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Ständchen zum eigenen Fest in Wien Punk-Ritter Geldof wird 60

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Ein Ritter, der die "Verweigerungshaltung des Punk" in sich spürt: Bob Geldof.

dapd

Berühmt wurde Bob Geldof als Sänger der 1975 gegründeten Punk-Wave-Band The Boomtown Rats. Obwohl er nach wie vor permanent Musik macht, ist der streitbare Ire vielen eher als Polit-Aktivist bekannt. Zu seinem 60. geht er mit neuem Album auf Tour. Start ist nicht irgendwo, sondern im Wiener Burgtheater.

Sein Megahit "I Don't Like Mondays" rettet bis heute so manche Party. Mit dem Dauerbrenner, den er noch mit seiner Band The Boomtown Rats aufgenommen hatte, schrieb Bob Geldof Musikgeschichte. Die Nachricht, dass der irische Sänger seinen 60. Geburtstag am 5. Oktober auf einer Konzertbühne feiert, dürfte trotzdem viele überraschen.

Geldof tourt in den nächsten Wochen mit seinem ersten Soloalbum seit zehn Jahren durch Europa. Die allgemeine Öffentlichkeit nimmt den mehrfachen Anwärter auf den Friedensnobelpreis seit langer Zeit vor allem als Polit-Aktivisten wahr. Afrika und der Schuldenerlass für die Dritte Welt sind die großen Themen des Hauptinitiators von Bandprojekten wie Band Aid und Live Aid, der für sein Engagement von der Queen zum Ritter geschlagen wurde.

"Ich habe nie aufgehört, Musik zu machen", stellt Geldof klar. "Um den politischen Kram kümmere ich mich, weil mich das interessiert. Aber mein eigentliches Ding, das ich permanent mache, ist die Musik." Mit Selbstironie beschreibt er am Beispiel einer der geplanten sieben Tourstationen in Deutschland seinen veränderten Status als Rockstar: "Die meisten Menschen werden überrascht sein, wenn ich, sagen wir, in Mannheim auftauche: Heute Abend ist Bob Geldof in Mannheim ... Aha, und was macht er da?".

Misstrauisch und glücklich

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Geldof wird an seinem Geburtstag im Wiener Burgtheater auf der Bühne stehen und sein bereits erschienenes Album "How To Compose Popular Songs That Will Sell" vorstellen - in großer Bandbesetzung.

(Foto: dpa)

Als Geldof kürzlich in Washington und New York auftauchte, überraschte das niemanden. "Ich war beim Frühjahrstreffen von IWF und Weltbank und anschließend bei der UN-Vollversammlung", sagt er. Was Geldof bei den Mächtigen erlebte, klingt bedrohlich: "Sie sagen dir das nicht im Fernsehen, aber hinter den Türen herrscht große Angst", schildert er, wie seiner Meinung nach die Welt "den Bach runtergeht" und eine "politische Krise" erlebt.

Es gebe keinen einzigen Politiker auf der Welt, dem er Führungskraft attestieren könne. Geldofs Entspanntheit und gute Laune beim Interview in der Suite eines Luxushotels stehen im Widerspruch zu dem, was der "Rocker mit Heiligenschein" ("Frankfurter Allgemeine Zeitung") berichtet.

Vielleicht hat der Wahl-Londoner nach privaten Schicksalsschlägen, die er in einem späteren "Spiegel"-Interview als "fast Shakespearsche Tragödie" bezeichnete, gelernt, sich durch nichts aus der Ruhe bringen zu lassen. Paula Yates, seine erste Frau und Mutter seiner drei Töchter, verließ ihn für Michael Hutchence. Drei Jahre nach dem mysteriösen Tod des INXS-Sängers starb sie 2000 an einer Überdosis Drogen. Tochter Peaches Geldof geriet ebenfalls mehrfach mit Drogen in die Schlagzeilen.

"Es ist schon lustig, dass ich so viele Jahre meines Lebens warten musste, bis ich kapiert habe, was es bedeutet, glücklich zu sein", beschreibt Geldof zum runden Geburtstag sein Lebensgefühl, das sich auch auf dem neuen Album niederschlage. "Es ist die Buchstütze meines letzten Albums, das sehr dunkel und kalt war. Diesmal ist es das genaue Gegenteil." Auch wenn er in seiner Musik Persönliches preisgibt, sieht er sie nicht als Spiegelbild seines Privatlebens. "Ich schreibe Songs als selbstadressierte Postkarte meiner Psyche."

Ironisch und rebellisch

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Politisch engagiert: Bob Geldof während des Konzertes "Music For Peace" im polnischen Warschau. (Archivbild vom 01.09.2007)

(Foto: dapd)

Sein neues Album wollte er eigentlich entsprechend seines Alters während der Entstehung "58 1/2" nennen: "Das wäre so richtig schön Punk gewesen." Stattdessen wählte er den Titel des zufällig bei einem Freund entdeckten alten Buchs "How To Compose Popular Songs That Will Sell" ("Wie man populäre Songs komponiert, die sich verkaufen"). "Wenn es um Lady Gaga gehen würde, wäre der Titel nicht ironisch gemeint", sagt er zu den Gesetzen der Popwelt: "Aber da es um mich geht: Ja klar, das ist ironisch gemeint. Ich bin nicht Lord Gaga!"

Auch mit 60 spürt Geldof noch "die Verweigerungshaltung des Punk" in sich. "Das Problem mit dem Idealismus ist, dass du alt wirst. Aber meine Haltung ist immer die geblieben, alles infrage zu stellen". Anders als die Mehrheit der Gesellschaft fühle er sich sehr wohl mit Veränderung, die Voraussetzung für die Weiterentwicklung der Gesellschaft sei.

Mit Blick auf die aktuellen Umwälzungen auf der ganzen Welt - die arabischen Revolutionen bezeichnet er als "exzellent" und Afrika sagt er "eine große Zukunft" voraus - meint der in der Nähe von Dublin geborene Musiker: "Es ist eine gute Zeit, um ein Punk zu sein." Im Aufnahmestudio und auf der Bühne zeigt Geldof allerdings keine Lust auf Veränderung. "Ich spiele mit diesen Jungs seit 1986", antwortet der frühere Musikjournalist verwundert auf die Frage, mit welchen Musikern er auf Tournee gehe.

Quelle: n-tv.de, Max Blosche, dpa

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