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Vom Rüssel bis zur Sackverschmutzung Holla-di-hitiii, Otto

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Erwachsen? Niemals! Otto Waalkes.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ob als rasender Reporter Harry Hirsch, Susi Sorglos mit dem sprechenden Föhn oder Robin Hood, der Stecher der weisen Witwen - Otto Waalkes prägt den Humor der Deutschen seit Jahrzehnten. Viele stellen ihn längst in eine Reihe mit Loriot und Heinz Erhardt. Nun wird der wandelnde Ostfriesenwitz 65.

"Stammt der Mensch vom Affen ab? Stumpft das Kind beim Gaffen ab? Macht die Frau beim Schaffen schlapp? Wie lang ist ein Giraffengrab? Wo werden die Karaffen knapp? Schafft der Papst die Pfaffen ab? Legt man im Bett die Waffen ab? Was tun, wenn ich 'nen Schlaffen hab'?"

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Ein Herz und eine Seele: Otto und Sid.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nicht jeder mag das auswendig können. Aber von Otto geprägte Sprüche und Kalauer wie dieser haben sich auf jeden Fall zuhauf so in das Gehirn eingebrannt, dass man sie auf Anhieb wiedererkennt. Und das generationsübergreifend. Wer in den 70er Jahren aufwuchs, hörte mit hoher Wahrscheinlichkeit von dem ostfriesischen Komiker auf Platte oder Kassette - sage und schreibe neun Alben in Folge brachte Otto zwischen 1973 und 1983 in den Top Ten der Charts unter. Die "Otto Shows" im Fernsehen wurden zu wahren Straßenfegern. Das 1980 erschienene "Buch Otto" lag mit Sicherheit unter so manchem Weihnachtsbaum. Und "Otto - der Film" von 1985 gilt mit rund 14,5 Millionen Besuchern noch bis heute als die erfolgreichste deutsche Kinoproduktion seit Beginn der Zuschauerzählung.

Wer ein wenig jünger ist als die, die im guten, alten Analog-Zeitalter und mit drei Fernsehprogrammen aufgewachsen sind, für den ist der Komiker wahrscheinlich nicht vergleichbar allgegenwärtig. Zumindest nicht bewusst - tatsächlich aber haben viele von Otto geprägte Gags Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden. Zudem gab es auch in späteren Jahren eigentlich kein wirkliches Vorbeikommen an dem Ostfriesen. Sei es abermals im Fernsehen wie etwa bei "Otto - Die Serie", die Mitte der 90er von RTL ausgestrahlt wurde, bei den Bühnenprogrammen des Komikers, bei seinen späteren Kinofilmen wie "7 Zwerge" oder auch nur bei seinen Einsätzen als Synchronsprecher - etwa als Riesenfaultier Sid in "Ice Age".

"Pure Subkultur"

Er sei "geboren, um zu blödeln", sagt Otto über sich selbst. Dabei ist er eigentlich ein wahres Allroundtalent: Er singt, spielt virtuos Gitarre und mischt seine Wortspiele und Sketche mit artistischen Einlagen. "Allenfalls Loriot ist ihm annähernd ebenbürtig", schrieb der "Spiegel" 1985 bewundernd. Otto schaffe es, "den alltäglichen Schwachsinn" aufzuspüren, seine Komik sei "pure Subkultur". Als das ZDF 2007 die Zuschauer über den besten deutschsprachigen Komiker aller Zeiten abstimmen ließ, gelangte Otto auf den dritten Platz - hinter Loriot und Heinz Erhardt. Dass es gleichwohl auch Kritiker gibt, die in dem Ostfriesen nur einen "Blödmann" sehen, wird Waalkes dementsprechend gut verschmerzen können.

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Ein wenig schütter war das Haar schon immer - Foto von 1983.

(Foto: imago stock&people)

D as Licht der Welt erblickte Otto Gerhard Waalkes am 22. Juli 1948 in der ostfriesischen Hafenstadt Emden. Sein Vater war Malermeister, die Mutter eine fromme Christin. Nachdem er bereits als Elfjähriger in einem Emder Kaufhaus den "Babysitter-Blues" vorgetragen und später mit der Band "The Rustlers" Beatles-Hits nachgespielt hatte, zog es ihn 1970 zum Kunststudium nach Hamburg. Dort lebte er unter anderem mit Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen in einer WG und trat in Szeneclubs wie "Onkel Pö" auf. Auf der Bühne sei er oft nervös gewesen, erinnerte sich Otto später. Wenn ihm etwa wieder einmal der Mikrofonständer umgekippt sei, habe er sich mit lustigen Ansagen dafür entschuldigt. Als er merkte, dass diese Einlagen immer am besten ankamen, entschied er sich, sie zu perfektionieren und in den Mittelpunkt zu stellen.

Der Erfolg ist kein Zufall: Hinter der Fassade des infantilen Witzbolds verbirgt sich ein geschickter Geschäftsmann, dessen Auftritte ebenso minutiös geplant sind wie seine Vermarktungsstrategien. Autoren der sogenannten "Neuen Frankfurter Schule", zu der insbesondere Mitarbeiter der früheren Satirezeitschrift "Pardon" und der späteren "Titanic" gezählt wurden, lieferten Waalkes Texte zu. Vor allem mit Robert Gernardt entstand eine langfristige Zusammenarbeit. Sprüche wie "Angeklagter, Ihnen wird zur Last gelegt, Sie hätten an dem Mast gesägt", stammen aus dessen Feder.

Die Kunst der Ottifanten

Schon 1973 gründete Waalkes das Label "Rüssl Räckords", da zu diesem Zeitpunkt noch keine Plattenfirma seine Live-Mitschnitte veröffentlichen wollte. Im selben Jahr erschien die LP "Otto". Sie allein verkaufte sich 500.000 Mal. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) entdeckte den Komiker schließlich für das Fernsehen. Nun gab Otto nicht mehr nur auf der Bühne zum Beispiel "Chefarzt Dr. Sauerbruch", der einen Staubsauger mit "Sackverschmutzung" behandelt, oder den Pfarrer mit seinen etwas absonderlichen Ausführungen im "Wort zum Montag". Nun flimmerte der Ostfriesen-Humor über die Bildschirme von zig Millionen deutschen Haushalten.

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Das Malen ist noch immer sein Steckenpferd.

(Foto: picture alliance / dpa)

Sie dürfen im Zusammenhang mit Otto natürlich nicht unerwähnt bleiben: die Ottifanten. Schließlich wurden sie rasch zum Markenzeichen des Komikers. Und man kann nur erahnen, wie viele fleißige Nachahmer es schon gab, die versuchten, Ottifanten ähnlich flink zu Papier zu bringen wie der Erfinder der gezeichneten Rüsseltiere. Die Malerei ist übrigens bis heute eine Leidenschaft von Waalkes geblieben. So zeigte er etwa im Frühjahr in der Hamburger Galerie "Udo Lindenberg & more" 60 Gemälde aus eigener Hand - natürlich auch mit jeder Menge Ottifanten darauf.

Privat indes lief es zuletzt nicht ganz so rund für Otto. 2011 trennte sich der Komiker, der aus einer früheren Ehe einen erwachsenen Sohn hat, nach rund zwölf Jahren von der 20 Jahre jüngeren Schauspielerin Eva Hassmann. 2012 folgte die Scheidung. Unterm Strich lief das aber so entspannt ab wie selten unter Prominenten. "Es war die schönste Scheidung meines Lebens! Denn da ist noch Liebe", fasste Otto selbst die Ereignisse zusammen. "Wir bleiben für immer Freunde."

Einen hab' ich noch

Das Wesen seiner Arbeit charakterisierte Waalkes in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Nonsens ist kein reiner Schwachsinn", so der Ostfriese, "es ist verweigerter Sinn. Der Betrachter wird in ein scheinbar stabiles Sinngebäude gelockt - und dann lassen wir ihn voll gegen die Wand laufen. Das macht schon eine gewisse Mühe." Eine Mühe, auf die er aber auch weiterhin nicht verzichten will. "Ich sehe keine Notwendigkeit, erwachsen zu werden", erklärt Otto. Dementsprechend ist bereits eine Herbsttournee geplant. Und auch der dritte Teil seiner "Zwerge"-Filme ("Bubi - Die Legende lebt") soll Weihnachten 2014 in die Kinos kommen.

Vorher heißt es aber erst einmal Geburtstag feiern. Am 22. Juli 2013 wird Waalkes 65. "Einen hab' ich noch" - wenngleich dieser Ausspruch eigentlich auf Heinz Erhardt zurückgeht, kennen ihn viele dennoch vor allem von Otto. "Spaßmachen ist gar nicht mein Beruf. Ich mache nur Kohle damit. Aber das macht Spaß." In diesem Sinne: Happy birthday!

Quelle: n-tv.de, mit AFP/dpa

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