durch Amtsvertreter meines Heimatlandes ist für mich ein großer Lebenswunsch in Erfüllung gegangen", schrieb der mittlerweile 107 Jahre alte Heesters überglücklich auf seiner Internet-Homepage.

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Heesters (l.) 1941 im KZ Dachau.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wegen seiner Karriere in Nazi-Deutschland - er war auch Hitlers "Lieblings-Danilo" in der "Lustigen Witwe" - galt der Sänger und Schauspieler, eine der größten Operetten-Legenden des 20. Jahrhunderts, in seiner Heimat lange als "unerwünschte Person".

Zu einer ersten Annäherung kam es durch ein Theatergastspiel in seiner Heimatstadt Amersfoort im Februar 2008, bei dem es allerdings auch Proteste eines "Aktionskomitees Heesters raus" gegeben hatte. Der Auftritt wurde getrübt durch ein verunglücktes Interview mit einem niederländischen TV-Sender, in dem sich der mittlerweile erblindete und fast taube Heesters unglücklich und missverständlich über Hitler äußerte.

Nun sollte der "offizielle Friedensschluss" mit dem niederländischen Königshaus kommen, für Heesters auch ein persönlicher Frieden gegen Ende eines so langen Lebens. Umso größer der Schock über die Absage, die am Montag per Post in einem lapidaren Schreiben kam, das man Heesters zunächst vorenthielt. Man habe nicht mit so vielen Zusagen gerechnet und bedauere sehr, Heesters und andere "wegen der sehr begrenzten Anzahl der Plätze" nicht berücksichtigen zu können, hieß es laut Ross in der Begründung des Protokolls sinngemäß. "Das weiß man doch vorher", ereifert sich der Theateragent, "und da ruft man doch wenigstens mal an, um die peinliche Situation zu erläutern".

"Ich schäme mich"

Offenbar hat auch der unselige Besuch des Ensembles des Münchner Gärtnerplatztheaters, zu dem Heesters gehörte, 1941 im KZ Dachau wieder seinen langen Schatten geworfen. Heesters hat den Besuch, der auch in einem Fotoalbum dokumentiert ist, nie bestritten, aber stets beteuert, dort nie aufgetreten zu sein, was andere behaupteten. "Ich schwöre es bei meiner Familie - es ist nicht wahr!", aber: "Ich schäme mich, dass es den Nazis gelungen war, uns dorthin zu locken."

Heesters' Frau Simone Rethel war bei Recherchen 2006 auf das Fotoalbum gestoßen, das sie auch vollständig in dem Heesters-Buch "Ein Mensch und ein Jahrhundert" veröffentlichte. Ein Auftritt war nirgends dokumentiert, Heesters ist in Hut und Mantel zu sehen. "Mein Mann ist im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen immer auf Distanz zu den braunen Machthabern geblieben", betonte Simone Rethel.

Quelle: n-tv.de, dpa

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