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Benzin im Blut, Fuß am Gas "F. Piëch: Automanager des Jahrhunderts"

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Ferdinand Piëch: Sein Wort hat noch immer Gewicht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Sein Vorname erinnert an den legendären Autopionier Ferdinand Porsche. Von ihm scheint er das Benzin im Blut geerbt zu haben. Aber Ferdinand Piëch ist längst aus dem Schatten des Großvaters getreten: Er ist der "Automanager des Jahrhunderts".

Der Volkswagen-Konzern schwimmt derzeit auf einer Erfolgswelle. Die Nummer 1 in Europa will sich in den kommenden Jahren auch die Weltspitze sichern. Dass es dazu kommen kann, daran zweifeln die Experten nicht - aus einem ganz bestimmten Grund, und dieser hat einen wohlklingenden Namen: Ferdinand Piëch.

Der gebürtige Wiener ist die graue Eminenz im Wolfsburger Konzern. Er zieht als Aufsichtsratsvorsitzender noch immer die Fäden, die er von 1993 bis 2002 als Konzernchef selbst in der Hand gehalten hat. Ein Lautsprecher der Branche - wie so manch anderer Zeitgenosse - war er nie. Er äußert sich selten. Aber wenn er etwas sagt, ist es pointiert, auf den Punkt gebracht. So, als wäre jedes Wort bereits eines zu viel. Und wohl gerade deshalb horcht die Autobranche dann auf, hört genau hin, hängt an seinen Lippen.

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Autor Wolfgang Fürweger ist auch der Verfasser des Buches "Die PS-Dynastie", ebenfalls im Verlag Carl Ueberreuter erschienen.

Der österreichische Journalist Wolfgang Fürweger tat dies auch. Er ist einer der wenigen der ein stundenlanges Interview mit Piëch führen durfte und dabei auch den Menschen hinter dem Automanager kennengelernt hat. Vereinbart war das Gespräch für sein Buch "Die PS-Dynastie". Zum Projekt "Ferdinand Piëch - Der Automanager des Jahrhunderts" wollte sich Piëch nicht äußern. Dennoch ist Fürweger nun ein gelungenes Porträt über Piëch gelungen, den bekanntesten Nachkommen Ferdinand Porsches, den ebenso genialen Techniker wie Firmenlenker - eben den "Automanager des Jahrhunderts".

Der Vorname verpflichtet

Den Titel "Automanager des Jahrhunderts" bekam Piëch bereits 1999 von einer Fachjury verliehen. Spätestens damit ist Piëch aus dem großen Schatten seines Großvaters getreten, des Autopioniers Ferdinand Porsche. Bereits 1900 sorgte er bei der Weltausstellung mit dem Lohner Porsche für Aufsehen. Das Gefährt war mit einer Spitzengeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern nicht nur sensationell schnell, es war auch mit einem Hybrid-Antrieb ausgestattet und konnte mit Strom als auch mit einem Verbrennungsmotor angetrieben werden. Die Elektromotoren saßen anfangs in den Radnaben der Vorderräder, später dann in allen vier Rädern. Allrad-Antrieb bereits vor mehr als 100 Jahren und eine Idee, die Piëch dann später zur Serienreife brachte.

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Können diese Augen lügen? VW Käfer

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Berühmt ist Ferdinand Porsche aber vor allem für den "Volkswagen". Nazi-Führer Adolf Hitler, der selbst nie einen Führerschein besessen hat, aber ein Autonarr durch und durch gewesen sein soll, wollte die breite Mobilisierung der deutschen Bevölkerung. Dafür musste ein erschwingliches Auto her, mit Platz für fünf Personen, einer Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h, einem Verbrauch von maximal 7 Litern und einem Preis, der nicht über 1000 Reichsmark liegen sollte.

Ferdinand Porsche nahm die Herausforderung an, die vor allem darin bestand, die Produktion von Handarbeit auf Masse umzustellen. "Wolfsburg" entstand: Produktionsstätte mit angehängter Siedlung für die Arbeiter. Der Volkswagen rollte vom Band, wurde vom Staat noch subventioniert und hieß "KdF-Wagen". Besser bekannt, weil millionenfach verkauft und damit das Sinnbild des deutschen Wirtschaftswunders nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er aber als "Käfer" - Ferdinand Porsches Vermächtnis an die Nachwelt im Allgemeinen und an seine Familie im Speziellen.

Ein flotter Käfer

Für den Käfer, entwickelt von Ferdinand Porsche und seinem Konstruktionsbüro, zahlte Volkswagen nach dem Krieg Lizenzgebühren: 0,1 Prozent des damaligen Listenpreises, 5 Mark. 22 Jahre lief der Vertrag, 15 Millionen Käfer wurden in dieser Zeit verkauft. Ein hübsches Sümmchen also. Zudem handelte Ferdinands Sohn Ferry für das Konstruktionsbüro die Weiterentwicklung des Volkswagens heraus, was nochmals Geld in die Kassen spülen sollte und so letztlich den Aufbau der Sportwagenschmiede in Stuttgart-Zuffenhausen und des Fahrzeughandelshauses in Österreich ermöglichte.

Die Familien Porsche und Piëch wurden zu den alleinigen Generalimporteuren aller Volkswagen-Produkte in Österreich. Der Volkswagen-Konzern wollte mit diesen Zugeständnissen Porsche an sich binden und verhindern, dass das Konstruktionsbüro auch für andere Autobauer tätig wurde. Für Porsche ein genialer Schachzug, denn als es um das Erbe von Ferdinand Porsche ging, behielt Ferry das Büro und kümmerte sich um den Aufbau von "Porsche" an sich (der legendäre "356" geht auf sein Konto). Ferdinands Tochter Louise, verheiratet mit Anton Piëch, startete als VW-Fahrzeughändlerin in Österreich groß durch.

Benzin im Blut

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Porsche soll eine Marke im VW-Konzern werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ferdinand Piëch vereint die Eigenschaften beider Familienteile in sich: Er hat den technischen Verstand seines Großvaters und seines Onkels geerbt und darüber hinaus auch das organisatorisch-kaufmännische Talent seiner Eltern. Sein Weg zum Konzernlenker war damit vorgezeichnet. Nach seinem Technik-Studium fing er 1963 bei Porsche an, bereits 1965 übernahm der Freizeit-Rennfahrer die Leitung der Entwicklungsabteilung und zeichnet unter anderem für den Rennwagen 917 verantwortlich. Das Projekt war zwar enorm teuer, legte aber mit den herausgefahrenen Siegen den Grundstein für den noch heute guten Ruf Porsches als Sportwagenschmiede.

Ein Familienstreit zwischen mehreren Generationen der Porsches und Piëchs sorgte dann allerdings dafür, dass Ferdinand Piëch ein eigenständiges Ingenieurbüro gründete und er für Mercedes einen Fünf-Zylinder-Motor entwickelte. Das Angebot einer Festanstellung lehnte er ab, um dann wenig später - ab August 1972 - bei Audi durchzustarten.

Vorsprung durch Technik

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Bei Audi feiert Piëch seine ersten Erfolge - sowohl als Techniker als auch als Manager.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Aus Piëch, dem Hauptabteilungsleiter in der Entwicklungsabteilung wird schnell der Technische Vorstand der Audi AG. 1983 wird Piëch dann erst Vize und fünf Jahre später Vorstandschef bei den "Herren der Ringe". Audi legt in Piëchs Zeit das Image des verstaubten Opa-Autos ab. Der Allradantrieb quattro geht in Serie, ebenso wie die vollverzinkte Karosserie und der TDI-Motor. Während Audi sich zur Vorzeigetochter von Volkswagen mausert, steckt der Konzern selbst in der Krise. Piëch wird Mitglied des VW-Konzernvorstands in Wolfsburg und ab 1993 Vorstandsvorsitzender.

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Erst Vorstandschef, jetzt Aufsichtsratsvorsitzender: Im VW-Konzern geht nichts ohne Ferdinand Piëch.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte: Die Einführung der Vier-Tage-Woche, die Entwicklung der Plattform-Strategie und des Drei-Liter-Autos sind nur drei Erfolge aus Piëchs Amtszeit. Piëch macht Volkswagen durch gezielte Zukäufe zum größten Autohersteller Europas. Der Konzern dringt unter ihm - 2002 wird er Aufsichtsrats-Chef von VW - mit Namen wie Phaeton und Bentley ins hochpreisige Premiumsegment vor, wird mit Lamborghini zur Sportwagen- und mit Bugatti zur Luxusschmiede. Mit etwas Glück und viel Können vereint er zudem Volkswagen und Porsche.

Ein Buch, das Viele anspricht

Fürwegers Buch zeichnet das bisherige Leben und Wirken von Ferdinand Piëch detailgetreu in insgesamt 14 Kapiteln nach. Dabei kommt weder der Mensch Piëch noch das Autogenie Piëch zu kurz. Auch seine Frauengeschichten - er heiratete mehrmals - werden angerissen. Das Buch wartet zudem mit vielen kleinen Schmankerln auf: eine Kurz-Biographie oder ein Familienstammbaum gehören ebenso dazu wie zahlreiche Fotos. Es gibt daher einen umfassenden Einblick in den Werdegang Piëchs - von seinen Anfängen als Techniker und Ingenieur bis zum Konzernlenker und "Automanager des Jahrhunderts".

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Das Buch ist im Verlag Carl Ueberreuter erschienen.

(Foto: Verlag Carl Ueberreuter)

Das Buch wartet mit jeder Menge historischem Hintergrund auf, kann aber auch mit aktuellen Bezügen brillieren. Einzig der "österreichische" Schreibstil Fürwegers ist gewöhnungsbedürftig, hemmt aber dank der kurzweilig verfassten Kapitel nicht das Lesevergnügen.

"Ferdinand Piëch - Der Automanager des Jahrhunderts" ist nicht nur etwas für Audi-, VW- und Porsche-Freunde; sondern auch für Wirtschaftsinteressierte, Geschichtsliebhaber und passionierte Porträt- oder Autobiographie-Leser.

Wolfgang Fürweger "Ferdinand Piëch - Der Automanager des Jahrhunderts" im n-tv-Shop

Quelle: n-tv.de

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