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"Wir wollen Geld verdienen!" Mitch Winehouse schnaubt vor Wut

Er hat geheult, als er seinen eigenen, fertigen Text gelesen hat - das bedeutet nämlich, dass die "Geschichte" wirklich wahr ist: Seine Tochter ist tot, und jetzt muss er im Halbstunden-Takt Interviews über die schlimmsten Momente in seinem Leben geben. Aber: Es ist für den guten Zweck.

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Ein wilder Geist ...

(Foto: dpa)

Mitch Winehouse schnaubt vor Wut. "Das tue ich nicht. Ich kann das nicht tun", herrscht der Vater von Soul-Röhre Amy die jungen Damen aus der PR-Abteilung seines Verlages an. Mitch Winehouse hat mit Hilfe eines Ghostwriters ein Buch über das Leben seiner Tochter geschrieben. Und damit es auch seinen Hauptzweck nicht verfehlt, hat der Verlag ihm an diesem Tag gleich acht sogenannte Interviewtermine hintereinander auf den Terminkalender geschrieben.

Achtmal muss der 60-Jährige erzählen, dass Amy Winehouse ("Back to Black") nicht mehr drogenabhängig war, als sie am 23. Juli 2011 im Alter von nur 27 Jahren starb. Achtmal muss er sagen, dass sie in jenem schicksalsträchtigen Juli 2011 gerade dabei war, auch mit dem Trinken aufzuhören, als sie rückfällig wurde und schließlich mit 4,16 Promille im Blut an einer Vergiftung starb. Achtmal muss er herauspressen, dass es ihm nicht schlecht dabei ging, als er das Buch schrieb, wohl aber, als er den fertigen Entwurf las. "Plötzlich war alles wahr - ich habe die ganze Zeit geheult", gibt der gelernte Taxifahrer zu.

Mitch Winehouse versucht gar nicht erst, das Ziel seines Schriftsteller-Debüts zu vertuschen. "Wir wollen Geld verdienen", sagt er. "Alleine zwei Millionen Euro bekommen wir als Vorauszahlung. Wenn das Buch nicht mindestens vier Millionen einspielt, wäre ich enttäuscht", gibt er zu und fügt mit Blick auf seine Stiftung hinzu: "Wir brauchen das Geld." Ein zweites Buch über die Familie Winehouse sei schon in Arbeit. "Wir haben zwei Drittel davon geschrieben."

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Schrieb in einer Art Reflex: Mitch Winehouse.

(Foto: dpa)

Winehouse hat in einer Art Reflex noch im Flugzeug von New York nach London auf dem Weg zu seiner toten Tochter den Entschluss gefasst, eine Stiftung in ihrem Namen zu gründen. Damit will er Kinder mit "allen möglichen Arten von Krankheiten" unterstützen. Die kompletten Einnahmen aus seinem Buch sollen da hinein fließen. Auch das Geld, das er selbst als Jazz-Musiker verdient, fließe in die Stiftung, sagt er. Amys Nachlass dagegen soll in der Familie bleiben.

Eigentlich ...

Für Mitch Winehouse war die gut viermonatige Arbeit an der 256 Seiten starken Biografie auch ein Stück Vergangenheitsbewältigung. "Ich wollte einiges geradeziehen", sagt er. Mit Mythen aufräumen, etwa, dass sich Amy jemals Heroin gespritzt habe. "Die letzten sechs Wochen ihres Lebens hat sie zwei Wochen nichts getrunken, und ist dann einen Tag rückfällig geworden. Dann hat sie drei Wochen nichts getrunken und ist für zwei Tage rückfällig geworden. Eigentlich lief alles in die richtige Richtung", erinnert er sich.

In dem Buch zeichnet Mitch Winehouse auch die frühen Jahre seiner Tochter nach. "Im Alter von einem Jahr lernte sie laufen. Dann begann sie etwas schwierig zu werden", schreibt er. In der Schule hatte Amy ständig Zoff mit ihren Lehrern, angeblich weil denen ihre Piercings nicht gefielen. Mit drei Jahren habe die spätere Soul-Sängerin nur Kleidung tragen wollen, die rosafarben war. Stillsitzen haben sie ohnehin nie können.

Als sie im Alter von zwölfeinhalb Jahren an die Theaterschule wechselte, sei sie ständig ermahnt und verwarnt worden. Mitch Winehouse zitierte die Schulchefin Sylvia Young mit den Worten, Amy habe "einen wilden Geist". Auch nach dem Schulwechsel wurde sie wohl nicht wirklich ruhiger. "Amy bestand ihre Mittlere Reife und hinterließ eine Reihe genervter Lehrer", schreibt ihr Vater.

Als schicksalhaft bezeichnet Mitch Winehouse die Beziehung zu Amys Ehemann Blake Fielder-Civil, dem sie zunächst völlig verfallen sei und den sie 2007 in den USA heiratete. Amy habe bis dahin harte Drogen abgelehnt, er habe sie dazu gebracht, sie dennoch zu nehmen. Später trennte sich Amy Winehouse von ihrem Mann - zu spät in den Augen ihres Vaters.

In dem Buch reflektiert Winehouse auch über seine Vaterrolle und lässt auch ein wenig Selbstkritik zu. "Ich konnte sie beschützen, aber ich konnte sie nicht retten", schreibt er.

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Quelle: n-tv.de, dpa

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