Unterhaltung

Bukow und König im Stress Rostocker "Polizeiruf 110" im Schnellcheck

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Ist nicht ganz bei der Sache: König. Bukow dafür umso mehr.

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

König kämpft mit den Hormonen, Bukow wie üblich mit seinem Temperament und Sohnemann ist mit einem Mörder auf der Flucht. Der Fall "Kindeswohl" zieht alle filmischen Register, sieht aber mit Blick auf die übliche Ostsee-Tristesse fast schon etwas zu schick aus.

Das Szenario

Der junge Keno (Junis Marlon) kann nicht schreiben oder lesen, seine Eltern sind weg, sein Bruder Otto (Niklas Post) fristet ein zermürbendes Dasein auf einem polnischen Bauernhof, wo er versucht, sich das Leben zu nehmen. Keno selbst wohnt in einem privaten Kinderheim und verbringt seine Freizeit meist vor dem Computerscreen bei seinem besten Kumpel. Dass es sich hierbei ausgerechnet um Sami (Jack Owen Berglund), den Sohn von Alexander Bukow (Charly M. Hübner) handelt, lässt früh erahnen, dass in Rostock diesmal mindestens doppelbödiges Drama dräut.

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Wo haben die Jungs nur die Knarre her?

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

Und tatsächlich: Kurz darauf erschießt Keno im Beisein von Sami den Chef seines Kinderheims bei einer Auseinandersetzung im Wald und ist fortan mit seinem Freund zusammen auf der Flucht. Bukow, im Bereich Hutschnur traditionell nahe der Sollbruchstelle, und Katrin König (Anneke Kim Sarnau), müssen nun nicht nur einen Mord aufklären, es gilt auch Sami da heil rauszubekommen. Wenig hilfreich ist es, dass König eine Dating-App für sich entdeckt hat und chronisch am Smartphone hängt, um potentielle Lover zu begutachten.

Die eigentliche Botschaft

Eine Message gibt es kurz vor Schluss, als eine Einblendung davon kündet, dass zur Zeit um die 850 Kinder aus Deutschland bei Pflegefamilien im europäischen Ausland leben.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Möglicherweise über Monchi, den Sänger von Feine Sahne Fischfilet, der in dieser „Polizeiruf 110“-Folge einen Gastauftritt hat. Charly M. Hübner hatte mit "Wildes Herz" jüngst eine sehenswerte Doku über den ambitionierten Punk-Sänger und Aktivisten gedreht und in die Kinos gebracht. Nun also der Schritt von der Konzertbühne in die Krimi-Kulisse, von Punkrock zu "Polizeiruf", in seiner Rolle als lautstarker Erzieher mit fester Hand garnicht mal so weit entfernt vom Gestus' Jan Morkows, wie Monchi bürgerlich heißt, auf den Bühnen zwischen Flensburg und Darmstadt.

Der Plausibilitätsfaktor

Prof. Dr. Holger Wendelin, Profes­sor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik an der Evangelischen Hochschule Rhein­land-­Westfalen-­Lippe in Bochum über die Unterbringung im Ausland: "Man kann das bäuerlich-­ärmliche Umfeld für Jugend­liche aus deutschen Ballungsgebieten durchaus als inte­ressanten Erfahrungsraum begreifen. Muss man nicht, kann man aber. Wenn man Jugendliche in solche ganz basalen Lebenszusammenhänge gibt, zielt man darauf ab, die Komplexität von Alltagsleben zu reduzieren. Das kann in bestimmten Fällen schon auch Sinn machen, aber ich kritisiere, dass man die Jugendlichen da erstmal in eine sehr hilflose Situation bringt und meist auch nur wenig oder gar keine Fachlichkeit bei den Betreuenden vorhanden ist."

Die Bewertung

6 von 10 Punkten. Als Stand-alone-Krimi durchaus spannende Unterhaltung, unter dem Aspekt der Filmreihe und ihrer homogenen Fortschreibung der Figuren nicht vollends stimmig.

Quelle: n-tv.de

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