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Interview mit Assaf Gavron "Die Zukunft ist faszinierend"

Assaf Gavron, Bild: Samira Lazarovic

Assaf Gavron zu Gast bei den Jüdischen Kulturtagen Berlin.

Der israelische Schriftsteller Assaf Gavron ist kein Science-Fiction-Fan. Aber er liebt es, sich in seinen Büchern auszumalen, wie unsere Welt in einigen Jahrzehnten aussehen könnte. Wenn der Leser dann denkt, ja, so könnte es mal sein, dann hat Gavron sein Ziel erreicht.

n-tv.de: Herr Gavron, Ihr neuer Roman "Hydromania" ist exakt 60 Jahre in der Zukunft angesiedelt. In dem Buch beschreiben Sie die Zukunft Israels mit einer schwachen Gesellschaft, deren Überlebenskampf sich um die Ressource Wasser dreht – ein Thema, das bereits sehr aktuell ist. Glauben Sie manchmal, dass die Probleme, die Israel heute schon hat, die unserer globalen Zukunft sind?

Assaf Gavron: Nein, das glaube ich nicht. Es gibt und gab die verschiedensten Konflikte in der Welt. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass die Tatsache, dass Israel schon vor 09/11 unter Selbstmordanschlägen gelitten hat, es zu einem Ort macht, der uns die Zukunft zeigt. Ich glaube jedoch, dass Israel ein sehr interessanter Ort ist, voller Konflikte, Probleme, Widersprüche und einer faszinierenden Mischung von Menschen. Dies alles macht das Land zu einer Kulisse für viele großartige Geschichten. In diesem Sinne habe ich als Schriftsteller Glück.

In der israelischen Science-Fiction-Gemeinde kam "Hydromania" besonders gut an, Sie haben den diesjährigen Geffen-Preis gewonnen. War es überhaupt Ihre Absicht einen Science-Fiction-Roman zu schreiben?

Nicht wirklich. Ich denke, dass alle meine Bücher, inklusive "Hydromania", eine Mischung aus verschiedenen Genres sind und nicht einem speziellen Genre zugeordnet werden können. Ich kenne mich zudem nicht besonders gut mit Science-Fiction aus. Obwohl es einige Science-Fiction-Bücher und –Filme gibt, die ich liebe, bin ich insgesamt kein großer SF-Fan. Aber sich die Zukunft auszumalen – auf einem persönlichen, einem nationalen und einem globalen Level, ist immer faszinierend.

Was für ein Echo hat "Hydromania" in Israel ausgelöst? Immerhin sind es im Buch die Palästinenser, die den Krieg gewinnen und über das Territorium herrschen.

Das israelische Publikum war nicht sehr glücklich darüber. Ich wurde gefragt, warum ich denn so pessimistisch bin. Aber für mich war die Geschichte nur eine gedankliche Übung – ich habe mir lediglich vorgestellt, wie Israel aussehen könnte, wenn sich die Umstände ändern.

Gab es in anderen Ländern andere Reaktionen auf Ihr Buch?

Das Feedback, das ich erhalte, bezieht sich meist auf die Geschichte und auf die Wasser-Problematik – nicht so sehr auf den politischen Hintergrund, der auch eher eine kleine Rolle in dem Buch spielt. Daher sind die Reaktionen in den verschiedenen Ländern ähnlich.

Warum haben Sie Cäsarea als letzte Enklave der Israelis ausgesucht, warum nicht Tel Aviv oder Haifa?

Ich wollte, dass die Geschichte an einen anderen Ort spielt, als die üblichen Städte Tel Aviv, Jerusalem, Haifa. Ich wollte eine futuristische, urbane Umgebung schaffen und das war einfacher in einem kleinen Ort wie Cäsarea. Zudem hat die Stadt in Sachen Wasser eine reiche Geschichte. Die Römer bauten hier einst einen großen Hafen und eines der fortschrittlichsten Wasser-Systeme ihrer Zeit.

In "Hydromania" entwerfen Sie eine völlig neue Welt. Welche Art von Recherche war dazu nötig?

Ich wollte eine Zukunft entwerfen, die nicht aus reiner Fantasie besteht, sondern in unserer Gegenwart wurzelt. Ich wollte, dass der Leser dieses Zukunftsszenario für realistisch hält. Also habe ich mir in verschiedenen Bereichen die aktuellen Entwicklungen und ihre Projektionen für die Zukunft angeschaut.

Nehmen wir die Technologien: Computer werden immer kleiner und gleichzeitig komplexer in ihrer Anwendung – also werden sie in meinem Buch zu kleinen Chips in der Größe eines Reiskorns, die unter die Haut implantiert werden. Anderes Beispiel Wasserpolitik: Flüsse und Gletscher gehen bereits in das Eigentum großer Konzernen über. Die Unternehmen übernehmen schon die Wasserversorgung in einigen armen Städten. Diese Prozesse habe ich im Buch ein paar Schritte vorangetrieben. Ähnlich bei den geopolitischen Entwicklung: Der Fall der USA und der Aufstieg Chinas werden bereits seit Jahren diskutiert – diesen Faden habe ich nur weitergesponnen. Zudem habe ich mich bei Experten über die verschiedenen Möglichkeiten Regenwasser zu sammeln und zu klären, informiert.

Ihr Hauptfigur in "Hydromania" ist Maja, eine Frau und schwanger dazu. War es schwierig die Perspektive zu ändern und die psychologischen und physischen Befindlichkeiten einer Schwangeren wiederzugeben?

In meinem Buch "Ein schönes Attentat" hatte ich eine palästinensische Figur, die auch ein ganz anderes Leben hat als ich. Das ist die Herausforderung für einen Schriftsteller, das macht Schreiben interessant. Ich kann mir nicht vorstellen, in jedem meiner Bücher über eine Person zu schreiben, die genau wie ich ist. Also gebrauche ich meine Fantasie, beobachte und rede mit vielen Menschen – zum Beispiel mit schwangeren Frauen.

Aber offensichtlich haben Sie bei "Hydromania" ein Alter Ego eingebaut - könnte es sein, dass Assafdschi am selben Tag wie Sie geboren ist?

Ja, es gibt einige Übereinstimmungen. Aber ich weiß wirklich nicht, ob ich so lange leben werde!

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Quelle: ntv.de, mit Assaf Gavron sprach Samira Lazarovic

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